Sadomaso-Sex in Madrid - Homosexueller (20) erfindet Attacke, um seine Sex-Eskapade zu vertuschen
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Sadomaso-Sex in MadridHomosexueller (20) erfindet Attacke, um seine Sex-Eskapade zu vertuschen

Das vermeintliche Opfer eines homophoben Angriffs in Madrid hat nach drei Tagen eingeräumt, den Vorfall erfunden zu haben. Die Verletzungen waren beim einvernehmlichen Sadomaso-Sex entstanden.

von
Karin Leuthold
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Am 8. September 2021 gingen Hunderte Menschen auf die Strasse, um gegen Homophobie zu protestieren. Dies, nachdem bekannt wurde, dass das vermeintliche Opfer eines homophoben Angriffs eingeräumt hatte, den Vorfall erfunden zu haben.

Am 8. September 2021 gingen Hunderte Menschen auf die Strasse, um gegen Homophobie zu protestieren. Dies, nachdem bekannt wurde, dass das vermeintliche Opfer eines homophoben Angriffs eingeräumt hatte, den Vorfall erfunden zu haben.

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Der 20-Jährige aus Madrid hatte gegenüber der Polizei zunächst erklärt, acht Angreifer hätten ihm mit einem Messer eine homophobe Beleidigung ins Gesäss geritzt. Die vermeintliche Attacke hatte in der Öffentlichkeit für Empörung gesorgt. 

Der 20-Jährige aus Madrid hatte gegenüber der Polizei zunächst erklärt, acht Angreifer hätten ihm mit einem Messer eine homophobe Beleidigung ins Gesäss geritzt. Die vermeintliche Attacke hatte in der Öffentlichkeit für Empörung gesorgt.

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Tage später gestand das Opfer, dass die angeblich zugefügten Verletzungen einvernehmlich bei einer Sadomaso-Begegnung entstanden seien.

Tage später gestand das Opfer, dass die angeblich zugefügten Verletzungen einvernehmlich bei einer Sadomaso-Begegnung entstanden seien.

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Darum gehts

  • In Spanien hat ein vermeintliches Opfer eines homophoben Angriffs eingeräumt, den Vorfall erfunden zu haben.

  • Der 20-Jährige gestand gegenüber der Polizei, dass die angeblich zugefügten Verletzungen einvernehmlich bei einer Sadomaso-Begegnung entstanden seien.

  • Er wollte mit der erfundenen Geschichte verhindern, dass sein Lebenspartner von seiner Eskapade erfährt.

  • Doch die Ermittlerinnen und Ermittler kamen ihm auf die Schliche, denn vieles an der Geschichte war «komisch».

Die grosse Lüge eines 20-jährigen Mannes flog nach stundenlangen Befragungen schliesslich auf: Der Homosexuelle gestand, dass der gewaltsame Angriff in Madrid durch acht Vermummte nie stattgefunden habe und dass die Verletzungen bei einer einvernehmlichen Sadomaso-Begegnung mit einem Mann entstanden waren. Auf die Frage, warum er die Geschichte erfunden habe, sagte der 20-Jährige, dass er verhindern wollte, dass sein Lebenspartner von seiner Eskapade erfährt.

Die angebliche Attacke vom Wochenende im Madrider Ausgehviertel Malasaña hatte in Spanien - und besonders in der LGBTQI-Community - für Entsetzen gesorgt. Das mutmassliche Opfer hatte zunächst behauptet, die Angreifer hätten ihn am Sonntagnachmittag vor seiner Haustüre nicht nur verprügelt, sondern auch mit einem Messer das Wort «maricón» (Schwuler) in seine Pobacke geritzt. Die Männer hätten sich im Haus befunden und ihn als «ekelhafte Schwuchtel» beschimpft. Weitere Angaben konnte er allerdings nicht machen: Er konnte keine Beschreibung der Täter geben, wusste nicht einmal, ob sie Spanier oder Ausländer waren.

Keine Zeugen, keine Aufnahmen auf Überwachungskameras

Die Polizei begann mit den Ermittlungen - doch der Fall sei ihr von Anfang an «komisch» vorgekommen, wie «El Mundo» berichtet. Ein Angriff um 17.15 Uhr an einer belebten Strasse von Madrid ohne einen einzigen Augenzeugen? Keiner der Nachbarinnen und Nachbarn hatte etwas gehört, zudem zeigten die Bilder der zahlreichen Überwachungskameras der Zone keine achtköpfige Männergruppe.

Der besorgte Freund des mutmasslichen Opfers brachte den Verletzten in eine Klinik. Die Krankenschwester, die sich um den Mann kümmerte, informierte die Behörden. Denn, wie sie ihm erklärte, sei sie im Fall eines Angriffs dazu verpflichtet. Erst am Mittwoch räumte der 20-Jährige ein, dass ein Bekannter ihm die homophobe Beleidigung mit seiner Zustimmung ins Gesäss geritzt habe, berichtete die Zeitung «El País».

Regelrechte «Jagd» auf Homosexuelle

Der Fall hatte in Spanien für grossen Wirbel gesorgt. In den vergangenen Tagen gingen Tausende Menschen auf die Strasse, um gegen Homophobie zu protestieren. Der jüngste Übergriff erinnerte viele an die Attacke gegen den 24-jährigen Samuel Luiz: Der Hilfspfleger aus La Coruña, Galizien, war vor zwei Monaten vor einem Nachtclub zu Tode geprügelt worden. Seine Angehörigen gehen davon aus, dass die Täter aus Homophobie handelten.
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte wegen des vermeintlichen Angriffs gegen den 20-Jährigen und anderer tatsächlicher gewalttätiger Übergriffe auf Homosexuelle angekündigt, seine Regierung werde alles in ihrer «Macht stehende tun, um Hassverbrechen zu verhindern». Im Parlament in Madrid rief der sozialistische Politiker die Abgeordneten auf, einen Anfang des Jahres eingebrachten Gesetzentwurf zur Gleichbehandlung von Minderheiten so schnell wie möglich zu verabschieden.

Nach Einschätzung von Menschenrechtlerinnen und -rechtlern gibt es in mehreren Landesteilen immer wieder organisierte Attacken auf Homosexuelle und auch auf Angehörige anderer Minderheiten. Das Innenministerium der Region Katalonien sprach am Mittwoch von einer regelrechten «Jagd». In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres wurden in ganz Spanien bereits 43 Prozent mehr Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten erfasst als im gesamten Vorjahr.

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