Aktualisiert 13.01.2014 12:53

40 Jahre «Exorzist»Hollywoods Pakt mit dem Teufel

Vor 40 Jahren kam einer der furchterregendsten Horrorfilme aller Zeiten in die Kinos: «Der Exorzist» war für damalige Verhältnisse ein Tabubruch.

von
scy

Der «Daily Express» nannte ihn den «Terrorfilm des Jahrhunderts», Ordensschwestern sprachen von einer «teuflischen Verführung». «Der Exorzist», der 1973 in die amerikanischen Kinos kam, war mehr als ein Horror-Schocker.

In New York habe die Geschichte um das 12-jährige Mädchen Regan MacNeil, das vom Teufel besessen ist, Herzanfälle, Erbrechen und sogar eine Fehlgeburt ausgelöst, berichtete «Der Spiegel» damals. Während jeder Vorstellung seien etwa vier Personen in Ohnmacht gefallen. «Ich bin seit vierzig Jahren im Geschäft, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt», berichtete Harry Francis, Geschäftsführer eines Kinos in Los Angeles.

Ausnahmezustand in den USA

In Boston wollten täglich bis zu 5000 wartende Zuschauer in den gleichen Film. Die Polizei musste Vordrängelnde niederknüppeln, in Hollywood durften auf den Strassen vor den Kinosälen keine Autos mehr parkieren, damit die Ambulanzwagen freie Zufahrt hatten.

Wieso zog «Der Exorzist» die Menschen derart in seinen Bann? Was löste die Hysterie aus? Zum einen kreierte Hollywood-Regisseur William Friedkin eine zuvor noch nie da gewesene Horror-Geschichte: tragisch und verstörend zugleich. Das niedliche Mädchen Regan, in einer scheinbar heilen Welt in Georgetown mit seiner Mutter aufwachsend, verwandelt sich zusehends in ein fluchendes, verrottendes und Exkremente speiendes Lebewesen, dem offensichtlich niemand mehr helfen kann.

Fluch auf den Dreharbeiten?

Zum anderen befand sich die Gesellschaft genau zu dieser Zeit im Umbruch. Die 68er-Generation entflocht traditionelle Denkweisen, Esoterik und Mystizismus hielten Einzug. Geschichten wie «Der Exorzist» stiessen bei vielen auf fruchtbaren Boden.

Nicht nur Regan, gespielt von Linda Blair, schien indes verflucht zu sein, sondern auch die Dreharbeiten selbst: Ein Feuer zerstörte während der Produktion 1973 das ganze Set - bis auf Regans Schlafzimmer. Zudem verstarben zwei Schauspieler, noch bevor der Horrorstreifen seine Premiere feierte. Jack MacGowran an einer Lungenentzündung, die 89-jährige Vasiliki Maliaros an Altersschwäche.

Zwei Oscars und vier Golden Globes

Die meisten Kinokritiker waren vom heftigen Inhalt zunächst überhaupt nicht angetan: Billig und minderwertig sei der Streifen, kritisierten einige. Trotzdem erhielt «Der Exorzist» 1974 zwei Oscars und vier Golden Globes. 2010 wurde er als besonders erhaltenswerter US-amerikanischer Film in das «National Film Registry» aufgenommen.

«Der Exorzist», der 2001 in einer überarbeiteten Version erneut im Kino lief, gehört bis heute zu den erfolgreichsten Leinwand-Produktionen aller Zeiten. Und fast noch wichtiger: Er ist ein exzellenter Horrorfilm mit einem gigantischen Finale.

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