Aktualisiert 29.10.2007 11:59

Hooligan-Schlacht beim Regionalfussball

In Dresden herrschten am Wochenende kriegsähnliche Zustände: Nach Krawallen bei zwei Fussballspielen verhaftete die Polizei 229 Fans. Die Ordnungshüter standen mit einem Grossaufgebot von 1500 Mann im Einsatz.

Plötzlich geht alles schnell: Polizeisirenen heulen auf, Beamte in Schutzausrüstungen rennen auf die Strasse, der Verkehr steht still. Es ertönt ein ohrenbetäubender Knall, Flaschen und Steine fliegen durch die Luft, Menschen rennen durcheinander. Der Schauplatz: Hauptbahnhof Dresden, eine knappe Stunde nach Ende des Drittliga-Spiels zwischen Dynamo Dresden und dem 1. FC Union Berlin. Rund 250 Dynamo-Fans versuchten gemäss «Spiegel online» zu dem Zeitpunkt auf Biegen und Brechen eine Schlacht mit den verfeindeten Anhängern des Hauptstadt-Klubs anzuzetteln. 1500 Polizisten, zwei Polizeihubschrauber sowie Dutzende Einsatzfahrzeuge, die als Blechbarriere zwischen den Fangruppen dienten, wussten dies zu verhindern.

Die Hooligans machen auch vor der Fünftliga nicht Halt

Keine 24 Stunden später zeigte sich in der sächsischen Landeshauptstadt dasselbe Bild: Nach dem Spiel zwischen Dynamos zweiter Mannschaft und Lok Leipzig versuchten erneut die heimischen Fans die gegnerischen Anhänger zu attackieren. Weil ihnen dies nicht gelang, richteten die Dresdner Hooligans ihren Frust auf die Polizei. Diese hatte die Leipziger Fans zum Hauptbahnhof eskortiert, um Auseinandersetzungen zwischen den Fangruppen zu verhindern. So griffen rund 200 Dresdner unweit des Stadions eine Gruppe Beamte an, warfen mit Steinen und feuerten Leuchtkörper ab.

Der Mob verlagerte sich auch diesmal auf den Bahnhofsplatz in der Dresdner Innenstadt. Dort gelang es den Polizisten, die Angreifer mit Schlagstöcken und Pfefferspray in die Flucht zu treiben. Rund 50 Personen wurden verhaftet. Bereits vor dem Spiel hatte die Polizei 167 Personen in Gewahrsam genommen, nachdem sich diese den Anordnungen der Ordnungshüter widersetzt hatten.

Die Bilanz des Krawall-Wochenendes: 229 Verhaftete, zehn Verletzte - darunter vier Polizisten. Der Sachschaden kann derzeit noch nicht beziffert werden. Und bereits am Mittwoch sind in Dresden die nächsten Randalen im unterklassigen Fussball zu befürchten: Im Sachsenpokal trifft Dynamos erste Mannschaft auf Leipzigs zweites Team.

(mon)

Die Anhänger von Dynamo Dresden sind bekannt für Ausschreitungen. Bereits zu Beginn der neunziger Jahre musste ein Europacup-Spiel gegen Roter Stern Belgrad nach Ausschreitungen abgebrochen werden. 2002 lieferten sich beim Stadtderby gegen den SC Dresden nicht nur Dynamo-Hooligans sondern auch bisher unbescholtene Leute eine wilde Schlacht. 1000 weitere Personen standen dabei und applaudierten. Im März 2006 stürmten 100 Dynamo-Fans und 30 Anhänger des FC Erzgebirge Aue das Spielfeld und lieferten sich eine offenbar seit Langem geplante Prügelorgie. Bei Krawallen zwischen Dynamo- und Hertha-Berlin-Fans im Oktober 2006 gab es 38 Verletzte, darunter 23 Polizisten. Im Februar 2007 nahm die Gewaltbereitschaft der Dynamo-Anhänger neue Züge an: Eine Gruppe vermummter Fans lauerte nach einer Niederlage den Spielern des eigenen Teams auf. Im Juni dieses Jahres gingen die Scharmützel mit der Polizei in die nächste Runde. Beim Landespokal-Final gegen den FC Erzgebirge Aue II stürmten einige Dynamo-Fans den Rasen und schlugen sich mit Polizisten, während andere die Bänke aus den Verankerungen rissen. Die Krawallen vom vergangenen Wochenende scheinen also «nur» ein Glied in einer langen, endlosen Kette zu bilden.

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