Aktualisiert 11.11.2011 09:50

Aufstand in Syrien

Homs - «ein Mikrokosmos der Brutalität»

Die Menschenrechtsorganisation Human Right Watch erhebt schwere Vorwürfe gegen das syrische Regime. Folter und Mord seien an der Tagesordnung.

Begräbnisse von getöteten Demonstranten sind in Homs an der Tagesordnung.

Begräbnisse von getöteten Demonstranten sind in Homs an der Tagesordnung.

Beim Vorgehen syrischer Truppen gegen Zivilisten in der Unruheprovinz Homs ist es nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) möglicherweise zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit gekommen. Die Organisation rief die Arabische Liga auf, Syriens Mitgliedschaft vorübergehend auszusetzen. Wegen des Blutvergiessens, das trotz des von ihr ausgehandelten Friedensplans anhält, hat die Arabische Liga für den (morgigen) Samstag eine Sondersitzung einberufen.

Von Mitte April bis Ende August seien in Homs mindestens 587 Zivilpersonen getötet worden, hiess es in dem am Freitag veröffentlichten, 63-seitigen Bericht. Dieser zitiert auch ehemalige Häftlinge, die von Folterungen berichten. Unter anderem hätten Sicherheitskräfte glühende Metallstäbe und Elektroschocks verwendet. Bei gross angelegten Militäroperationen seien ausserdem schwere Maschinengewehre, darunter auch Fliegerabwehrkanonen, eingesetzt worden, hiess es in dem Bericht weiter. Homs, eine Hochburg der Proteste gegen Präsident Baschir Assad, sei «ein Mikrokosmos der Brutalität des syrischen Regimes», erklärte Sarah Leah Whitson, Nahostdirektorin der Menschenrechtsorganisation, am Freitag.

Auch Demonstranten im Fokus

Der Bericht von Human Rights Watch gesteht auch ein, dass Demonstranten und Deserteure der syrischen Streitkräfte zu den Waffen gegriffen haben. «Gewalt durch Demonstranten und Deserteure muss weiter untersucht werden», heisst es in dem Bericht. Allerdings rechtfertige sie nicht den unverhältnismässigen und systematischen Gebrauch tödlicher Gewalt durch das Regime.

Nach dem offensichtlichen Scheitern des Friedensplans der Arabischen Liga sieht Human Rights Watch diese in der Pflicht. «Die Arabische Liga muss Präsident Assad mitteilen, dass eine Missachtung ihres Übereinkommens Konsequenzen hat und dass sie jetzt ein Vorgehen des Sicherheitsrates zum Ende des Blutvergiessens unterstützt», sagte HRW-Vertreterin Whitson.

(dapd)

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