20.12.2019 08:56

Weniger Exporte

Hongkong verdirbt der Uhrenindustrie die Bilanz

Die Schweizer Uhrenindustrie exportiert immer weniger Uhren. Schuld daran sind etwa die Proteste in Hongkong und die Apple Watch.

von
Raphael Knecht
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Dieses Jahr dürfte die Schweiz so wenige Uhren exportieren wie seit 35 Jahren nicht mehr.

Dieses Jahr dürfte die Schweiz so wenige Uhren exportieren wie seit 35 Jahren nicht mehr.

Keystone/Anthony Anex
Für die schwachen Exporte der vergangenen Monate gibt der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie als Hauptgrund an, dass die Exporte nach Hongkong eingebrochen sind. Wegen der anhaltenden Proteste kommen weniger chinesische Shopping-Touristen in die Stadt, die unter anderem auch Schweizer Uhren kaufen.

Für die schwachen Exporte der vergangenen Monate gibt der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie als Hauptgrund an, dass die Exporte nach Hongkong eingebrochen sind. Wegen der anhaltenden Proteste kommen weniger chinesische Shopping-Touristen in die Stadt, die unter anderem auch Schweizer Uhren kaufen.

AP/Mark Schiefelbein
Zu Beginn der Proteste in Hongkong machten die Uhrenverkäufe in Festlandchina das Defizit zumindest teilweise wett, doch auch damit ist seit November Schluss.

Zu Beginn der Proteste in Hongkong machten die Uhrenverkäufe in Festlandchina das Defizit zumindest teilweise wett, doch auch damit ist seit November Schluss.

epa/Diego Azubel

Für die Schweizer Uhrenindustrie bahnt sich ein unrühmlicher Rekord an: Dieses Jahr dürfte die Schweiz so wenige Uhren exportieren wie seit 35 Jahren nicht mehr, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Rund 19 Millionen Uhren waren es bis Ende November. Das ist ein Minus von 13 Prozent im Vergleich zu den ersten elf Monaten des Vorjahrs.

Darum macht sich die Schweizer Uhrenindustrie derzeit Sorgen:

Hongkong

Für die schwachen Exporte der vergangenen Monate gibt der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie als Hauptgrund an, dass die Exporte nach Hongkong eingebrochen sind. Wegen der anhaltenden Proteste kommen weniger chinesische Shopping-Touristen in die Stadt, die unter anderem auch Schweizer Uhren kaufen. Sowohl im Oktober als auch im November wurden jeweils fast 30 Prozent weniger Uhren nach Hongkong verkauft als im Vormonat. «Hongkongs Umsatz mit Uhren und Schmuck ist in den vergangenen Monaten um 40 bis 50 Prozent eingebrochen – das gab es noch nie», sagt ZKB-Analyst Patrik Schwendimann zu 20 Minuten. Das tut weh, denn Hongkong ist der grösste Einzelmarkt für die Schweizer Uhrenindustrie.

Festlandchina

Asien gilt für die Uhrenindustrie als grösster Wachstumsmarkt. Zu Beginn der Proteste in Hongkong machten die Uhrenverkäufe in Festlandchina das Defizit zumindest teilweise wett, sagt CS-Aktienanalystin Julie Saussier-Clement zu 20 Minuten: «Im November waren die Verkäufe dann aber auch in Festlandchina rückläufig.»

Apple & Co.

Die Konkurrenz bei den Uhren im mittleren und unteren Preissegment ist gross, sagt Schwendimann von der ZKB: «Einerseits gibt es viele Billigstuhren aus China, andererseits werden Smartwatches aus Südkorea und die Apple Watch beliebter.» Das macht in der Schweiz insbesondere der Swatch Group zu schaffen, denn sie erzielt gemäss Schätzungen über die Hälfte ihres Umsatzes mit Uhren, die zwischen 500 und 3000 Franken kosten.

Nachfrage

In vielen anderen Ländern ist die Nachfrage eingebrochen: So zogen im vergangenen Monat etwa die Exporte in das Vereinigte Königreich und nach Frankreich mit -17 Prozent das Ergebnis nach unten. Dazu kommen die Arabischen Emirate, wo im November ein Minus von 28 Prozent resultierte. Die Stückzahlen bei den Exporten sinken schon seit 1995 im Schnitt um 1,8 Prozent pro Jahr – es werden immer weniger, dafür aber immer teurere Schweizer Uhren gekauft. «Jüngere Leute tragen teils gar keine Uhren mehr», nennt Schwendimann einen der Gründe.

Trump

Auch Trumps Zollstreit hat Auswirkungen: Kurz nachdem der Handelskrieg losging, hat das breite Uhrensegment begonnen, sich zu verschlechtern: «Da hat man sofort Bremsspuren gesehen», sagt Schwendimann. Auch in den USA werden weniger Schweizer Uhren im Mittelpreissegment gekauft. Teure Luxusuhren leiden hingegen kaum unter dem Handelskrieg, da sich reichere Menschen auch bei einer Wirtschaftsabkühlung noch eine neue Uhr leisten können.

Händler

Saussier-Clement von der CS geht davon aus, dass die Händler selbst derzeit noch weniger Uhren verkaufen, als die Schweizer Industrie exportiert. Das könne zur Folge haben, dass die Produkte irgendwann auf dem grauen Markt landen – also dass sie nicht mehr über offizielle Kanäle verkauft werden. «Das würde die betroffenen Marken schwächen», so die Expertin.

Teure Uhren

In den oberen Preissegmenten ist die Schweiz laut ZKB-Analyst Patrik Schwendimann weiterhin Weltmeister, was den Export von Uhren angeht. Entsprechend ist der Wert der exportierten Uhren seit 1995 im Schnitt um fast 5 Prozent pro Jahr gestiegen trotz der rückläufigen Stückzahlen in den unteren Preissegmenten.

Das Hochpreissegment beginnt in der Schweizer Uhrenindustrie ab einem Preis von 3000 Franken. «Die Realität sind aber wesentlich höhere Preise – Uhren in diesem Segment kosten schnell mal 10'000 Franken», sagt CS-Analystin Saussier-Clement.

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