Zürich-Altstetten: Hools zogen Notbremse für Prügelei auf dem Gleis

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Zürich-AltstettenHools zogen Notbremse für Prügelei auf dem Gleis

FCB-Hooligans betätigten die Notbremse in ihrem Extrazug nicht zufällig in Zürich-Altstetten: Doch aus der geplanten Prügelei mit gleichgesinnten FCZ-Supportern wurde nichts.

von
rom

Hier versuchen militante FCZ-Fans beim Bahnhof Altstetten aufs Gleisfeld zu gelangen – und damit zum FCB-Extrazug.

«Massiv gestörter Zugverkehr im Grossraum Zürich»: Das meldete die SBB am frühen Sonntagabend. Basler Fussballfans hatten in ihrem Extrazug, der auf dem Rückweg vom Auswärtsspiel in Vaduz nach Basel war, um 18.05 Uhr die Notbremse gezogen und die Waggons teilweise verlassen Passiert ist das Ganze kurz nach Passieren des Bahnhofs Zürich-Altstetten – kein Zufall.

Denn zur gleichen Zeit waren etwa hundert schwarz gekleidete, teils vermummte Personen auf der Hohlstrasse unterwegs: «Viele von ihnen trugen ein Faust-Abzeichen auf der Brust», sagt eine Frau, die gerade in ihrem Auto unterwegs war und anhalten musste. «Plötzlich rannten sie über die Strasse.»

«Ich hatte richtig Angst»

Sie sei dann rasch in die Tiefgarage ihres Wohnhauses gefahren und erst ausgestiegen, als das Tor geschlossen war, erzählt die Augenzeugin. «Ich hatte richtig Angst.» Vom Balkon aus habe sie danach gesehen, wie die Vermummten – allesamt Anhänger der Südkurve – teils auf das Gleisfeld gerannt seien.

«Ich kann bestätigen, dass die Notbremse gezogen wurde, weil Basler mutmasslich die Konfrontation mit Zürcher Fussballfans suchten», sagt Marco Bisa, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. Nachdem die Polizei die Meldung von dem Vorfall erhalten habe, seien unverzüglich mehrere Patrouillen zum Bahnhof Altstetten ausgerückt. «Zu einem Aufeinandertreffen der beiden Fanlager ist es aber nicht gekommen», so Bisa.

Das könnte an der Distanz von rund einem Kilometer liegen: Die Basler befanden sich auf den Gleisen Höhe Micafil, die Zürcher hingegen auf der Höhe Europabrücke.

175 Züge und zig S-Bahnen betroffen

Konsequenzen seitens der SBB haben die FCB-Fans nicht zu befürchten. «Für eine Anzeige wäre es notwendig, dass das unangebrachte Ziehen der Notbremse eindeutig einer Person zugeordnet werden könnte, was bis jetzt in einem Fanextrazug noch nie möglich war», sagt Sprecher Christian Ginsig.

Dabei waren die Auswirkungen auf den Zugverkehr wegen der 40-minütigen Störung enorm: 175 Fernverkehrszüge und unzählige S-Bahnen waren verspätet oder fielen aus. Auch mussten im Nachgang die Züge wieder an den richtigen Ort gebracht und das Personal umgeplant werden.

Weil das Betreten von Gleisen lebensgefährlich ist, muss die SBB in solchen Fällen den Zugverkehr einstellen. Ginsig sagt: «Wir bedauern es sehr, dass am Sonntagabend durch Fussballfans so viele unbeteiligte SBB-Kunden betroffen waren.»

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