Hohe Tiere, niedere Instinkte
Aktualisiert

Hohe Tiere, niedere Instinkte

FIA-Präsident Max Mosley wurde bei einer bizarren Sex-Party erwischt. Ein Skandal, der sich würdig in eine lange britische Tradition einreiht.

von
Daniel Huber

Die britische Boulevardzeitung «News of the World» brachte unlängst den FIA-Präsidenten Max Mosley in arge Verlegenheit, als sie auf ihrer Website ein Video veröffentlichte, das Mosley angeblich bei einer Sex-Party mit fünf Prostituierten zeigt. Mosley ist beileibe nicht das einzige hohe Tier, das in Grossbritannien bei einer solchen delikaten Beschäftigung ertappt wurde — Sexskandale in Politikerkreisen haben auf der Insel, möchte man behaupten, eine unrühmliche Tradition.

Die Mutter aller Sex-Affären

Der wohl folgenreichste Skandal in der an Affären nicht gerade armen britischen Politgeschichte des 20. Jahrhunderts war die so genannte Profumo-Affäre, die 1963 den damaligen Heeresminister John Profumo das Amt kostete und letzten Endes mitverantwortlich war für den Rücktritt von Premierminister Harold Macmillan im selben Jahr.

«Back to Basics»

Wie es scheint, trieben es die Briten ausgerechnet während der Amtszeit des letzten konservativen Premierministers, John Major, am schlimmsten. Der glücklose Tory, der 1997 sang- und klanglos gegen Tony Blair unterging, hatte 1993 die so genannte «Back to Basics»-Kampagne lanciert, die lauthals die Rückkehr zu konservativen moralischen Werten verlangte. Dies forderte die berüchtigte britische Boulevard-Presse heraus, die nun die Lebensführung von prominenten Tory-Politikern zu durchleuchten begann. Und sie wurde fündig.

David Mellor: «From Toe Job to No Job»

Der «Minister for Fun», wie er von der Presse genannt wurde, musste noch vor Majors Moralkampagne über die Klinge springen.

Im Juli 1992 verkaufte seine Gespielin, die Schauspielerin Antonia de Sancha, der Presse für 30 000 Pfund das Geständnis ihrer ausserehelichen Affäre. Der fanatische Chelsea-Fan Mellor, behauptete die «Sun», habe von de Sancha Sex verlangt, während er sein Chelsea-Dress trug.

Weiter wurde kolportiert, de Sancha habe seine Zehen gelutscht. Als Mellor im September — eigentlich wegen einer Korruptionsaffäre — dann zurücktrat, frohlockte die «Sun» prompt mit der Schlagzeile: «From Toe Job to No Job».

Tim Yeo: Fataler Kindersegen

Als nächsten traf es Umwelt-Minister Tim Yeo. Im Januar 1994 fand die Presse heraus, dass Yeo mit der Parteigenossin Julia Stent ein aussereheliches Kind gezeugt hatte. Dies ausgerechnet in einer Zeit, als Yeos eheliche Kinder mit schweren Krankheiten zu kämpfen hatten: Der Sohn litt an einem Lymphdrüsen-Tumor, die Tochter erholte sich gerade von einem Gehirn-Tumor.

Später wurde bekannt, dass der fruchtbare Tory schon als unverheirateter Student eine Tochter gezeugt hatte.

Stephen Milligan: Die Tücken der Auto-Erotik

Der Junggeselle Stephen Milligan, 1992 für die Konservativen ins Unterhaus gewählt, galt als Politiker mit grosser Zukunft, als er im Februar 1994 von seiner Putzfrau tot auf dem Küchentisch seiner Londoner Wohnung gefunden wurde. Die bizarren Umstände seines Todes elektrisierten Presse und Publikum nicht nur auf der Insel: Der 45-Jährige trug lediglich Damenstrümpfe; um seinen Hals hatte er ein Elektrokabel gelegt, den Kopf in eine Plastiktüte gesteckt und — dieses Detail war Anlass für manches Rätselraten — in seinem Mund steckte ein Stück geschälte Orange.

Milligan war zum Zeitpunkt seines Todes mit Julie Kirkbride liiert, die seither Karriere als Tory-Abgeordnete gemacht hat.

Michael Brown: «Lawmaker is Lawbreaker»

Im gleichen Jahr erlegte «News of the World» den Tory-Abgeordneten Michael Brown. Das Boulevardblatt outete Brown als homosexuell. Der konservative Parlamentarier hatte mit einem 20-jährigen Mann Ferien auf Barbados gemacht — in einer Zeit, als im Vereingten Königreich das Schutzalter für homosexuelle Handlungen noch bei 21 Jahren lag. Folgerichtig titelte «News of the World»: «Lawmaker is lawbreaker».

Ashby, Booth und Merchant

Damit war die Serie der Tory-Sex-Skandale noch nicht beendet: Dem verheirateten Abgeordneten David Ashby wurde von der Presse vorgeworfen, er habe auf einer mit Spesen bezahlten Reise mit einem Mann ein Hotelbett geteilt. 1997 gab Ashby dem Druck nach und trat zurück.

Der fromme Methodist Hartley Booth, der seinen Wahlbezirk 1992 von Margaret Thatcher geerbt hatte, musste 1995 das Feld räumen, weil er seine Sekretärin belästigt hatte.

Und Piers Merchant schliesslich musste 1997 nach einem «Sun»-Artikel zurücktreten. Der Unterhaus-Abgeordnete war dabei erwischt worden, als er mit einer 17-jährigen Hostess auf einer Parkbank intimen Kontakt hatte — während seine Frau Helen unterwegs war, um für ihn Wahlkampf zu betreiben.

Quelle: Wikipedia.org

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