28.07.2016 05:48

Perfide Nötigung in BaselHokuspokus – da waren 2650 Franken weg

Täterin und Opfer trafen sich auf der Strasse. Was mit einer harmlosen Auskunft begann, endete mit einer dreisten Erpressung und einem geplünderten Konto.

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las
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An diesen Automaten am Centralbahnplatz 6 wurde eine 33-jährige Frau von einer Esoterikerin um über 2500 Franken gebracht. Die Methode: Erpressung und Nötigung.

An diesen Automaten am Centralbahnplatz 6 wurde eine 33-jährige Frau von einer Esoterikerin um über 2500 Franken gebracht. Die Methode: Erpressung und Nötigung.

20 Minuten/las
Der Tatort befindet sich mitten in Basel.

Der Tatort befindet sich mitten in Basel.

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Die beiden Frauen sassen über eine halbe Stunde im Mister Wong, bevor sie den Centralbahnplatz überquert haben. Videoaufnahmen haben sie erfasst. Die Polizei hat sie schon abgeholt.

Die beiden Frauen sassen über eine halbe Stunde im Mister Wong, bevor sie den Centralbahnplatz überquert haben. Videoaufnahmen haben sie erfasst. Die Polizei hat sie schon abgeholt.

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Eine 33-jährige Frau aus Kaisten AG wurde am Freitagnachmittag das Opfer einer dreisten Erpressung in Basel. Sie war wegen einem Arzttermin in der Stadt. Dabei wurde sie im Schützenmattpark von einer elegant gekleideten Frau nach dem nächsten Esoterikladen gefragt. Dabei habe die Fremde das künftige Opfer auf ihre schöne Aura angesprochen, die aber «Blockaden» aufweise. Zu dem Zeitpunkt ahnte sie noch nicht, dass sie diese Begegnung teuer zu stehen kommen würde.

Die beiden Frauen begegneten sich kurz vor 15 Uhr wieder im Mister Wong am Centralbahnplatz. «Ich war wie hypnotisiert und hatte das Gefühl, ich müsse ihr folgen. Vielleicht habe ich einfach gehofft, dass sie mir helfen kann. Ich durchlebe zurzeit eine schwierige Phase», so das Opfer. Inzwischen wisse sie nicht mehr genau, was sie der Esoterikerin im Gespräch alles verraten habe. Jedenfalls habe die mysteriöse Frau sie in eine «ruhige Ecke» gelotst.

Dreistes Vorgehen

Die Esoterikerin erklärte dem Opfer, dass sie alle ihre Probleme mit einer sogenannten Lourdes-Wurzel lösen könne. Diese sei aber sehr teuer und könne nur im französischen Wallfahrtsort Lourdes beschafft werden. «Ich habe ihr erklärt, dass ich mir das von meiner IV-Rente nicht leisten kann», so die 33-Jährige. Daraufhin soll sich die Esoterikerin zunächst grosszügig gezeigt und ihr eine solche Wurzel mit «grossem Hokuspokus» an die Brust gedrückt haben, um sie zu heilen.

«Dann änderte sich ihr Tonfall schlagartig», erinnert sich das Opfer. Plötzlich sei die Rede von Gegenleistungen für den angeblichen «grossen Gefallen» gewesen. «Sonst passiert etwas», soll die Esoterikerin gedroht haben, sollten diese nicht erbracht werden. «Ich war unsicher und hatte Angst», so das Opfer.

Zusammen verliessen die Frauen das Restaurant, wo sie von Überwachungskameras aufgezeichnet wurden. Die verfügbaren Bilder würden sich mit den Aussagen des Opfers decken, so Camille Derron, Brand Manager der Gastronomie-Kette. Die Polizei habe die Videos inzwischen sichergestellt.

Um ihre Ersparnisse gebracht

Die Esoterikerin begleitete ihr Opfer über den Centralbahnplatz zum UBS Self-Service an der Liegenschaft Nummer 6. Dort nötigte sie die Frau, 2000 Franken abzuheben und ihr auszuhändigen. Nachdem sie das Geld erhalten hatte, soll sie aber nicht lockergelassen haben. «Sie verlangte noch mehr Geld. Sonst würde meinem Sohn etwas widerfahren», so das Opfer.

Eingeschüchtert kam sie der Forderung erneut nach. Diesmal wechselten 650 Franken die Besitzerin. In der Folge verliessen beide das Gebäude. «Sie sprach davon, dass wir irgendwann einen Cappuccino zusammen trinken sollen, dann war sie plötzlich weg», so das Opfer. Es habe sich angefühlt, als ob sie aus ein Traum erwacht wäre. Nach Gesprächen mit Freunden erstattete sie schliesslich um 19.30 Uhr Anzeige beim Polizeiposten Clara.

Die UBS, die den Bereich überwacht, wollte sich nicht zum Fall äussern. «Wir arbeiten mit der Polizei zusammen. Diese kann das Videomaterial per schriftlicher Verfügung einfordern», so Sprecherin Ursula Dober.

Kein Einzelfall

So kurios der Fall klingt, es ist nicht das erste Mal, dass die Lourdes-Wurzel im Mittelpunkt eines Diebstahls steht. In Zürichhatte eine Frau mit einer ähnlichen Masche im Mai 750 Franken in erbeutet.

Im November 2015 hat laut dem «Südkurier» eine angeblich sehr überzeugende Frau einer 48-Jährigen im deutschen Freiburg 800 Euro abgenommen – auch hier ging es um das ominöse Gewächs und eine versprochene Wunderheilung.

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