Aktualisiert 26.10.2010 20:36

Rechtsrutsch

Homosexuelle laufen den Linken davon

Charmeoffensive der Linken auf die Gays: Mit radikalen Forderungen wollen die Juso die «Verbürgerlichung» der Gay-Community stoppen.

von
Gaudenz Looser

In der Gay-Community der Schweiz tobt ein politischer Richtungskampf. Die Linke, traditionellerweise Anwältin der homosexuellen Minderheit, sieht ihre Felle davonschwimmen. Auf Parteiebene marschierte die Gay-SVP trotz erbitterten Widerstands an der Zürcher Gay Pride 2010 mit und vor kurzem hat sogar die CVP eine Arbeitsgruppe Homosexualität gegründet. Aber auch in der schwul-lesbischen Basis stellen Aktivisten aus allen politischen Lagern eine «Verbürgerlichung» der Gay-Bewegung fest. «Kapitalistische Unternehmen haben Schwule als finanzstarke Doppelverdiener entdeckt. Sie geben nun vor, die Interessen der Schwulen und Lesben zu unterstützen», sagt Florian Vock, Vorstand der Juso-Gruppe GaynossInnen. Die Folge sei eine «erschreckende Oberflächlichkeit der Homo-Community».

SVP-Gay-Politiker Thomas Fuchs bestätigt den Wandel nach rechts, ortet aber eine andere Ursache: «In der Schweiz war die Islam-Debatte ein Mitauslöser. Viele traditionell linke Gays haben wegen der akuten Schwulenfeindlichkeit vieler islamischer Länder gegen Minarette in der Schweiz gestimmt – und dabei gemerkt, dass sie eigentlich gar nicht mehr links sind.»

Die GaynossInnen wollen dem nicht tatenlos zusehen: In einem radikalen Positionspapier skizzieren sie deshalb eine Fortsetzung der gesellschaftlichen Befreiung der Homosexuellen (siehe Info-Box). «Wir fordern die Aufhebung sämtlicher Normen bezüglich Sexualität, Geschlecht und ­Familienmodell», so Vock. Dabei sollen auch neue, «homosexistische» Normen ge-sprengt werden: «Zum Beispiel die Norm, dass homosexuelle Männer immer gut angezogen sein müssen.»

Familien ohne Verwandtschaft

Unter anderem fordern die GaynossInnen, dass:

• die Geschlechterbegriffe «männlich» und «weiblich» aufgehoben werden.

• die sexuelle Orientierung und Partnerschaftsbegriffe von jeglichen Normen befreit werden (z. B. Beziehungen mit mehr als zwei Beteiligten).

• die Familie nicht mehr auf biologischer Verwandtschaft basiert, sondern als soziales Netzwerk ohne Norm funktioniert (ein Kind soll auch vier Eltern haben dürfen).

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