Aktualisiert 28.02.2014 10:23

Hilferuf aus Syrien

«Holt uns hier raus – wir sterben!»

Ein erschütternder BBC-Bericht zeigt die verzweifelte Lage der Menschen in Jarmuk. Das Quartier in der syrischen Hauptstadt Damaskus ist seit Monaten von der Umwelt abgeriegelt.

von
kmo

«Es sieht aus wie die Szene einer Naturkatastrophe», sagt Lyse Doucet, «doch das ist Menschenwerk.» Mit diesen Worten beginnt ihr BBC-Beitrag (Video siehe unten) über ihren Besuch im Flüchtlingslager Jarmuk, einem Quartier mitten in der syrischen Hauptstadt Damaskus, das seit Monaten hermetisch abgeriegelt ist.

Nur nach zähen Verhandlungen erhält das UNO-Hilfswerk UNRWA jeweils Zugang zu Jarmuk. Die Menge an Hilfsgütern, die die Mitarbeiter mitbringen dürfen, reicht bei weitem nicht: 60 Pakete sind es diesmal – für rund 18'000 Menschen im Quartier. Die Journalistin Doucet hat das Hilfswerk kürzlich begleitet, ihr Bericht zeigt erschütternde Bilder.

Da ist etwa die 60-jährige Wafiqa, die unsicher auf die Kamera zustolpert und eindringlich um Hilfe fleht: «Bitte, bitte, nehmt uns mit, wir sterben hier!» Seit acht Monaten fristet sie hier ein von Hunger, Verzweiflung und Angst geprägtes Dasein.

(Quelle: YouTube/BBC News)

Sie ist eine von Unzähligen. Hinter ihr drängen sich Hunderte gegen die Sicherheitsleute, die die UNO-Mitarbeiter abschirmen. Sie haben es in die enge, von Ruinen gesäumte Strasse geschafft, wo die Hilfsgüter verteilt werden. Es sieht aus, als hätte ein Erdbeben den Stadtteil verwüstet. Viele der Menschen schluchzen, manche rufen, andere sind einfach nur noch müde. «Wir mussten Kräuter kochen», erzählt eine Mutter der Journalistin.

Ein paar Schritte weiter spielt sich eine weitere erschütternde Szene ab: Ein Palästinenser hat es irgendwie geschafft, nach Jarmuk zu gelangen, um seine Tochter zu suchen. Weinend liegen sich die beiden in den Armen, sie haben sich fast ein Jahr nicht mehr gesehen.

Kurz bevor die Journalistin Doucet das Lager wieder verlassen will, trifft sie auf Kiffah. Der 13-Jährige stand mit seinen kleinen Schwestern ebenfalls um Lebensmittel an. Sie fragt ihn, wie es ihm geht. «Gut, normal», antwortet er und versucht, die Fassung zu bewahren. Dann sagt er: «Ein bisschen hungrig» und die Tränen beginnen zu fliessen. «Es gab kein Brot mehr» ist alles, was er noch herausbringt.

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