Aktualisiert 15.08.2013 14:01

BaubrancheHolcim leidet wegen schlechten Wetters

Die Verkäufe von Zement, Zuschlagsstoffen, Transportbeton und Asphalt schrumpften beim weltgrössten Zementkonzern Holcim wegen schlechten Wetters in Europa und Indien.

Holcim Schweiz verkaufte als Folge des Baubooms mehr Zuschlagsstoffe und gleich viel Transportbeton wie im Vorjahr.

Holcim Schweiz verkaufte als Folge des Baubooms mehr Zuschlagsstoffe und gleich viel Transportbeton wie im Vorjahr.

Der Umsatz von Holcim fiel im ersten Halbjahr um 5,1 Prozent auf 9,649 Mrd. Franken. Insbesondere in Indien, Kanada, Mexiko und Marokko habe die Nachfrage nicht den Erwartungen entsprochen, sagte Konzernchef Bernard Fontana am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Deutlich besser sei hingegen das wirtschaftliche Klima unter anderem auf den Philippinen oder in Ecuador gewesen.

Das operative Ergebnis geriet ebenfalls unter Druck. Der Gewinn auf Stufe Ebita fiel um 3,4 Prozent auf 1,819 Mrd. Franken. Schuld seien vor allem die beiden Gesellschaften in Indien, hiess es weiter. Weniger Betriebsgewinn brachten auch die Geschäfte in Kanada, Mexiko, Marokko und Frankreich ein.

Damit ist Holcim nicht alleine: Auch Konkurrent Lafarge hatte in den ersten sechs Monaten Federn lassen müssen. Dennoch konnte Holcim unter dem Strich den Reingewinn um 23,8 Prozent auf 760 Mio. Fr. verbessern. Den Aktionären verblieben davon 571 Mio. Franken. Das ist ein Anstieg um beinahe die Hälfte. Zur Steigerung trug der Verkauf von 25 Prozent an Cement Australia bei, der umgerechnet 144 Mio. Fr. in die Kasse spülte.

Tritt auf Kostenbremse

Immer mehr Wirkung zeigt inzwischen das Programm, das Holcim zur Steigerung der Profitabilität einleitete und das bis Ende 2014 das operative Ergebnis um jährlich mindestens 1,5 Mrd. Fr. erhöhen soll. Konzernweit verbesserten Sparmassnahmen und Preiserhöhungen das Ergebnis im ersten Halbjahr bereits um 376 Mio. Franken. Einschnitte wurden insbesondere im krisengeschüttelten Europa vorgenommen, wo Werke geschlossen wurden.

Obwohl die Krise in der europäischen Baubranche noch nicht überwunden ist und der Holcim-Umsatz auf dem «Alten Kontinent» erneut um 6,2 Prozent sank, fielen die operativen Ergebnisse besser aus. Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) kletterte um gut ein Viertel auf 352 Mio. Franken.

Aufschwung

Sogar im schwer gebeutelten Spanien konnte Holcim nach der Rosskur bei der dortigen Gesellschaft dank zusätzlicher Zementexporte wieder höhere Gewinne einfahren. Holcim Schweiz verkaufte als Folge des Baubooms mehr Zuschlagsstoffe und gleich viel Transportbeton wie im Vorjahr.

Wegen Importen aus dem billigeren Ausland sank allerdings der Zementabsatz. Dennoch übertraf Holcim Schweiz das Vorjahresresultat. Auch in Lateinamerika stieg bei einem stagnierenden Umsatz der Betriebsgewinn deutlich. Dabei profitierte Holcim auch vom Fussball.

So lieferte der Konzern Beton oder Zement für drei Fussballstadien in Brasilien, die im Hinblick auf den jüngsten Confederations Cup und die Weltmeisterschaft 2014 gebaut oder modernisiert wurden. Darunter ist auch das legendäre Maracanã-Stadion in Rio de Janeiro, in dem bereits 1950 der WM-Final stattfand.

Schlechte Geschäfte in Indien

Deutlich schlechter liefen die Geschäfte in Indien. Hier hat Holcim im vergangenen Monat mit einer mehrstufigen Aktientransaktion seine Gesamtbeteiligung leicht verringert, was umgerechnet rund 600 Mio. Dollar einbrachte.

Gleichzeitig verordnete Holcim den beiden indischen Töchtern ein Sparprogramm, das in den nächsten nächsten zwei Jahren schrittweise Einsparungen von 150 Mio. Dollar jährlich erreichen soll.

Stich ins Wespennest

Damit stach Holcim in ein Wespennest. Indische Medien warfen den Schweizern vor, es gehe gar nicht um Synergien. Sonst hätte Holcim die Gesellschaften in Indien fusioniert. Mit der gewählten Transaktion könne sich Holcim vielmehr um 600 Mio. Dollar bereichern.

Von den emotionalen Reaktionen sei man überrascht worden, sagte Finanzchef Thomas Aebischer. «Wir bewerten die Beteiligung fair und zum Marktpreis.» Die Vorteile der verstärkten Zusammenarbeit der beiden indischen Gesellschaften lägen auf der Hand, insbesondere beim Einkauf und der Logistik. Konzernchef Fontana hofft nun, dass nach einer Weile die Emotionen durch die Fakten in den Hintergrund treten würden. (sda)

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