Einen Monat lang: «Hooligan-Stil» und «Schlachtgesänge» – Zürcher Schule verbietet Fussball in der Pause

Aktualisiert

Einen Monat lang«Hooligan-Stil» und «Schlachtgesänge» – Zürcher Schule verbietet Fussball in der Pause

An den Primarschulen Borrweg und Friesenberg hat die Schulleitung ab Mai ein Fussball-Verbot ausgesprochen. Damit reagiert sie auf Gewalt unter den Schülern. 

von
Dominik Fischer
1 / 3
In den Schulhäusern Borrweg und Friesenberg hat die Schulleitung ein einmonatiges Verbot für Fussball in den Pausen angeordnet. 

In den Schulhäusern Borrweg und Friesenberg hat die Schulleitung ein einmonatiges Verbot für Fussball in den Pausen angeordnet. 

Reto Oeschger
Damit reagiert sie auf das Verhalten der Kinder, die sich gegenseitig «im Hooligan-Stil runtergemacht» haben, wie der Schulleiter berichtet. 

Damit reagiert sie auf das Verhalten der Kinder, die sich gegenseitig «im Hooligan-Stil runtergemacht» haben, wie der Schulleiter berichtet. 

Reto Oeschger
Sogar die Fansozialarbeit der Zürcher Fussballclubs will die Schulleitung zurate ziehen, um das Verhalten der Kinder bei und nach dem Fussballspielen zu ändern. 

Sogar die Fansozialarbeit der Zürcher Fussballclubs will die Schulleitung zurate ziehen, um das Verhalten der Kinder bei und nach dem Fussballspielen zu ändern. 

Pixabay

Darum gehts

  • Zwei Zürcher Schulhäuser verbieten für den Mai das Fussballspielen.

  • Damit reagieren sie auf ein aggressives Verhalten der Schulkinder. 

  • Dem Schulleiter «blutet das Herz» wegen der Massnahme.

Zwei Zürcher Schulhäuser verbieten ab dem 2. Mai das Fussballspielen auf ihren Pausenhöfen. Das Verbot tritt somit ein, sobald die Primarschüler nach den Osterferien in die Klassenzimmer zurückkehren. Dies berichtet die NZZ. Die Eltern der Schulhäuser Borrweg und Friesenberg, die zur Schule am Uetliberg gehören, haben noch vor den Ferien von der Schulleitung ein Schreiben erhalten. Darin stehe, dass das Fussballspielen in den Pausen einen Monat lang verboten sein wird.

«Unser Mai ist fussballfrei»

In einer E-Mail, die der NZZ vorliegt, heisst es: «Unser Mai ist fussballfrei.» Die Schulen hätten sich gemäss dem Schreiben zu diesem Schritt entschlossen, weil das Fussballspielen regelmässig zu Konflikten geführt habe. «Die Kinder haben sich im Hooligan-Stil runtergemacht und sind nach der Pause mit Schlachtgesängen in die Schulhäuser eingezogen», sagt Martin Gehrig, Schulleiter der Schule Am Uetliberg. Ausserdem soll der Fussball dazu geführt haben, dass sich die Kinder gegenseitig beleidigt hätten. Die Schulleitung befürchtet, dass die Kinder das Hooligan-Verhalten bei Fans im Stadion abschauen und es in der Schule nachmachen.

Die Schule habe mit mehreren Massnahmen versucht, das Problem zu lösen. So sei unter anderem ein Ampelsystem eingeführt worden, sagt der Schulleiter. Doch nichts habe langfristig gewirkt, sodass sich die Schule entschlossen habe, den Pausen-Fussball temporär zu verbieten. «Uns blutet das Herz», sagt der Schulleiter gemäss der Zeitung weiter und betont, man sei eine sehr sportfreundliche Schule und habe vom Kanton Zürich das Label «für eine sportfreundliche Schulkultur» erhalten. 

«Schulleitung hat überreagiert»

Erziehungs- und Konfliktberaterin Karin Knecht kann den Entscheid nicht nachvollziehen. Zu 20 Minuten sagt sie: «Mit dieser Massnahme hat die Schulleitung völlig überreagiert. Sie signalisiert den Kindern: ‹Ihr seid alles Störenfriede.› Was sollen die Kinder denn machen, wenn sie nicht mal mehr Fussball spielen dürfen?» Gerade jetzt, wo die Schüler und Schülerinnen nach Corona endlich wieder Kontaktsport treiben dürften und es doch so wichtig sei, dass sich die Kinder bewegten. 

Knecht schlägt vor, Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter miteinzubeziehen und gemeinsam mit Lehrern und Schülern etwa im Klassenrat über die Hooliganproblematik zu sprechen. Ansonsten riskiere man, dass sich die Fronten zwischen Schülern und Lehrerschaft verhärteten.

Tatsächlich will die Schule nach den Osterferien mit den Kindern thematisieren, dass im Fussball Fairplay und Werte wie Respekt, Toleranz und Akzeptanz eine Rolle spielen. Sogar die Fansozialarbeit der Zürcher Fussballclubs will die Schule zurate ziehen, um das Verhalten der Kinder bei und nach dem Fussballspielen zu ändern. Hat dies Erfolg, soll der Ball im Juni wieder rollen. 

Auch «Squid Game» wurde bereits verboten

Bereits im letzten Herbst hatten Schulkinder für Aufmerksamkeit gesorgt, die auf ihren Pausenhöfen die koreanische Hit-Serie «Squid Game» imitierten. Dies artete in einer belgischen Schule zu einer Prügelei aus. Auch in Dietikon musste bereits eine Schule auf eine «unschöne Szene» reagieren, nachdem Kinder versucht hatten, Szenen aus «Squid Game» nachzustellen.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

102 Kommentare