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«Chernobylite»Horror in der Todeszone von Tschernobyl

1986 kam es in Tschernobyl zur grössten Reaktorkatastrophe der Geschichte. Im Game «Chernobylite» kann die gesperrte, realistisch nachgebildete Zone besucht werden.

von
jag

Das Horrorgame «Chernobylite» schickt Spieler auf einen Survival-Trip durch die Sperrzone Tschernobyls. Die Zone wurde realtitätsgetreu nachgebaut. (Quelle: The Farm 51)

Seit 1986 in Tschernobyl die grösste Atomreaktor-Katastrophe der Geschichte ihren Lauf nahm, sind Menschen von der No-go-Zone im Norden der Ukraine fasziniert. Immerhin hatte die Katastrophe Auswirkungen bis nach Europa: Wer damals auf der Welt war, erinnert sich vielleicht daran, wie hierzulande vor dem Verzehr von Pilzen gewarnt wurde – die nukleare Wolke hatte sich bis über unsere Breitengrade ausgebreitet.

Vom Ort waren auch Gameentwickler fasziniert. Welcher Hintergrund eignet sich besser für ein dystopisches Spiel als eine reale Apokalypse, wie sie in Tschernobyl geschah? So konnten Spieler bereits 1987 im schrägen Adventure «Maniac Mansion» einen nuklearen Reaktor mit der Aufschrift «Made in Chernobyl» finden. Als Spielwiese für ein ganzes Game wurde die Sperrzone rund um den geschmolzenen Kernreaktor aber 2007 im brillanten Shooter «S.T.A.L.K.E.R.: Shadows of Chernobyl». Auch die folgenden zwei «S.T.A.L.K.E.R.»-Games spielten in der von mutierten Wesen bevölkerten Zone. Thema war Tschernobyl ebenso im 2007 veröffentlichten «Call of Duty 4: Modern Warfare».

Mehrmals pro Tag auf Strahlung messen

Keines dieser Games ging jedoch so weit wie das derzeit auf Kickstarter beworbene Survival-Horror-Game «Chernobylite» des polnischen Studios The Farm 51. Die auf 3-D-Scans spezialisierten Entwickler wollen nämlich Tschernobyl samt Umgebung akribisch genau scannen und virtuell nachbauen. Seit fünf Jahren ist das Spiel in Arbeit, begonnen hatte es als virtuelle Dokumentation über die Sperrzone. Mittels 3-D-Scans, Drohnen, Filmsequenzen und Bildvermessungen aufgrund von Fotografien haben die rund 20 Gameprofis die reale Umgebung des Reaktors nachgebaut. Schauspieler und Requisiten ergänzen das Game; als eine der Hauptfiguren stand eine hausinterne Grafikdesignerin Modell.

Damit die Entwickler überhaupt ins militärisch kontrollierte, 2500 Quadratkilometer grosse Sperrgebiet durften, mussten sie offizielle Einwilligungen einholen und mehrere Kontrollpunkte passieren. Da die Strahlenbelastung immer noch hoch ist, mussten sie sich mehrmals pro Tag auf radioaktive Strahlung testen, verraten die Macher in einem Making-of-Video.

Atomarer Start auf Kickstarter

Der regelmässige Blick auf den Geigerzähler spielt auch im Game selbst eine wichtige Rolle. «Chernobylite» startet am 26. April um 1.23 Uhr nachts. Es ist der Zeitpunkt, als die Nuklearkatastrophe ihren Lauf nahm. Ein junger Physiker muss im Spiel seine Geliebte zurücklassen und kehrt Jahre später zurück, um herauszufinden, was mit ihr geschehen ist. Er trifft auf Überlebende, Abenteuerlustige, aber auch auf übernatürliche Ereignisse. Neben der Science-Fiction-Horrorstory dürfte aber vor allem die virtuelle Nachbildung der echten Sperrzone und des Reaktors die Hauptattraktion sein.

Nicht zuletzt deshalb verläuft die Kickstarter-Kampagne für «Chernobylite» wohl so erfolgreich. Die am 11. April gestartete Kampagne hat in den ersten vier Tagen bereits über die Hälfte der rund 100'000 Franken eingespielt, die die Macher für die Fertigstellung brauchen, namentlich für die Vergrösserung des gescannten Areals. Wenig später wurde der Mindestbetrag erreicht.

Gametrailer «Chernobylite»

Gametrailer «Chernobylite»

Das Horrorgame «Chernobylite» schickt Spieler auf einen Survival-Trip durch die Sperrzone Tschernobyls. Die Zone wurde realtitätsgetreu nachgebaut.

Tschernobyl

Am 26. April 1986 kam es zur bisher grössten zivilen Nuklear-Katastrophe. Eine Simulation eines Stromausfalls führte zum unkontrollierten Leistungsanstieg im Reaktor 4 des Atomkraftwerks in Tschernobyl im Norden der Ukraine. Um 1.23 Uhr in der Früh explodierte der Reaktor, eine Strahlung von mehreren Trillionen Becquerel wurde freigesetzt; die Region nordöstlich des Kraftwerks wurde vollständig kontaminiert. Der Reaktor wurde im November 1986 mit einem Stahlbetonmantel verschlossen. Besonders betroffen von der Katastrophe wurde die nordöstlich gelegene Stadt Prypjat. Die radioaktiven Ausfälle reichten bis nach Europa.

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