25.03.2020 19:25

Corona-Opfer in Madrid«Holt bitte die Leiche meines Vaters ab»

Ein junger Mann in Spanien muss erleben, wie sein Vater ohne medizinische Betreuung an Covid-19 stirbt. Doch das Schlimmste sollte erst dann kommen.

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Die 90-jährige Suzanne Hoylaerts verzichtete freiwillig auf ein Beatmungsgerät und starb an Covid-19. (Quelle: Facebook)

Die 90-jährige Suzanne Hoylaerts verzichtete freiwillig auf ein Beatmungsgerät und starb an Covid-19. (Quelle: Facebook)

25. März: Luis Fernando Chuquispuma aus Madrid verlor am 14. März seinen Vater an Covid-19. Der 25-Jährige verbrachte 16 Stunden in der Wohnung mit der Leiche, bevor die Behörden sie abholten.

25. März: Luis Fernando Chuquispuma aus Madrid verlor am 14. März seinen Vater an Covid-19. Der 25-Jährige verbrachte 16 Stunden in der Wohnung mit der Leiche, bevor die Behörden sie abholten.

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25. März 2020: In Wuhan werden bereits Barrieren entfernt, ihre Stadt verlassen dürfen die Bewohner aber noch nicht.

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Luis Fernando Chuquispuma musste 16 Stunden in seiner Wohnung in Madrid mit der Leiche seines Vaters ausharren. Der 25-jährige Peruaner macht den spanischen Gesundheitsbehörden schwere Vorwürfe: Zuerst hätten sie zu spät auf seine Notrufe reagiert, dann den Leichnam seines Vater lange nicht abgeholt.

Als sein 79-jähriger Vater am Wochenende hohes Fieber bekam, meldete sich der Sohn bei der offiziellen Notfallnummer. Vater und Sohn hatten zu jenem Zeitpunkt beide Fieber, aber der Vater schien aufgrund seiner Immunschwäche die Symptome von Covid-19 stärker zu spüren. «Er hatte Schüttelfrost und fühlte sich sehr schwach», erzählt Luis der Zeitung «El Mundo».

Gesundheitszustand verschlechterte sich von Stunde zu Stunde

Am Montagabend habe der Vater zu husten begonnen, am Dienstagmorgen hatte er bereits Mühe, Luft zu bekommen. Luis rief nochmal beim Notfall an.

Diesmal versprachen die Behörden, eine Ambulanz mit einer Sauerstoffflasche zu schicken. Weil das System überlastet sei, könne das ein oder zwei Stunden dauern. «Der Sauerstoff kam nie. Beziehungsweise erst nachdem mein Vater schon tot war», so Luis.

Das Schlimmste sollte Luis noch bevorstehen: Beim dritten Anruf erklärten die Sanitäter am Telefon, Luis solle seinen Vater nicht hinlegen, das würde seine Atmung weiter erschweren. «Ich sass neben ihm auf der Couch und hielt seine Hand. Am Dienstagabend konnte mein Vater sehr schwer atmen, seine Atmung wurde immer lauter. Um 0.40 Uhr wurde es dann plötzlich ganz still», erzählt der Sohn.

Er rief die Polizei, um sie über den Tod des Vaters zu informieren. «Eine Ärztin kam in die Wohnung, stellte die Todesurkunde aus und ging. Ich legte die Leiche meines Vaters auf sein Bett.»

Bestattungsfirma versuchte, abzuzocken

Dann rief Luis bei einem privaten Bestattungsunternehmen an, das im Namen der Stadt Madrid die Leichen abholt und sie in eine als Leichenschauhaus eingerichtete Eishalle bringt. Der Dienst ist kostenlos. «Aber die Firma verlangte von mir 2700 Euro. Sie schickten mir sogar Formulare per Mail und sagten, ich könne die Summe in drei Raten zahlen», sagt der Sohn.

Die Formulare konnte Luis nicht persönlich einreichen, da er selber krank war und die Wohnung nicht verlassen konnte. Erst nachdem er sich an eine Organisation gewandt hatte, die Opfer von Vernachlässigung durch Gesundheitspersonal unterstützt, wurde die Leiche schliesslich abgeholt – nach 16 Stunden.

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