Aktualisiert 05.06.2014 17:48

Gipfel-Gourmand

Hollande diniert am Donnerstag doppelt

Frankreichs Präsident François Hollande plant für den D-Day-Feiertag zwei Abendessen – eins mit Obama, eins mit Putin. Der US-Präsident rüstet derweil militärisch gegen Russland auf.

von
sut

Obwohl leiblichen Genüssen durchaus zugetan, muss François Hollande am Donnerstag eine kulinarische Kraftprobe bestehen. Damit sich die Präsidenten der USA und Russlands am 70. Jahrestag der Invasion in der Normandie nicht in die Quere kommen, plant der französische Staatschef, mit den beiden Amtskollegen an zwei aufeinanderfolgenden Abendessen zu speisen.

Hollandes Plan komme einer «digestiven und logistischen Herausforderung» gleich, schrieb die AP in ihrem Bericht über das doppelte Dinner. Angeblich will der französische Präsident eines der Abendessen ausserhalb des Elysée-Palasts veranstalten, um ein zufälliges Zusammentreffen von Obama und Putin auszuschliessen.

Kein trilaterales Tête-à-tête

Für die Feierlichkeiten sind mindestens 18 Staatschefs nach Paris geladen. Als Gastgeber vieler Länder werde Hollande eine Reihe separater Treffen abhalten, sagte Obamas Vize-Sicherheitsberater Ben Rhodes am Freitag. «Aber es wird am Abend kein trilaterales Dinner geben.»

Hollande wird als erster höchster Vertreter eines westlichen Staats bilateral mit Putin zusammentreffen, seit die Pro-Moskau-Regierung in der Ukraine Anfang des Jahres gestürzt wurde und Russland die Krim-Halbinsel annektierte. Er bestand darauf, Putin auf der Liste der geladenen Gäste zu behalten. Im Mai sagte Hollande: «Ich werde nie vergessen, dass das russische Volk Millionen von Menschenleben opferte» im Kampf gegen die Nazis im Zweiten Weltkrieg.

Eine Milliarde Dollar für Osteuropa

Obama hat als Reaktion auf die offensive russische Politik gegenüber der Ukraine eine härtere Gangart eingeschlagen. Auf seinem Gipfeltreffen mit dem polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski kündigte er am Dienstag an, beim US-Kongress eine Milliarde Dollar für militärische Massnahmen in Osteuropa zu beantragen.

Mit der Summe möchte Obama zusätzliche Manöver und Ausbildungsprogramme in Europa finanzieren sowie die Bestände amerikanischer Luft- und Bodentruppen aufstocken. Zudem soll sich die US Navy verstärkt an Nato-Einsätzen im Schwarzen Meer und in der Ostsee beteiligen. Geplant sei schliesslich militärische Hilfe für Nicht-Nato-Staaten in Russlands Nachbarschaft, darunter die Ukraine, Georgien und Moldawien.

Trifft Obama dennoch Putin?

«Die USA werden mehr Ausrüstung in Europa stationieren», so Obama am Montag an einer Pressekonferenz. Obama sagte, er sei an guten Beziehungen sowohl mit der Ukraine als auch mit Russland interessiert. Doch mit Seitenblick auf Moskau fügte er hinzu, sein Land habe Verteidigungspläne für jedes Mitglied der Nato. «Das sind nicht nur Blätter aus Papier auf dem Regal.»

Dass Obama am Donnerstag Putin begegnen könnte, bleibt trotz Hollandes Vorkehrungen denkbar. Vertreter des Weissen Hauses haben nicht ausgeschlossen, dass sich die beiden Staatschefs über den Weg laufen.

Im Zweifel für Handschlag

In der Vergangenheit hat Obama schon mehrfach internationale Treffen für improvisierte Kontakte zu Vertretern gegnerischer Länder genutzt. 2009 gab er an einem Amerika-Gipfel dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez die Hand. Und letztes Jahr liess er es sich an der Gedenkfeier für den südafrikanischen Freiheitshelden Nelson Mandela nicht nehmen, auf den kubanischen Machthaber Raúl Castro zu stossen und mit ihm ein paar Worte zu wechseln.

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