Aktualisiert 10.03.2005 14:26

Hollywood will keine Schweizer Oscars

Längst ist der Oscar, die Mutter aller Preise. Hollywoods Anwälte sehen das allerdings etwas weniger entspannt: Die FDP und die Berner Gemeinde Wohlen müssen «ihren» Oscar umtaufen.

Wohlen ist im Februar ins Fadenkreuz von Hollywoods mächtiger Filmindustrie geraten. Dabei hat sich dort wohl niemand etwas dabei gedacht, als 1990 der «Wohlener Oscar» ins Leben gerufen wurde. Der mit einem bescheidenen Gutschein und der Anerkennung der Einwohnerschaft dotierte Preis wurde seither jährlich für besondere soziale, kulturelle oder sportliche Leistungen vergeben.

Umso mehr staunte Gemeindepräsident Christian Müller, als er am 21. Februar seine Post durchsah: Namens der Academy of Motion Pictures Arts and Sciences in Kalifornien und unter Androhung einer Schadenersatzklage liess ihn eine Zürcher Anwaltskanzlei wissen, dass die Gemeinde die Verleihung des «Wohlener Oscars» künftig zu unterlassen habe.

«Oscar» geniesst Markenschutz

Müller bestätige am Donnerstag einen entsprechenden Bericht des «Bunds». Zudem verlangte die Academy, dass sämtliche Dokumente, in welchen der Begriff «Oscar» vorkomme, vernichtet, entsprechende Einträge auf der Website der Gemeinde geändert werden müssten. «Oscar» sei eine in der Schweiz eingetragene Marke und geniesse entsprechenden Schutz.

Nach Rücksprache mit einem Juristen des Berner Gemeindeverbands war für Müller die Lage rasch klar: Auf einen «Hosenlupf» mit der Academy wollte er es nicht ankommen lassen. Er liess die Zürcher Anwälte wissen, dass Wohlen auf seinen Oscar verzichte und die Website entsprechend geändert würde. «Ich habe die Sache von der humoristischen Seite genommen», sagte Müller.

Dokumente werden jedoch keine vernichtet, auch die bisherigen Preisträger sollen ihre Urkunden behalten dürfen. Darauf konnte man sich laut Müller gesprächsweise einigen. Noch offen ist, wie die Auszeichnung in Zukunft heissen soll. Denn Wohlen will, das steht fest, seine verdienten Bürgerinnen und Bürger auch in Zukunft ehren.

Anwalts-Post auch für die FDP

Nicht nur die Berner Agglomerationsgemeinde, auch der Schweizer Freisinn hat Post von der Academy bekommen. Grund: Der KMU-Oscar, mit dem die FDP besonders innovativen Unternehmen verleiht. Zum Preis der FDP gibts, anders als in Wohlen, sogar eine Nachbildung des weltberühmten Goldmännchens dazu.

Diese werden nun in der Versenkung verschwinden. Denn auch für die FDP war schnell klar, dass sie es nicht auf ein Kräftemessen mit Hollywood ankommen lassen wollte. «Wir haben die bisherigen Preisträger informiert, dass sie den Oscar nicht mehr öffentlich ausstellen sollten», sagte FDP-Generalsekretär Guido Schommer am Mittwoch gegenüber «Schweiz aktuell».

Auch die Homepage der Partei sei entsprechend geändert worden. Die FDP will den Preisträgern nun einen Ersatz für die umstrittene Trophäe zukommen lassen. Unter welchem Namen, ist allerdings auch hier noch nicht klar.

(sda)

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