Aktualisiert

Mord von PerugiaHoffnung und Verzweiflung im Fall Knox

Während die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haft für Amanda Knox und Raffaele Sollecito fordert, buchten die Eltern der angeklagten Studentin für ihre Tochter ein Flugticket in die USA.

von
kle

Staatsanwalt Giuliano Mignini geht besonders hart vor gegen Amanda Knox: Nicht nur forderte er am letzten Prozesstag am Samstag eine lebenslange Haftstrafe für die 22-jährige Austauschstudentin aus Seattle (20 Minuten Online berichtete), er beantragte auch noch neun Monate Isolationshaft wegen Mordes an der Britin Meredith Kercher.

Für Verteidiger Luciano Ghirga ist die Forderung der Staatsanwaltschaft völlig übertrieben: «Den Antrag auf Isolation stellt man eigentlich für schwere Verbrechen, meistens in Verbindung mit der Mafia. Aber sicher nicht für jemanden, der eine saubere Akte hat. Amanda Knox ist doch ein Mädchen Mitte zwanzig. Isolationshaft ist einfach zu viel.»

Dramatische Wortwahl der Staatsanwaltschaft

Mignini stellte vor dem Richter einmal mehr das Bild der kaltblütigen Mörderin dar, die ihre Mitbewohnerin im Rahmen von sadistischen Sexspielen umbrachte: «Wir dürfen nicht vergessen, für was die Angeklagten beschuldigt sind. Das war ein Mord mit sexueller Gewalt und sinnloser Beweggründe.» Weiter erinnerte Mignini an das Opfer: «Eine 21-jährige Frau, die in den Tagen nach ihrer Ermordung nach London zurückkehren sollte, um ihre kranke Mutter zu besuchen und die ihren Vater, Schwester und die jüngeren Brüder umarmen wollte.»

«Aber sie konnte nicht zurückkehren und ihre Familie umarmen», sagte Mignini in dramatischem Ton. «Sie wurde auf entsetzlicher Art getötet. Die einzige Art, wie ihre Familie mit ihr sein kann, ist, sie auf dem Friedhof zu besuchen. Sie wurde im wörtlichen Sinne eliminiert.»

Amanda Knox wehrt sich

Amanda Knox hörte aufmerksam dem Plädoyer des Staatsanwalts zu. Sie zeigte keine Regung. Doch als Mignini sein Plädoyer beendet hatte, verlangte Knox das Wort – erstmals seit ihrer Aussage im Juni. Auf italienisch und mit belegter Stimme sagte sie: «Ich habe ein paar wichtige Sachen zu sagen» und kämpfte dabei mit den Tränen. «Erstens war Meredith meine Freundin. Ich habe sie nicht gehasst. Zu sagen, dass ich mich an einem Menschen rächen wollte, den ich mochte, ist lächerlich. Ausserdem hatte ich keine Beziehung zu Rudy (Anm. d. Red.: Rudy Guede, der einzige Verurteilte in diesem Fall). Alles, was in den letzten zwei Tagen behauptet wurde, ist reine Phantasie. Ich möchte das betonen. Und das ist schon alles, was ich zu sagen habe. Vielen Dank.»

Die Angehörigen und Freunde der Angeklagten glauben fest an ihre Unschuld: Mutter Edda Mellas hat bereits Rückflugtickets nach Seattle gebucht. Sie plant, Weihnachten mit ihrer Tochter zu feiern. Das Urteil ist in den nächsten zwei bis drei Wochen zu erwarten.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.