Im Fussballstadion: «Homophobe Sprüche hören wir nur noch selten»
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Im Fussballstadion«Homophobe Sprüche hören wir nur noch selten»

Delegierte von 29 schwul-lesbischen Fussball-Fanclubs treffen sich am Wochenende erstmals in Zürich zu einer Konferenz – und das erst noch im Hauptquartier der Fifa.

von
gio
Peter Wolfensberger (ganz rechts), Präsident des schwul-lesbischen FCZ-Fanclubs Letzi Junxx, und der Vorstand.

Peter Wolfensberger (ganz rechts), Präsident des schwul-lesbischen FCZ-Fanclubs Letzi Junxx, und der Vorstand.

Herr Wolfensberger*, die europäische Vereinigung Queer Football Fanclubs (QFF) kommt erstmals in Zürich zusammen. Warum gerade bei der Fifa?

Wir fanden es eine gute Idee, physische Präsenz am Ort des grossen Fussballs zu zeigen. Als konsensorientierte Leute versuchen wir den Dialog mit der Fifa zu suchen und sind nicht auf Konfrontation aus. Die Fifa selbst war uns gegenüber auch sehr offen. Es könnte einen Anstoss in die richtige Richtung geben und Gespräche zu Homosexualität und Homophobie im Fussball anregen.

Die Fifa ist nicht unumstritten. Gab es bei der QFF interne Diskussionen wegen des Veranstaltungsortes?

Die Reaktionen fielen sehr unterschiedlich aus. Als Vorstandsmitglieder der Letzi Junxx den Entschluss an einer Konferenz vorstellten, gab es zuerst begeisterten Applaus. Erst im Nachhinein meldeten sich kritische Stimmen. Ein paar Leute konnten wir bis jetzt nicht vollständig von unserem Vorhaben überzeugen.

Worüber sprechen die Delegierten an der Konferenz?

Wir treffen uns alle sechs Monate und diskutieren über gemeinsame Projekte und Aktionen im Kampf gegen Homophobie im Fussball. Es geht vor allem um den Erfahrungsaustausch. Das letzte Mal waren wir in Düsseldorf.

Gastgeber der Konferenz ist Ihr Fanclub Letzi Junxx, den es seit sechs Jahren gibt. Haben Sie das Gefühl, mittlerweile von den anderen Zürcher Fans akzeptiert zu werden?

Definitiv. In der Zwischenzeit kennt man uns beim FC Zürich und den anderen Fanclubs. Auch homophobe Sprüche sind selten geworden und habe ich schon lange nicht mehr gehört. Im Stadion sind wir primär Fussballfans.

Was für Aktionen planen Sie in Zukunft zum Thema Homosexualität im Fussball?

Wir werden am Samstag ein Projekt gegen Homophobie im Breitensport vorstellen, welches wir mit den zwei anderen Schweizer Gay-Fussballfanclubs und dem Schweizerischen Fussballverband verwirklichen wollen. Auf internationaler Ebene wird es weiterhin sehr wichtig sein, sich zu vernetzen. Es ist noch ein weiter Weg, bis Homosexualität im Fussball akzeptiert ist.

*Peter Wolfensberger ist Präsident des schwul-lesbsichen FCZ-Fanclubs Letzi Junxx.

Die Queer Football Fanclubs (QFF) sind eine europäische Vereinigung schwul-lesbischer Fussball-Fanorganisationen. Ihre gehören momentan 24 Deutsche, 3 Schweizer und je ein Spanischer und Niederländischer Fussball-Fanclub mit total rund 1200 Mitgliedern an. Bereits zum 17. Mal versammeln sich rund 80 Delegierte davon zu einer internationale Konferenz. Diese findet alle sechs Monate statt.

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