Aktualisiert 15.03.2011 00:59

Nach Monster-Beben

Hohe Strahlung nach erneuter Explosion

Im Atomkraftwerk Fukushima hat sich eine dritte Explosion ereignet. Dabei könnte die Hülle von Reaktor 2 beschädigt worden sein. Der Wind weht Richtung Tokio.

Die Situation am Montagmorgen

Japan kommt auch drei Tage nach der verheerenden Erdbebenkatastrophe nicht zur Ruhe: Im Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi ereignete sich am Montag eine weitere Wasserstoffexplosion, wie Kabinettssekretär Yukio Edano mitteilte. Es war bereits die zweite derartige Explosion seit Samstag.

Vom Reaktorblock 3 des Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi stieg eine riesige Rauchwolke auf. Der innere Reaktorschutzmantel sei intakt geblieben, sagte ein Sprecher. Die Detonation war 50 Kilometer von der Atomanlage entfernt in der Küstenstadt Soma zu spüren. Am Samstag hatte es bereits eine Wasserstoffexplosion in Block 1 des Atomkraftwerks Fukushima-Daiichi gegeben, Block 3 galt wegen des Ausfalls des Kühlsystems ebenfalls als gefährdet.

Nachbeben von Stärke 6,2

Das Nachbeben der Stärke 6,2 erschütterte um kurz nach 10 Uhr Ortszeit auch die Millionenstadt Tokio. Das Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS 140 Kilometer nord-östlich der Hauptstadt - also in Richtung der Atomanlagen in Fukushima.

Wie die Agentur Kyodo meldete, wurden noch vor dem neuen Beben in der Präfektur Miyagi im Nordosten Japans 2000 weitere Leichen entdeckt. Die Toten seien an der Küste gefunden worden.

Die Behörden befürchten, dass durch das Erdbeben mit Stärke 9,0 und den nachfolgenden Tsunami über 10 000 Menschen getötet wurden. Bisher haben die Behörden 1597 Opfer identifiziert. Nach offiziellen Angaben erlitten 22 Menschen eine Strahlenvergiftung, bis 190 kamen mit Radioaktivität in Kontakt.

Die Bevölkerung an der Nordostküste wurde aufgefordert, sich an höher gelegene Orte zu begeben. Die meteorologische Behörde teilte mit, Gefahr einer weiteren tödlichen Welle bestehe nicht.

Strom abgeschaltet

In der Stadt Soma ertönten Sirenen und über öffentliche Durchsagesysteme wurden Einwohner aufgerufen, sich an höher gelegene Orte zu begeben. Die Region wurde bereits von dem nach dem schweren Erdbeben der Stärke 9,0 folgenden Tsunami hart getroffen. Offenbar kam es aber zu keiner grossen Flutwelle.

In Tokio und anderen japanischen Städten wurde am Montag für drei Stunden der Strom abgeschaltet. Damit sollen Verluste aus der nach dem von Erdbeben und Tsunami verminderten Atomstromproduktion ausgeglichen werden. 1,9 Millionen Haushalte waren von den Blackouts betroffen. Doch viele Menschen mussten auch auf andere Grundversorgung verzichten: Mindestens 1,4 Millionen Haushalte waren ohne Wasserversorgung.

180 000 Menschen evakuiert

Das Erdbeben der Stärke 9,0 am Freitag im Nordosten Japans löste in sechs Atomkraftwerken grosse Probleme aus - vor allem bei der Kühlung, die entscheidend für die Vorbeugung gegen eine Kernschmelze ist. Die Regierung verdoppelte den Evakuierungsradius um Fukushima auf 20 Kilometer, mehr als 180 000 Einwohner mussten am Wochenende ihre Wohnungen verlassen. Bei rund 160 Personen wurde eine erhöhte Strahlenbelastung gemessen.

Der Versuch der Regierung, die Bevölkerung zu beruhigen, stiess bei einigen der evakuierten Personen auf Skepsis. «Erst war ich wegen des Bebens beunruhigt», sagte der Bauarbeiter Kenji Koshiba, der in der Nähe des Kraftwerks Fukushima wohnte und 60 Kilometer nördlich in das Notaufnahmelager Koriyama gebracht wurde. «Jetzt bin ich über die Strahlung beunruhigt.»

Auch die Börse in Tokio zeigte sich zu Beginn des Handels am Montag zutiefst beunruhigt. Der Nikkei-Index fiel am Montag um 464,88 Punkte auf 9.789,55 Zähler. Das entspricht einem Verlust von 4,5 Prozent. Die japanische Zentralbank pumpte 7 Billionen Yen (61,4 Milliarden Euro) in die Geldmärkte. Ersten Schätzungen zufolge verursachte das Erdbeben Schäden von mehreren Dutzend Milliarden Euro. (sda/dapd)

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