Publiziert

Ansturm auf BüromöbelHomeoffice-Boom sorgt für leere Regale bei Möbelhäusern

Der Bundesrat hat die Arbeitnehmenden ins Homeoffice geschickt. Seither rennen die Schweizer den Möbelhäusern die Türen ein. Bei Ikea sind ein Drittel der Büromöbel ausverkauft.

von
Dominic Benz
1 / 23
Wegen der Homeoffice-Empfehlung funktionieren Tausende Schweizer ihre eigenen vier Wände zum Arbeitsplatz um – und decken sich mit neuen Stühlen, Tischen und Gestellen ein.

Wegen der Homeoffice-Empfehlung funktionieren Tausende Schweizer ihre eigenen vier Wände zum Arbeitsplatz um – und decken sich mit neuen Stühlen, Tischen und Gestellen ein.

KEYSTONE
Der Ansturm bei Anbietern von Büromöbeln wie Ikea ist entsprechend riesig.

Der Ansturm bei Anbietern von Büromöbeln wie Ikea ist entsprechend riesig.

KEYSTONE
Das schwedische Einrichtungshaus hat laut einer Sprecherin bei einem Drittel der Büromöbel Lieferschwierigkeiten.

Das schwedische Einrichtungshaus hat laut einer Sprecherin bei einem Drittel der Büromöbel Lieferschwierigkeiten.

REUTERS

Darum gehts

  • Tausende Schweizer arbeiten derzeit wegen Corona von zu Hause aus.

  • Sie richten sich in den eigenen vier Wänden ein eigenes Büro ein.

  • Daher verzeichnen Möbelhäuser einen grossen Ansturm auf Büromöbel.

  • Laut Ikea sind ein Drittel der Möbelprodukte derzeit ausverkauft.

  • Auch bei Conforama, Pfister, Livique und Micasa explodieren die Verkaufszahlen.

Um die Zahl der Corona-Ansteckungen zu senken, hat der Bundesrat im Oktober unter anderem eine Homeoffice-Empfehlung ausgesprochen. Arbeitnehmende sollen wenn möglich von zu Hause aus ihrer Tätigkeit nachgehen. Daher funktionieren Tausende Schweizer ihre eigenen vier Wände zum Arbeitsplatz um – und decken sich mit neuen Stühlen, Tischen und Gestellen ein. Der Ansturm bei Anbietern von Büromöbeln ist entsprechend riesig.

Überrannt wird etwa Ikea. Das schwedische Einrichtungshaus kann die hohe Nachfrage kaum mehr bewältigen. Viele Produkte fürs Büro sind ausverkauft. Ikea-Sprecherin Simona Crivelli sagt zu 20 Minuten: «Aufgrund der aktuellen Situation können wir in einigen Produktbereichen den Bedarf unserer Kunden nicht decken, deshalb kommt es bei rund einem Drittel unserer Büromöbel zurzeit leider immer wieder zu Lieferschwierigkeiten.»

Verdoppelte Verkaufszahlen

Explodiert ist der Absatz von Produkten im Bereich «Schreibtische» und «Bürostühle». «Die Verkaufszahlen haben sich hier im Schnitt mehr als verdoppelt», so die Sprecherin. Vor allem manuell oder elektrisch verstellbare Schreibtische seien sehr gefragt. Tische der Ikea-Modellreihe «Lisabo» und «Bekant» sind derzeit nicht lieferbar. Auch die Bürostühle «Hattefjäll» sind ausverkauft.

Welche Büromöbel bei den Anbietern kaum mehr lieferbar sind, siehst du in der Bildergalerie oben.

Bis die Löcher in den Gestellen von Ikea wieder gestopft sind, kann es noch eine Weile dauern. Mit der Produktion und dem Nachschub von Büro-Equipment kommt der Möbelriese kaum noch nach. Das soll sich ändern. «Wir arbeiten zurzeit daran», sagt die Sprecherin. So sollen Produktionskapazitäten innerhalb der bestehenden Lieferanten etwa durch zusätzliche Maschinen und mehr Mitarbeiter hochgefahren werden.

«Ikea arbeitet mit vielen unserer Produzenten seit langen Jahren zusammen. Dies kommt uns in dieser Situation zugute, da wir schneller reagieren können und zum Beispiel die Produktionskapazitäten und Transportkapazitäten erhöhen konnten», ergänzt Crivelli. Auch neue Produzenten möchte das Möbelhaus erschliessen.

Seit Lockdown starker Anstieg

Die Nachfrage nach Büromöbeln ist laut Crivelli bereits in den ersten Tagen des Lockdown im März deutlich gestiegen. Dieser Trend habe sich auch nach der Wiedereröffnung der Ikea-Einrichtungshäuser weiter fortgesetzt – bis heute.

Damit Kunden nicht vergebens in die Filialen kommen, verweist die Sprecherin auf die Website von Ikea. «Wir empfehlen allen Besuchern und Kunden, vor ihrem Einkauf auf Ikea.ch die Produktverfügbarkeit in ihrem gewünschten Ikea-Einrichtungshaus zu checken oder auch die Möglichkeit der Onlinebestellung zu nutzen.»

Auch bei anderen Anbietern sind Büromöbel teils Mangelware. «Einzelne Produkte sind zeitweise etwas schwer verfügbar», heisst es bei der Migros-Tochter Micasa. Man verzeichne derzeit sehr hohe Umsätze und ein sehr hohes Interesse an Möbeln fürs Homeoffice. Verkauft werden vor allem Stühle, Pulte, Regale sowie Bürosysteme.

Verlängerte Lieferfristen

Die Coop-Tochter Livique lässt ausrichten, dass der Bereich Büromöbel «überproportional» zugenommen habe. «Vor allem Bürostühle, kleine Schreibtische und höhenverstellbare Schreibtische.» Auch Pfister bestätigt eine starke Zunahme. Grundsätzlich komme man aber mit der Produktion und Nachlieferung nach. Dennoch könne es vereinzelt sein, dass sich Lieferfristen etwas verlängerten.

Das Einrichtungshaus Conforama verzeichnet zurzeit eine Zunahme bei den Verkäufen von Stühlen, Pulten und anderen Büroprodukten um bis zu 350 Prozent. Lücken gebe es allerdings kaum. «Aktuell sind nahezu keine dieser nachgefragten Produkte bei uns ausverkauft», betont Conforama. Nach der bereits gestiegenen Nachfrage im Frühling habe das Unternehmen «früh diesen Trend antizipiert und entsprechend reagiert, um Engpässe zu vermeiden».

Zu Hause schuften

So soll ein guter Arbeitsplatz sein

Ein gut eingerichteter Arbeitsplatz soll laut Empfehlungen des Bundes Folgendes bieten:

• genügend Arbeitsfläche (ideale Arbeitsfläche: 160 x 80 cm).
• einen höhenverstellbaren Stuhl: Stuhl und Tisch sollten so eingestellt werden können, dass die Füsse fest auf dem Boden stehen und die Tastatur mit locker hängenden Schultern bedient werden kann.
• genügend Bewegungsraum um die Arbeitsfläche herum.
• eine gute Arbeitsplatzbeleuchtung zur Vermeidung direkter oder indirekter Blendungen.
• Sicht ins Freie.
• eine gute Umgebung ohne Stolper- und Sturzgefahren (z.B. herumliegende Kabel).

Quelle: Seco

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
236 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Bitte um Lieferant

12.11.2020, 08:34

Wer liefert dem Forstwart seine Wälder ins Homeoffice?

Schwei Nerei

12.11.2020, 08:32

Was meinen die Profis hier vom Mietnomadenstreit in Trimbach?

Andu

12.11.2020, 08:31

Viele LKWler gehören ins Homeoffice....der Frühling hatte auch seine positiven Seiten.