Öffentliches Angebot: Holländer scharf auf Quadrant
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Öffentliches AngebotHolländer scharf auf Quadrant

Der Spezialkunstoffe-Hersteller Quadrant soll voll unter die Kontrolle der Beteiligungsgesellschaft Aquamit kommen. Mit Hilfe des japanischen Konzerns Mitsubishi Motors wollen die Quadrant- Gründer das Unternehmen von der Börse nehmen.

Aquamit will 100 Prozent an Quadrant erwerben, wie am Montag bekanntgegeben wurde. Die Aquamit mit Sitz in Amsterdam gehört zu je 50 Prozent der japanischen Mitsubishi Plastics und einer Schweizer Gruppe um die Quadrant-Gründer und -Verwaltungsräte Adrian Niggli, Arno Schenk, René-Pierre Müller und Walter Grüebler.

Im Moment hält die Gesellschaft 32,7 Prozent an Quadrant und weitere 4,1 Prozent in Optionen. Den Publikumsaktionären bietet Aquamit 86 Fr. pro Aktie, was 23 Prozent über den 70 Fr. liegt, die der Quadrant-Titel am vergangenen Dienstag wert war. Allerdings notierten Quadrant am Montag nach Börsenschluss bei 89 Franken.

Giorgio Behr hält über 10 Prozent

Bedingung für eine Übernahme ist, dass das Unternehmen zwei Drittel aller noch ausstehenden Quadrant-Aktien erhält. Ob die Publikumsaktionäre ihre Anteile verkaufen wollen, gaben die Verantwortlichen für den Deal nicht bekannt.

Namentlich Financier Giorgio Behr hält über das Technologie- Unternehmen Behr Bircher Cellpack (BBC Group) nach eigenen Angaben über 10 Prozent an Quadrant. Behr teilte am Montag mit, dass er «alle Optionen offenhalten» werde. Er zeigte sich enttäuscht über die «ausländische Lösung». Der Buchwert der Quadrant- Aktie betrage 115 Franken.

Gründer und VR beteiligt

«Die vorgeschlagene Übernahme ist für alle Seiten gut», sagte dagegen Quadrant-Verwaltungsratspräsident und Aquamit- Geschäftsleitungsmitglied Niggli vor Medien und Analysten in Zürich. Die Massnahme werde keine neuen Restrukturierungen auslösen, versprach Niggli.

Nach Meinung von Analysten könnte aber genau dies dem Unternehmen blühen, sollte sich die wirtschaftliche Lage nicht verbessern. An der Börse sprangen die Quadrant-Aktien am Montag in die Höhe und schlossen mit einem Plus von 27,1 Prozent bei 89.00 Franken.

Laut Analysten hoffen Investoren auf eine Erhöhung des Kaufangebots. Das schloss Adrian Niggli allerdings aus.

Partner wollen profitieren

Übernehmen die Investoren Quadrant, wird der Kunststoffe- Hersteller ein halb-privates Unternehmen, was laut Niggli Vorteile hat: «Die Kosten und Auflagen, die wegen der Börsenkotierung entstehen, bergen mehr und mehr Nachteile für ein Unternehmen in der Grösse von Quadrant.»

Mitsubishi Plastics strebt laut Niggli vor allem nach einer grösseren internationalen Präsenz. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 4,4 Mrd. Fr. gehört dem unabhängigen Konzern Mitsubishi Chemicals, der wiederum Teil des lockeren Konzern- Verbunds Mitsubishi Group ist. Mitsubishi Plastics fokussiert seine Aktivitäten bisher grossmehrheitlich auf Japan.

Quadrant ist weltweit in 19 Ländern vertreten. Laut Niggli kann Quadrant von der Rohstoff-Technologie und dem Innovationspool von Mitsubishi Plastics profitieren. Die beiden Firmen pflegen schon seit Jahren Geschäfsbeziehungen und betreiben das Gemeinschaftsunternehmen Nippon Polypenco in Japan.

Betriebsverlust im ersten Quartal

Die weltweite Rezession und Nachfragekrise trifft Quadrant im Moment mit voller Wucht. Ebenfalls am Montag gab die Gruppe bekannt, dass im ersten Quartal 2009 der Umsatz im Vergleich zum Vorquartal um 20 Prozent auf 119,80 Mio. Fr. gesunken sei.

Gemessen am ersten Quartal 2008 ging der Umsatz gar um 41 Prozent zurück. Es resultierte ein Betriebsverlust (EBITDA) von 5,4 Mio. Fr. nach einem Gewinn von 26,8 Mio. Fr. im Vorjahr. (sda)

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