Film-Derivate: Hollywood kämpft gegen Spekulanten
Aktualisiert

Film-DerivateHollywood kämpft gegen Spekulanten

Die Traumfabrik hat Angst, dass Börsenspekulanten ihr das Geschäft ruinieren. Daher kämpft die US-Kinoindustrie gegen Film-Wetten mit Derivaten.

von
wg/scc

Würden Sie ein Ticket für den neusten Hollywood-Blockbuster kaufen, wenn der Film bei Anlegern durchgefallen ist? Wahrscheinlich eher nicht. Genau dieses Szenario treibt den Hollywood-Bossen den Angstschweiss auf die Stirn. Mit Hilfe von Derivaten können Anleger darauf wetten, ob «Knight and day» der neuste Action-Kracher mit Tom Cruise und Cameron Diaz auch an der Kinokasse einschlägt. Die Filmindustrie hat Angst, dass bereits die Börse entscheidet, ob ein Film floppt oder nicht. Das würde viele Kinogänger davon abhalten, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Seit Monaten läuft Hollywood gegen die neuen Börsen Sturm. Nachdem die zuständige US-Terminbörsenaufsicht CFTC (Commodity Futures Trading Commission) bereits zweimal den Start der Derivatebörse «Media Derivatives» verschob, gibt die Behörde nun grünes Licht. Das erste Derivat auf den Film «Takers» mit Matt Dillon wurde bereits zugelassen. In den nächsten Tagen wird wahrscheinlich auch positiv über den Antrag von Cantor Fitzgerald entschieden. Das Unternehmen möchte die Derivatebörse «Hollywood Stock Exchange» betreiben. Ein Derivat zu «The Expendables», einem Actionfilm mit Sylvester Stallone, Bruce Willis und Mickey Rourke, steht bereit.

Sojabohnen, Rohöl und Filme

Der Finanzindustrie geht es nicht darum, Filme zu bewerten, sondern – logischerweise – ums Geld. Die Anbieter der Filmderivate argumentieren, die Kontrakte könnten eine Absicherung von Geschäftsrisiken bieten und damit für den Filmsektor die gleichen Funktionen erfüllen wie etwa die Rohstoffderivate für die Landwirtschaft. Hollywood winkt ab. Investoren, die für die Produktionskosten aufkommen, könnten sich mit Versicherungen absichern. Bisher werden an Derivatebörsen Geschäfte mit Sojabohnen, Orangensaft, Kupfer, Rohöl oder Zinsen abgewickelt. Die Möglichkeit, das Abschneiden von Filmen bekannter Regisseure oder mit prominenten Schauspielern mitzuverdienen, könnte neue Anlegergruppen anlocken.

Drehbuch für Happy End

Für Hollywood gibt es vielleicht doch noch ein Happy End. Anlässlich der anstehenden US-Finanzmarktreform existieren zahlreiche Bestrebungen den mittlerweile 605'000 Milliarden Dollar grossen Derivate-Markt stärker zu regulieren. Unter anderem sollen die Investmentbanken gezwungen werden, dass lukrative Geschäft in separate Gesellschaften abzuspalten. Das wären schlechte Nachrichten für die Filmderivate. Die US-Filmindustrie sieht zudem in den neuen Börsen einen zusätzlichen Anreiz für Film-Piraterie. Im Augenblick versucht Hollywood unter grösstem Lobbyisten-Einsatz, die Auseinandersetzung im letzten Moment zu ihren Gunsten zu kehren. Im US-Senat wird bereits wieder über ein Handelsverbot von Filmderivaten beraten.

Deine Meinung