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Armut wegen QuarantäneHongkong zahlt Bürgern fast 600 Franken bei positivem Corona-Test

Umgerechnet 588 Franken sollen Hongkonger erhalten, die positiv auf das Coronavirus getestet werden. Mit dem Zustupf will die Regierung Arbeitnehmern unter die Arme greifen, da sich viele den Lohnausfall während der Quarantäne nicht leisten können.

von
Bianca Lüthy
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Fast 600 Franken sollen Hongkonger erhalten, die positiv auf das Coronavirus getestet werden. 

Fast 600 Franken sollen Hongkonger erhalten, die positiv auf das Coronavirus getestet werden.

REUTERS
In Hongkong steht vielen Arbeitnehmern in der Quarantäne keine Lohnfortzahlung zu. 

In Hongkong steht vielen Arbeitnehmern in der Quarantäne keine Lohnfortzahlung zu.

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Mit dem neuen Corona-Entgelt will die Regierung Abhilfe schaffen. 

Mit dem neuen Corona-Entgelt will die Regierung Abhilfe schaffen.

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Darum gehts

  • Hongkong lockt mit Geld zum Corona-Test.

  • Umgerechnet 588 Franken sollen positiv Getestete erhalten.

  • Es soll als Entschädigung für Arbeitnehmende dienen, die keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung haben.

  • Auch in Australien und Grossbritannien gibt es solche Corona-Entschädigungen.

Geld für einen positiven Corona-Test? Das will Hongkong neu einführen. Insgesamt 5000 Hongkong-Dollar (umgerechnet rund 588 Franken) sollen Personen einmalig erhalten, die positiv auf das Virus getestet werden.

Insgesamt 5782 Corona-Fälle hat Hongkong seit Beginn der Pandemie verzeichnet. Bei einer Bevölkerung von 7,8 Millionen sind die Fallzahlen tief. Problematisch aber sind in der chinesischen Sonderverwaltungszone die mangelnden Sozialversicherungen sowie das grosse Gefälle zwischen Arm und Reich.

Laut «Welt» will die Hongkonger Regierung mit dem Corona-Entgelt Arbeitnehmern helfen, die sich in Quarantäne begeben müssen und sich einen Lohnausfall von zwei Wochen nicht leisten können. «Wir hoffen, diese staatliche Unterstützung bestärkt Einwohner mit niedrigem Einkommen, die die Sorge um den Verlust ihres Gehalts umtreibt, falls sie nach einem Test in Quarantäne müssen, sich zu melden und testen zu lassen», so Gesundheitsministerin Sophia Chan.

Unterstützung für Selbstständige und Freischaffende

Der Arbeitsminister Law Chi-Kwong sagte, die Zahlung sei für Arbeitnehmer gedacht, die keinen Anspruch auf Krankengeld oder Lohnfortzahlung haben, wie Taxifahrer, Selbstständige und Freischaffende.

David Webb, Analyst und Aktivist für Anlegerrechte in Hongkong, schlug die Lohnfortzahlung der Regierung vor. Er forderte, dass bürokratische Hürden abgeschafft werden, sodass die Auszahlung des Corona-Geldes erleichtert werden kann: «Es lässt sich darüber diskutieren, Gehaltsempfänger mit Anspruch auf Krankengeld von der Zahlung auszuschliessen, aber die Zahlung jedem anzubieten, macht es unkompliziert, und die Gesamtkosten sind im Vergleich zu anderen Ansätzen geringfügig.»

In Hongkong wurde nun aber Kritik laut: Das Corona-Entgelt könnte ein Ansporn sein, dass sich Personen absichtlich infizieren. Und auch die Höhe des Zustupfs wird hinterfragt. «Das Geld reicht nicht aus, um die Lebenshaltungskosten zu decken, es wird lediglich der Anschein erweckt, die Regierung unterstütze mit dem Entgelt ihre Bürger», so Jeffrey Ngo, prodemokratischer Aktivist aus Hongkong, gegenüber der «New York Times».

Keine «absichtlichen» Infektionen wegen Corona-Entschädigung

Das Hongkonger Modell ist kein Einzelfall, so locken auch andere Länder mit finanziellen Anreizen für positiv Getestete. So haben Arbeitnehmer im australischen Bundesstaat Victoria 300 australische Dollar (umgerechnet 200 Franken) als Härteausgleich für die Wartezeit auf das Ergebnis eines Tests erhalten. Bei einem positiven Ergebnis wurden zusätzliche 1500 australische Dollar (1005 Franken) ausbezahlt.

Auch in Grossbritannien erhalten Personen, die bestimmte Auflagen erfüllen, seit Herbst ein Corona-Entgelt von 500 Pfund (605 Franken). «Wir müssen sicherstellen, dass niemand das Gefühl hat, einen hohen persönlichen Preis dafür zahlen zu müssen, dass er sich an der gemeinschaftlichen Gesundheitsaufgabe beteiligt», so Torsten Bell, Geschäftsführer der britischen Denkfabrik Resolution Foundation.

Am Beispiel Grossbritannien zeigt sich bislang, dass «absichtliche» Infektionen, um an die 500 Pfund zu kommen, eher unwahrscheinlich sind. Im Gegenteil: Die zahlreichen bürokratischen Hürden würden positiv Getestete davon abhalten, sich das Entgelt zu sichern. Auch die fehlende Bekanntheit des Entschädigungsprogrammes sei ein Problem. So werde weder in Testcentern noch bei der Kontaktermittlung von den britischen Behörden darauf hingewiesen.

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26 Kommentare
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Die Schweiz

24.11.2020, 15:59

Bei uns verschenkt man das Geld lieber ungefragt an, in Armut lebende, Millionäre.

Trickreiche Regierung

24.11.2020, 15:40

Und plötzlich steigen die Zahlen, die Regierung hat einen Grund und schlägt wieder mit voller Wucht zu ---- Und das alles des Geldes wegen....

Urs S.

24.11.2020, 15:39

Die haben ja kaum Fälle. Da sieht man mal denn Unterschied, wenn die exekutive Seite rigoros durchgreift. Nicht wie hier, wo sich jeder aus der Verantwortung zieht.