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Holocaust-Überlebende fordern Entschädigung von Polen

Überlebende des Holocaust und Vertreter jüdischer Gruppen wollen sich Ende Februar in Warschau treffen, um von Polen Entschädigungszahlungen einzufordern. Die Kosten für ein solches Entschädigungsprogramm könnten sich auf 20 Milliarden Dollar belaufen.

Dabei geht es um Eigentum, das die kommunistische Regierung des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt hatte. Neben Weissrussland ist Polen das einzige osteuropäische Land, dass noch kein Programm zur Rückgabe dieser Besitztümer erlassen hat.

Die Regierung in Warschau hatte stets argumentiert, ein solches Programm sei mit zu hohen Kosten verbunden. Schätzungen zufolge könnten sich die gesamten Forderungen auf mehr als 20 Milliarden Dollar belaufen.

«Wir warten schon sehr lange darauf, dass diese Frage gelöst wird», sagte Naphtali Lavie von der World Jewish Restitution Organisation, die sich für die Entschädigung von Opfern des Holocaust einsetzt. «Viele Menschen, die ihren Besitz verloren haben, sind heute sehr alt. Wie lange sollen sie noch warten?»

Die konservative Regierung Polens hat versprochen, in den kommenden Monaten eine Gesetz zu verabschieden, dass Entschädigungen regelt. Ein entsprechender Entwurf sieht vor, dass der Staat für 15 Prozent des verloren Eigentums aufkommt. Vielen Holocaust-Überlebenden reicht das nicht aus.

Bis zum Zweiten Weltkrieg lebte in Polen Europas grösste jüdische Gemeinde. Knapp 90 Prozent der 3,3 Millionen Juden fielen dem systematischen Massenmord durch die Nationalsozialisten zum Opfer. (sda)

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