Aktualisiert 24.01.2014 07:57

Kampf für GleichstellungHomers Homophobie ist für Schwule ein Segen

Politisch inkorrekte Witze sind bei den Simpsons an der Tagesordnung. Auch Schwule kriegen regelmässig ihr Fett weg. Dennoch fördere die Zeichentrickserie die Gleichstellung, sagt ein Kölner Autor.

von
Yves Schott

Seit 1989 unterhalten sie Zuschauer auf der ganzen Welt – weit über 500 Folgen flimmerten bereits über die Bildschirme. «Die Simpsons» gehören zu den bekanntesten und beliebtesten Zeichentrickserien der Welt. Von zynischen Kommentaren wird niemand verschont: So lästert die Familie aus Springfield etwa über Apple, Arnold Schwarzenegger – oder über Homosexuelle.

«Liebe deinen Nächsten. Das klingt ja wie ein Schwulen-Porno», sagt Homer in einer Episode. Schwulenfeindlich sind die Simpsons aber nicht. Im Gegenteil. «Die homophoben Sprüche dienen nur dazu, damit sich die Figuren gleich wieder dagegen positionieren können», sagt Erwin In het Panhuis zu 20 Minuten. Der Kölner Bibliothekar und Historiker hat alle ausgestrahlten Episoden analysiert und kommt zum Schluss: Die Serie hilft Homosexuellen im Kampf um die Gleichstellung. Seine Erkenntnisse hat er im Buch «Hinter den schwulen Lachern. Homosexualität bei den Simpsons» zusammengefasst. Auf seiner Website sind ausserdem alle Homo-Szenen Staffel für Staffel aufgelistet.

Homer knutscht mit 50 Männern

Das Engagement für gesellschaftliche Minderheiten hängt laut In het Panhuis mit der politischen Denkweise des Erfinders der «Simpsons» zusammen: «Matt Groening ist ein Linker. Deshalb wird in Springfield auch über Themen wie Frauen - und Umweltrechte debattiert.» In 500 Folgen fand er 500 schwule und lesbische Anspielungen. In einer Episode geht es nur um die Homo-Ehe, dazu knutscht Homer mit insgesamt 50 Männern.

«Die Simpsons» hätten ausserdem für einen veritablen Tabubruch gesorgt: «1990 küssten sich dort zum ersten Mal zwei schwule Männer im amerikanischen Fernsehen», so In het Panhuis. «In Deutschland passierte dies 1987 in der ‹Lindenstrasse›, also nicht viel früher.» Nur eines stört den 48-Jährigen: HIV und Aids seien von den Machern weitgehend totgeschwiegen worden. «Matt Groening hat mir einmal gesagt, er sei mit seinem Humor in Bezug auf dieses Thema nicht zufrieden. Das finde ich etwas schade.»

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