5500 Fr Mindestlohn: Hohe Löhne sollen Junge zu Bau-Lehre bewegen
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5500 Fr MindestlohnHohe Löhne sollen Junge zu Bau-Lehre bewegen

Der Baumeisterverband will mit guten Löhnen Jugendliche anziehen. Viele hätten fälschlicherweise das Gefühl, Bauarbeiter würden schlecht bezahlt.

von
Ph.Flück

«5500 Franken Mindestlohn für Maurer – Wir stehen dazu!»: Mit dieser Botschaft wirbt der Schweizerische Baumeisterverband (SBV) um Nachwuchs.

Seit kurzem hängen in der ganzen Schweiz Plakate mit der Werbebotschaft. Dahinter steckt eine Kampagne des Schweizerischen Baumeisterverbands (SBV).

Guter Lohn

SBV-Sprecher Matthias Engel sagt: «Viele Leute wissen nicht, dass Bauarbeiter sehr gute Arbeitsbedingungen haben und mehr verdienen als viele andere Handwerker.» Mit der Kampagne wolle man auch Jugendliche ansprechen und für den Beruf des Bauarbeiters begeistern. «Aber auch deren Eltern sollen die Plakate sehen: Oft stehen sie nämlich ihren Kindern bei der Berufswahl im Weg.»

Denn viele Eltern würden es nicht gerne sehen, wenn ihre Kinder sich für einen handwerklichen Beruf interessierten: «Oft raten sie ihrem Nachwuchs etwa, zu studieren und später einen Beruf zu wählen, in dem sie gut verdienen und Karriere machen können.» Engel betont, dass dies auch als Bauarbeiter möglich sei.

Auf einer Tabelle auf der Seite des SBV ist ersichtlich, wie hoch der Mindestlohn in vergleichbaren Berufen ist. An erster Stelle befindet sich das Bauhauptgewerbe (5500 Franken). Dahinter Gipser (5000 Franken), Fachmänner Holzbau (etwa 4800 Franken) und Maler (etwa 4750 Franken). Zum Vergleich: Laut der Tabelle beträgt der Mindestlohn bei Coiffeuren knapp 3800 Franken.

Image-Problem

Auch Petra Braun, Sprecherin des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbands (SMGV) ist der Meinung, dass viele handwerkliche Berufe im Moment ein Image-Problem haben: «Die meisten Leute assoziieren Berufe wie Maler oder Gipser mit tiefen Löhnen.» Dabei könne man auch in diesen Berufen sehr gut verdienen.

Um das Bild dieser Berufe zu ändern, engagiere sich das SMGV beim Projekt «Bausinn». «Das ist eine Kampagne, bei dem wir die guten Weiterbildungsmöglichkeiten in Bauberufen aufzeigen, welche sich dann auch wieder beim Lohn niederschlagen.» Weiter gebe es für Schüler das Projekt «Heros», bei dem Superheldfiguren an Schulen und Arbeitsmessen für die Berufe Gipser und Maler werben.

Lohn nicht entscheidend

Urs Casty, Geschäftsführer der Berufsberatungsplattform «Yousty», glaubt, dass Kampagnen wie die des SBV angehende Lehrlinge nur beschränkt beeinflussen. Laut Studien seien ein gutes Arbeitsklima und ein vielfältiger Arbeitsalltag bei der Lehrstellenwahl wichtiger als ein hoher Lohn.

Weiter sei eine Plakatkampagne nicht optimal, um junge Leute zu erreichen: «Online-Kampagnen sind bei Jugendlichen effektiver.» Casty könne sich aber vorstellen, dass es bei der Kampagne des SBV auch darum gehe, die eigenen Leute zu erreichen, um ihnen zu zeigen, dass sie in guten Händen sind.

Ernst Heutschi, Berufsberater am Berufsinformationszentrum Bern-Mittelland, ergänzt: «Bei vielen Jungen spielt der Werdegang der Eltern eine entscheidende Rolle.» Wer Akademiker als Eltern habe, werde sich kaum zu einem handwerklichen Beruf hinreissen lassen, auch bei guten Löhnen nicht.

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