Monsterprozess: Hohe Strafen für Betrügerbande
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MonsterprozessHohe Strafen für Betrügerbande

Drei Ostschweizer Immobilienhändler und ihre Helfer haben Banken und Versicherungen um knapp 18 Millionen Franken geprellt. Dafür haben sie nun die Quittung erhalten.

Das Kreisgericht Wil hat die drei Drahtzieher des Immobilienbetrugs zu Freiheitsstrafen von sieben, dreieinhalb und drei Jahren verurteilt.

Vier Angeklagte erhielten bedingte Freiheitsstrafen zwischen 9 und 15 Monaten sowie Bussen; 21 weitere Personen wurden zu bedingten Geldstrafen und Bussen verurteilt, wie das Gericht am Mittwoch bekanntgab. Das Gericht hatte den Fall in einem zweiwöchigen Monsterprozess im April verhandelt.

Es ging um 136 Haus- und Wohnungsverkäufe in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Schaffhausen in den Jahren 2000 bis 2004. Mit raffiniert gefälschten Dokumenten erschlichen die Betrüger weit überhöhte Hypothekarkredite für insgesamt über 70 Millionen Franken.

Sie arbeiteten laut Anklage professionell: Über Strohmänner oder Immobilienfirmen kauften sie Eigentumswohnungen, Ein- und Mehrfamilienhäuser, die zum Beispiel wegen Sanierungsbedarfs auf dem Markt günstig angeboten wurden.

Zeitungsinserate als Köder

Danach warben sie über Zeitungsinserate Käufer an. «Mit uns (erfolgreiches Immobilienbüro) innert Jahresfrist CHF 1 Mio. verdienen», lautete etwa die Versprechung. Interessenten wurden mit Prämien von bis zu 5000 Franken pro Kaufvertrag geködert. Gegen 50 Personen liessen sich zu einem oder mehreren Käufen überreden.

Die Käufer waren laut Anklage «unerfahren, finanziell angeschlagen, manipulierbar und blauäugig». Sie hofften darauf, ihre Liegenschaften mit Gewinn weiterzuverkaufen - ein Versprechen, das in allen Fällen bitter enttäuscht wurde.

Die drei Drahtzieher sollen 12,7 Millionen Franken kassiert haben. Die geprellten Käufer hingegen blieben auf ihren überteuerten Liegenschaften sitzen, konnten Bankzinsen und andere Kosten nicht bezahlen und mussten in den meisten Fällen Konkurs anmelden.

Strafverfahren gegen 55 Personen

Als die Betrügereien im Jahr 2004 aufflogen, gerieten die finanziell ruinierten Käufer auch noch in die Mühlen der Strafjustiz. In einer koordinierten Aktion nahm die Polizei neun Beteiligte fest und eröffnete gegen 55 Personen Strafverfahren. Ein Teil von ihnen wurde bereits mit Strafbescheiden abgeurteilt.

Für den Hauptangeklagten, einen vorbestraften 52-jährigen Kaufmann, forderte die Anklage eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Das Kreisgericht Wil folgte jetzt diesem Antrag. Gemäss dem Urteil, das nicht rechtskräftig ist, muss der Kaufmann dem Staat eine Ersatzforderung von 1,7 Millionen Franken zahlen.

(sda)

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