Forscher warnen: Horrorszenario: Ein Abfallring um die Erde

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Forscher warnenHorrorszenario: Ein Abfallring um die Erde

150 Millionen Teile Weltraumschrott bedrohen zukünftige Raumfahrtprojekte. Mit 50 000 km/h wirken sie wie Handgranaten. Die Gefahr durch Weltraumschrott lässt sich nach Ansicht von Experten nur verringern, wenn dieser zur Erde zurückgeholt wird. Das wird aber schwierig - und teuer.

Das hiess es am Montag zum Auftakt eines Fachkongresses in Darmstadt. Heiner Klinkrad, Experte der Europäischen Weltraumorganisation ESA für Weltraummüll liess keinen Zweifel daran, dass die Zeit drängt.

Selbst wenn es jetzt zu einem totalen Stopp der Raumfahrt käme, könnten die noch vorhandenen Teile im All immer wieder miteinander kollidieren und einen «Trümmerring um die Erde» ziehen.

Also wäre es am besten, wenn der Müll wieder zur Erde zurückgeholt würde. «Das wird aber technisch schwierig und auch teuer», sagt der 56-Jährige. Die an der Raumfahrt beteiligten Nationen seien sich des Problems bewusst.

Gefährliche Miniteilchen

Experten haben ausgerechnet, dass im All 600 Tonnen Material vorhanden sind. 600 000 Teile sind grösser als ein Zentimeter. 150 Millionen haben die Grösse von etwa einem Millimeter. Das mag klein und ungefährlich erscheinen, ist es aber nicht.

Denn das Problem ist, dass der Müll mit einer enorm hohen Geschwindigkeit von bis zu 50 000 Kilometern pro Stunde durch das All rast. Damit erzeugt auch ein eigentlich ungefährliches Teilchen von der Grösse eines Kirschkerns eine unvorstellbare Durchschlagskraft.

Carsten Wiedemann von der Technischen Universität Braunschweig verglich diese mit der Detonation einer Handgranate. «Objekte, die grösser als ein Zentimeter sind, durchschlagen dann jede Satellitenwand.» Angesichts dieser Situation ist es für Klinkrad klar, dass es so nicht weiter gehen kann. «Sie würden ja auch als Fussgänger nicht über eine Autobahn gehen»

Ein Ausweichmanöver pro Jahr

Auch sein ESA-Kollege Holger Krag kennt das Problem aus der täglichen Arbeit. Das ESOC-Kontrollzentrum betreue zur Zeit zwei Handvoll Satelliten im All. «Ein Ausweichmanöver pro Jahr ist da schon drin», sagt Krag.

Bis es zu einer weltweiten Lösung des Müllproblems im All kommt, appelliert Klinkrad an das Gewissen der Raumfahrt-Nationen. Am besten wäre es, wenn im All gar kein Müll zurückbleibe. «Nationalparksystem» nennt er diese Vorstellung. Denn dort nehme ja auch jeder seinen Dreck wieder mit.

Pausenlos beobachtet

Um Raumflüge sicherer zu machen, wird der Schrott mit Radaranlagen und Teleskopen beobachtet. Ein Problem: Nicht alle Umlaufbahnen sind bekannt. Für kleine Schrottteile gibt es nicht immer präzise Daten. Aber auch sie sind im All gefährliche Geschosse.

Die Wahrscheinlichkeit einer Kollision hängt von Grösse, Flughöhe und Orbit-Aufenthaltsdauer eines Raumfahrzeugs ab. Besonders viel Weltraummüll findet sich in einer Höhe zwischen 850 und 1500 Kilometern, da mit der Höhe auch die Aufenthaltsdauer der Objekte im Orbit steigt. (sda)

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