Attacke auf Passanten: Hohe Strafen für Prügler von Basel gefordert
Aktualisiert

Attacke auf PassantenHohe Strafen für Prügler von Basel gefordert

Im Prozess um eine brutale Attacke auf drei Passanten in Basel hat die Staatsanwältin Freiheitsstrafen von mindestens neun Jahren verlangt. Zur Tat gibt es aber weiterhin viele Fragezeichen.

Für den mit 21 Jahren jüngsten der drei angeklagten Schweizer forderte die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von 9 Jahren und vier Monaten. Für die beiden andern Männer im Alter von 22 und 23 Jahren verlangte sie je neun Jahre.

Im einen Fall soll die Strafe jedoch zugunsten Massnahme für junge Erwachsene aufgeschoben werden, weil ein psychiatrisches Gutachten dem Beschuldigten eine schwere Entwicklungsstörung attestierte. Für die beiden andern Angeklagten lagen keine Gutachten vor.

Mehrfacher versuchter Mord

Die Staatsanwältin hielt in ihrem Plädoyer an der Darstellung in der Anklageschrift fest. Sie forderte für alle Angeklagten einen Schuldspruch wegen mehrfachen versuchten Mordes und versuchter schwerer Körperverletzung. Die Plädoyers der Verteidigung sollen bis Freitagmittag abgeschlossen sein.

Die Frage, welcher der drei nicht vorbestraften Angeklagten wann was gemacht hat, blieb auch am zweiten Prozesstag weitgehend unbeantwortet. Am detailliertesten waren die Aussagen eines Angestellten der Stadtreinigung. Dieser hatten den Beginn der Gewalttätigkeiten beobachtet. Er konnte aber keinen der Angeklagten identifizieren, da er die Angreifer nur von hinten gesehen hatte.

Wie auch die am Donnerstag befragten Opfer, ein heute 54-jähriger Mann und seine 56-jährige Partnerin, stellte der Strassenreiniger in Abrede, dass es vor dem ersten Angriff zu einem Wortwechsel zwischen dem Paar und den Angreifern gekommen sei. Die Angeklagten hatten geltend gemacht, der Mann habe etwas zu ihnen gesagt.

Grosse Verunsicherung

Das Gericht befragte das Paar nicht nur zum Tatablauf, sondern auch zu den physischen und vor allem auch psychischen Nachwirkungen. Das Leben sei nicht mehr wie vorher, sagten beide. Er habe gewusst, was nachts in der Stadt geschehe, und sei deswegen nicht wahnsinnig schockiert gewesen, berichtete der Mann: «Es ist einfach Pech, dass es mir passierte».

Der Vorfall habe Verunsicherung ausgelöst. Misstrauisch sei er vor allem Gruppen von jüngeren Männern gegenüber. Was früher nur nervte, sei jetzt erschreckend, sagte der Mann. Für seine Partnerin sei es schwieriger, weil sie mehr gesehen habe als er. Die Frau sprach von einer Riesenangst. Seit dem Vorfall traue sie sich kaum mehr, alleine wegzugehen.

Entschädigungsforderungen wurden vor Gericht keine gestellt. Der Vertreter der drei beim Angriff erheblich verletzten Opfer hat mit den drei Angeklagten eine Vereinbarung getroffen. Über deren Inhalt wurde jedoch Stillschweigen beschlossen. (sda)

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