Schäfchen bewachen: Hoher Besuch bei den Schutzhunden
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Schäfchen bewachenHoher Besuch bei den Schutzhunden

Luchs und Wolf bedrohen die Schafe in unseren Bergen. Herdenschutzhunde können die Tiere beschützen. Bundesrätin Leuthard hat auf einer Alp bei Les Diablerets einen Augenschein vor Ort genommen.

von
Barbara Stäbler
sda

Auf der Alp Creux de Champs bei Les Diablerets VD hat Schafzüchter Jean-Pierre Vittoni am Dienstag Bundesrätin Doris Leuthard und die Waadtländer Regierungsrätin Jacqueline de Quattro seine Arbeit mit Herdenschutzhunden vorgeführt. Kaum auf der Alp angekommen, rennen die Herdenschutzhunde wild umher und bellen die Ankömmlinge an. «Sie wollen uns kontrollieren», erklärt Ueli Pfister, Präsident beim Verein Herdenschutzhunde Schweiz.

Insgesamt vier pyrenäische Hirtenhunden schützen die rund 450 Schafe von Nutztierhalten Jean-Pierre Vittoni vor dem Wolf, der sich in den Westschweizer Voralpen herumtreibt. Bevor Vittoni Schutzhunde hatte, verlor er Schafe an den Luchs, der schon seit längerem in der Waadt eine neue Heimat gefunden hat. «Seit ich Schutzhunde einsetzte, habe ich Ruhe.»

Zusammen mit Vittoni begeben sich Leuthard und de Quattro zu den Schafen auf die Wiese. Einer der Hunde nähert sich; er will schauen, was hier los ist. Bauer Vittoni streichelt ihn, der Hund ist beruhigt und wedelt mit dem Schwanz.

Vor zehn Jahren hätten die Hundehalter die Tiere viel alleine gelassen, sagt Vittoni, der insgesamt 14 Schutzhunde hat. Diese zieht er auf und verkauft sie weiter. «Heute kümmern sie sich besser um ihre Hunde. Dadurch sind die Tiere besser an den Menschen gewöhnt.»

An Mensch und Schafe gewöhnen

Eine spezielle Ausbildung erhalten die Hunde keine. «Sie kommen in der Herde auf die Welt und dort findet auch ihre Ausbildung statt», sagt Pfister. Da gewöhnten sie sich an die Schafe. «Dann muss nur noch der Kontakt zum Menschen gefördert werden.»

Ein ausgebildeter Schutzhund kostet laut Bauer Vittoni etwa 6000 Franken. Pro Hund erhält er eine einmalige Zahlung von 500 Franken. Jährlich gibt es zudem einen Zustupf von 1000 Franken pro Hund für Arztkosten und Nahrung. In der Regel brauchen die Hunde zwei Jahre, bis sie als selbständige Schutzhunde eingesetzt werden können.

Der eigentliche Schutz der Schafe besteht darin, dass die Hunde bellen und herumrennen, wenn sich ein Grossraubtier nähert. «Das reicht in der Regel aus, um einen Wolf oder einen Luchs zu vertreiben», sagt Pfister. Im äussersten Fall könnten die Hunde aber auch zubeissen.

Trotz allem hängt den Schutzhunden das Vorurteil an, sie seien aggressiv. «Das stimmt nicht», sagt Pfister.

Aufklärung durch Tafeln

Um solchen Gerüchten entgegenzuwirken, wurden Schilder mit Verhaltensregeln aufgestellt. Darauf wird gezeigt, wie sich Wanderer verhalten sollen, wenn sich ein Schutzhund bellend nähert. Ausserdem wird darauf hingewiesen, dass man keine schnellen Bewegungen machen soll - also auch nicht vorbeiradeln oder -rennen.

Auf fremde Hunde reagieren Schutzhunde besonders aufmerksam. «Dieser sollte an die Leine genommen werden. Anders als bei Menschen kann es sein, dass der Schutzhund zubeisst», erklärt Pfister. Denn andere Hunde würden als Konkurrenten aufgefasst.

Eine Schafherde wird nie von einem Hund alleine bewacht. «Es sind immer mindestens zwei, denn Hunde brauchen Gesellschaft», sagt Pfister. Zwei Hunde können eine Herde von 200 bis 300 Schafe beschützen. Pro 200 Schafe zusätzlich rechnet man einen Hund.

Mit acht oder neun Jahren dürfen die Schutzhunde schliesslich in Pension gehen.

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