Zürich: Hohe Geldstrafen für Schläger
Aktualisiert

ZürichHohe Geldstrafen für Schläger

Zwei junge Kosovaren aus Bassersdorf und Effretikon haben an einer abgemachten Massenschlägerei mit mehreren Verletzten teilgenommen. Nun wurden die beiden vorbestraften Täter zu unbedingten Geldstrafen von 18 000 Franken sowie 7 200 Franken verurteilt.

von
Attila Szenogrady

Die beiden kosovarischen Angeklagten sind schon seit der Schulzeit miteinander befreundet. Der heute 22-jährige Arbeitslose aus Bassersdorf und der 20-jährige Bauarbeiter aus Effretikon wurden bereits vor fünf Jahren wegen eines gemeinsam verübten Raubüberfalls zu einer Einschliessung verurteilt. Am Mittwoch standen sie erneut zusammen vor einem Strafgericht. Diesmal lautete der Vorwurf auf Raufhandel.

Abgemachte Massenschlägerei

Die Anklage ging auf die Nacht zum 5. Juli 2009 zurück. Damals nahmen die beiden Angeschuldigten mit mehreren Kollegen am «Caliente-Fest» in Zürich teil. Fest steht, dass die Gruppe während des Anlasses an andere Jugendliche geriet. Nach einer ersten Schlägerei zwischen zwei Personen, vereinbarten die Gegner, sich in den frühen Morgenstunden im Park des Landesmuseums zu treffen. Zuerst war nur von einer Aussprache die Rede. Allerdings trafen die Kontrahenten bereits mit Holzstöcken und Messern bewaffnet am Treffpunkt ein. Schon bald flogen die Fäuste. Besonders aggressiv tat sich der Hilfsarbeiter aus Effretikon hervor. Er schlug mit seinem Holzstock mehrfach auf zwei Personen ein.

Ein Schwerverletzter

Als nach zehn Minuten die Polizei am Tatort eintraf, war einer der Gegner der beiden Angeklagten schwer verletzt. Er hatte einen doppelten Unterkieferbruch erlitten. Die Fahnder nahmen vier weitere, vor allem an den Köpfen verwundete Personen ins Protokoll auf. Die Staatsanwaltschaft leitete umfassende Ermittlungen ein und präsentierte am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich ihre Ergebnisse.

Demnach handelte es sich bei den beiden Angeklagten um die führenden Köpfe des Raufhandels. Sie hätten ihre Frustration und ihr Aggressionspotenzial ausgelebt, führte die zuständige Staatsanwältin Susanne Leu aus. Sie verlangte unbedingte Freiheitsstrafen. Acht Monate für den Mann aus Bassersdorf, zwölf Monate für den Angeschuldigten aus Effretikon. Zudem sollte der jüngere Bauarbeiter eine frühere, achtmonatige Vorstrafe des Bezirksgerichts Pfäffikon absitzen.

Notwehr geltend gemacht

Die Angeklagten machten dagegen Notwehr geltend. Der Bassersdorfer erklärte sogar, dass er nur habe schlichten wollen. Sein Verteidiger forderte einen vollen Freispruch. Der zweite Anwalt wehrte sich zwar nicht gegen einen Schuldspruch, setzte sich aber für eine milde Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 40 Franken ein. So habe der E ffretiker selber eine Beule am Kopf und einen beschädigten Schneidezahn zugezogen, plädierte er.

Zahlen statt sitzen

Das Gericht kam zu einem umfassend Schuldspruch wegen Raufhandels. Allerdings setzte es keinen Freiheitsentzug, sondern Geldstrafen fest. «Wir haben den heute stabileren Lebensumständen der beiden noch jungen Angeklagten Rechnung getragen», erklärte dazu die Gerichtspräsidentin Maya Bertschi. Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass die Angeklagten bereits im Vorfeld des Treffens eine Massenschlägerei in Kauf genommen hatten. Sie kassierten aufgrund ihrer teilweise einschlägigen Vorstrafen hohe und unbedingte finanzielle Sanktionen. Der Haupttäter aus Effretikon erhielt 360 Tagessätze zu 50 Franken, also insgesamt 18 000 Franken. Der Mann aus Bassersdorf 240 Tagessätze zu 30 Franken, also insgesamt 7 200 Franken. Bertschi bezeichnete das Urteil als eine Chance für die Angeklagten.

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