Weniger verdient: Holcim mit massivem Gewinneinbruch

Aktualisiert

Weniger verdientHolcim mit massivem Gewinneinbruch

Der Zementkonzern Holcim verbuchte im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch von 76,7 Prozent. Der Gewinn lag noch bei 275 Mio. Franken. Trotzdem wurden die Erwartungen der Analysten übertroffen.

Der Zementkonzern Holcim hat im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch erlitten. Happige Abschreiber in Krisenländern sowie teure Energie- und Rohmaterialkosten sorgten für das schlechteste Ergebnis seit 15 Jahren. Das trübt den Abschied von Konzernchef Markus Akermann, der sein Amt dem Franzosen Bernard Fontana überlässt.

Unter dem Strich verdiente Holcim nur noch 275 Mio. Franken, wie der grösste Zementkonzern der Welt am Mittwoch bekannt gab. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch einen Reingewinn von 1,182 Mrd. Fr. erzielt.

Schuld am Taucher ist eine Wertberichtigung von 775 Mio. Franken. Der Konzern musste wegen eines Nachfrageeinbruchs die restliche Investition in seine einstige Tochterfirma in Südafrika abschreiben. Dies alleine zog das Ergebnis um 415 Mio. Fr. in die Tiefe.

Jetzt kommt Holcim zugute, dass der Schweizer Konzern im Jahr 2007 von der südafrikanischen Regierung gezwungen wurde, seine Mehrheit an der Landesgesellschaft zu verkaufen. Sonst wäre der Abschreiber wohl noch grösser ausgefallen. Mittlerweile ist der Holcim-Anteil an dem Unternehmen auf 2 Prozent geschrumpft.

Abschreiber auch in Spanien

Zudem sah sich Holcim im vergangenen Jahr auch in Spanien, in Teilen Osteuropas und in den USA wegen der schlechten Nachfrage gezwungen, Wertberichtigungen von insgesamt 360 Mio. Fr. vorzunehmen.

Der Konzerngewinn tauchte deshalb um 57,9 Prozent auf 682 Mio. Franken. Unter dem Strich verblieben den Aktionären noch 275 Mio. Franken. Das sind rund drei Viertel weniger als im Vorjahr.

Weniger verdient hat der Konzern letztmals 1996, als für die Aktionäre nur noch 43 Mio. Fr. in die Kasse kamen. Allerdings war der Umsatz damals nur halb so gross wie heute.

Verkäufe gestiegen

Trotz gestiegenen Verkäufen von Zement, Zuschlagsstoffen und Transportbeton ging der Umsatz im vergangenen Jahr um 4,2 Prozent auf 20,744 Mrd. Fr. zurück. Die Franken-Stärke machte 2,7 Mrd. Fr. zunichte: Ohne diese wäre der Umsatz um 7,5 Prozent gestiegen, hiess es.

Während die Baukonjunktur in den Industrieländern eher harzig verlaufen sei, seien die aufstrebenden Nationen in Asien und Lateinamerika auf einem soliden Wachstumskurs geblieben, hiess es. Holcim gibt Gegensteuer und will Werke in den Krisenländern Italien, Spanien und Osteuropa schliessen, wie Konzernchef Akermann auf der Bilanzmedienkonferenz in Zürich sagte.

Der so genannte betriebliche EBITDA (operative Gewinn vor Abschreibungen und Amortisationen) schrumpfte um 12,3 Prozent auf 3,958 Mrd. Franken. In vielen Ländern konnte Holcim die höheren Rohstoff-, Transport- und Energiepreise wegen des schärferen Wettbewerbs nicht voll auf die Kunden überwälzen.

Dies und verschiedene lokale Faktoren hätten den Leistungsausweis vor allem auf den Philippinen, in Indien, Nordamerika und Grossbritannien geschmälert, hiess es weiter.

Erwartungen übertroffen

Trotz des tiefsten Gewinns seit 1996 hat Holcim die Erwartungen der Analysten übertroffen. An der Schweizer Börse legte die Aktie um 1,2 Prozent auf 59 Fr. zu.

Im laufenden Jahr rechnet Holcim mit steigendem Baustoffbedarf in den aufstrebenden Ländern Lateinamerikas und Asiens sowie in Russland und Aserbaidschan. Auch in Nordamerika dürfe eine leichte Besserung erwartet werden. Die Nachfrage in Europa sollte stabil bleiben, sofern die Schuldenkrise nicht eskaliere. Holcim erwartet, aus eigener Kraft mehr betrieblichen EBITDA zu erzielen als 2011.

Die Verantwortung an der Spitze hat nun ein neuer Mann: Nach zehn Jahren hat Konzernchef Akermann sein Amt am 1. Februar an Bernard Fontana übergeben. Der erste Nicht-Schweizer auf dem Chefsessel in der hundertjährigen Geschichte des Zementkonzerns erklärte vor den Medien, dass unter anderem Kosten und Profitabilität im Fokus stünden. (sda)

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