Katalin Karikó - Hohe Schweizer Auszeichnung für Erfinderin des mRNA-Impfstoffs
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Katalin KarikóHohe Schweizer Auszeichnung für Erfinderin des mRNA-Impfstoffs

Sie wurde schon «Superstar» genannt und wird als Kandidatin für den Chemie-Nobelpreis gehandelt. Nun bekommt die Biochemikerin Katalin Karikó die höchste Auszeichnung der Schweizerischen Akademie der Pharmazeutischen Wissenschaften verliehen.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Katalin Karikó – diesen Namen sollten wir uns merken. Das schrieb 20 Minuten schon im Dezember 2020. Die Forscherin ist diejenige, die mit ihrer jahrzehntelangen Arbeit den Weg für die Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna ebnete. 

Katalin Karikó – diesen Namen sollten wir uns merken. Das schrieb 20 Minuten schon im Dezember 2020. Die Forscherin ist diejenige, die mit ihrer jahrzehntelangen Arbeit den Weg für die Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna ebnete.

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Für diese Leistung ehrt die Schweizerische Akademie der Pharmazeutischen Wissenschaften Karikó nun mit der renommierten Reichstein-Medaille. 

Für diese Leistung ehrt die Schweizerische Akademie der Pharmazeutischen Wissenschaften Karikó nun mit der renommierten Reichstein-Medaille.

SAPhW
Die Begründung: «Katalin Karikó hat ganz wesentlich zur Entwicklung von mRNA und deren Einsatz in Impfstoffen und Medikamenten beigetragen. Ihre Beharrlichkeit bei der Verfolgung dieser Technologie trug nicht nur zu einer neuen Ära in der Vakzinologie bei, sondern auch zu einer schnellen Massenimmunisierung, die die Ausbreitung der CoV-Sars-2-Pandemie verhinderte.»

Die Begründung: «Katalin Karikó hat ganz wesentlich zur Entwicklung von mRNA und deren Einsatz in Impfstoffen und Medikamenten beigetragen. Ihre Beharrlichkeit bei der Verfolgung dieser Technologie trug nicht nur zu einer neuen Ära in der Vakzinologie bei, sondern auch zu einer schnellen Massenimmunisierung, die die Ausbreitung der CoV-Sars-2-Pandemie verhinderte.»

Screenshot 20minuten.ch

Darum gehts

  • Die Schweizerische Akademie der Pharmazeutischen Wissenschaften hat bekannt gegeben, wer in diesem Jahr die renommierte Reichstein-Medaille erhält.

  • Die Auszeichnung geht an die ungarische Biochemikerin Katalin Karikó.

  • Ihr ist es zu verdanken, dass es die mRNA-Impfstoffe gegen Covid-19 gibt.

Woran es Katalin Karikó bei ihrer Forschung jahrzehntelang mangelte, bekommt sie nun zuhauf: Anerkennung. Doch es sind nicht nur Kollegen und Kolleginnen und sogar Konkurrenten und Konkurrentinnen, die sich mit Lob überschlagen. Die ungarische Biochemikerin, die heute Senior-Vizepräsidentin bei Biontech ist, wird für ihre wissenschaftliche Leistung auch mit hohen Auszeichnungen überschüttet (siehe Box). Neu hinzu kommt die Reichstein-Medaille der Schweizerischen Akademie der Pharmazeutischen Wissenschaften (SAPhW).

Ausgezeichnete Forscherin

Seitdem klar ist, welche grosse Rolle künstliche mRNA in der Medizin einnehmen kann, wird Karikós Arbeit wertgeschätzt. Allein im Jahr 2021 bekam sie mehrere Ehrungen zugesprochen. Unter anderem den Lewis S. Rosenstiel Award for Distinguished Work in Basic Medical Research der amerikanischen Brandeis University, den Széchenyi-Preis, die höchste staatliche Auszeichnung Ungarns für die Bereiche Wissenschaft und Forschung und den Building the Foundation Award, der Personen würdigt, deren Entdeckungen in der Grundlagenforschung eine entscheidende Rolle bei der Reaktion auf Covid-19 gespielt haben.

«Katalin Karikó hat ganz wesentlich zur Entwicklung von mRNA und deren Einsatz in Impfstoffen und Medikamenten beigetragen», lautet die offizielle Begründung. «Ihre Beharrlichkeit bei der Verfolgung dieser Technologie trug nicht nur zu einer neuen Ära in der Vakzinologie bei, sondern auch zu einer schnellen Massenimmunisierung, die die Ausbreitung der Sars-CoV-2-Pandemie verhinderte.»

SAPhW-Präsident Gerrit Borchard freut sich über die Entscheidung: «Als lange in der akademischen Impfstoffforschung tätiger Wissenschaftler ist mir diese Auszeichnung ein besonderes Anliegen. Frau Karikós Beispiel zeigt den grossen Nutzen von teilweise langwieriger akademischer Forschung für unsere Gesellschaft», erklärt er 20 Minuten auf Anfrage und verweist auf den renommierten Chemiker Louis Pasteur. Der rief zu Lebzeiten auf, sich mehr für Arbeit in Laboratorien zu interessieren: «Fordern Sie, dass diese heiligen Orte zahlreicher und verehrt werden, denn sie sind die Tempel der Zukunft, des Wohlstands und des Wohlbefindens.»

«Frau Karikós Beispiel zeigt den grossen Nutzen von teilweise langwieriger akademischer Forschung für unsere Gesellschaft.»

Gerrit Borchard, Präsident der Schweizerischen Akademie der Pharmazeutischen Wissenschaften

Gute Aussichten

Gross dürfte die Freude auch bei der in den USA lebenden Forscherin sein. Denn mit der Ehrung rückt sie einer weiteren von Kollegen und Kolleginnen in Aussicht gestellten Auszeichnung noch näher: dem Chemie-Nobelpreis. Zumindest, wenn man den am 4. Juni 2021 verstorbenen Chemiker Richard Ernst aus Winterthur oder den Riehener Immunologen Rolf Zinkernagel als Vorbild nimmt.

Ernst hat die Grundlage für den Magnetresonanztomografen (MRI) entwickelt, Zinkernagel erkannt, wie das Immunsystem virusinfizierte Zellen erkennt. Beiden wurde zunächst die Reichstein-Medaille, später dann der Nobelpreis verliehen. Ganz zu schweigen davon, dass von den 92 Preisträgern des Lewis S. Rosenstiel Awards später 27 auch einen Nobelpreis für Medizin und neun einen für Chemie erhalten haben.

Katalin Karikós Leistung

Schon früh widmete sich die Tochter eines Metzgers der Erforschung von Ribonukleinsäure (RNA), zunächst noch in ihrem Heimatland Ungarn, ab 1985 in den USA. Die RNA, ein Biomolekül, sorgt in unseren Zellen als Boten-RNA (mRNA) dafür, dass genetische Information der DNA in Proteine umgewandelt wird. Im Jahr 1989 erkannte Karikó schliesslich, dass man mit künstlich hergestellter mRNA Krankheiten behandeln könnte, und begann, gezielt an der Entwicklung von Medikamenten auf mRNA-Basis zu forschen. Nach mehreren Rückschlägen gelang es ihr schliesslich, die viralen RNA-Moleküle durch Veränderung eines der vier Bausteine so zu modifizieren, dass sie in menschlichen Zellen nicht mehr von der Immunabwehr zerstört werden. Dies trotz aller Hürden, die ihr der Wissenschaftsbetrieb in den Weg stellte.

Seit 2013 ist die gebürtige Ungarin Senior-Vizepräsidentin beim deutschen Biotechnologieunternehmens Biontech, wo sie auch das mRNA-basierte Proteinersatzprogramm leitet. Aktuell erforscht sie, wie auch andere Erkrankungen, wie die genetisch bedingte Hautkrankheit Epidermolysis bullosa, mittels mRNA therapiert werden könnten.

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