Aktualisiert 21.11.2016 07:20

Brauchtum im WandelHorwer Samichläuse gehen zur Psychologin

Das Jobprofil von Samichläusen hat sich stetig gewandelt. Damit die Chläuse auf allerlei Kinder und Situationen vorbereitet sind, hilft ihnen in Horw nun eine Psychologin.

von
Noah Knüsel
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Die Horwer Samichläuse besuchen jedes Jahr über 220 Familien aus der Gemeinde.

Die Horwer Samichläuse besuchen jedes Jahr über 220 Familien aus der Gemeinde.

Astrid Stalder
Die Tradition gibt es schon lange: Seit 1934 ziehen die Samichläuse durch Horw.

Die Tradition gibt es schon lange: Seit 1934 ziehen die Samichläuse durch Horw.

Astrid Stalder
Auch heute noch lebt der Brauch. Vom 3. bis zum 6. Dezember sind die Chläuse auf Familienbesuch.

Auch heute noch lebt der Brauch. Vom 3. bis zum 6. Dezember sind die Chläuse auf Familienbesuch.

Astrid Stalder

Auch ein Samichlaus lernt nie aus: In der Gemeinde Horw werden die gut zwei Dutzend Samichläuse psychologisch auf ihre Einsätze vorbereitet. Denn heute genüge es nicht mehr, einfach mit Schmutzli und Rute etwas zu tadeln und mit einem Säckli für das Aufsagen eines Versli Lob zu verteilen.

Erst kürzlich fand in Horw wieder ein Workshop für Chläuse statt, geleitet von Margareta Reinecke, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP mit Praxis in Luzern, berichtete die «Zentralschweiz am Sonntag». Der Horwer Oberchlaus Marcel Britschgi erklärt: «Die Horwer Samichläuse gehen nicht wegen schlechter Erfahrungen mit Kindern zum Psychologen, sondern weil wir auf alle Situationen vorbereitet sein wollen.»

«Leute verlangen nach lieben Chläusen»

Margareta Reinecke sagte gegenüber 20 Minuten: «Die Horwer Chläuse wollen top sein, und sie sind auch top. Sie wollen ihren Job kindergerecht machen, denn sie bekommen immer wieder auch Telefone, wo die Leute fragen, ob denn ein lieber Chlaus vorbeikomme.»

In ihren Workshops gibt sie den Chläusen ganz konkrete Tipps, wie heute mit Kindern umzugehen ist: Zunächst gehe es um Entwicklungspsychologie. «Jedes Kind reagiert je nach Alter und Entwicklungsstand anders. Das muss ein Chlaus wissen.»

Auch in Sachen Kommunikation mit Kindern werden die Horwer Chläuse von Reinecke geschult. Bei einem Besuch sei es ganz wichtig, von Anfang an eine Beziehung mit dem Kind aufzubauen – «sonst kann man nichts übermitteln.» Sehr scheue Kinder etwa sollten die Chläuse zu nichts drängen, sondern indirekt mit ihnen über die Eltern kommunizieren.

«Frechen Kindern eine Aufgabe zuteilen»

Trifft ein Horwer Chlaus auf ein freches Kind, weiss er dank dem Workshop nun ebenfalls, wie er adäquat reagieren kann: «Die Kinder sind nicht einfach so frech, sondern wollen zum Beispiel zeigen, dass sie nicht mehr an den Samichlaus glauben und so Aufmerksamkeit erhalten. Solche Kinder kann ein Chlaus direkt ansprechen und ihnen eine Aufgabe geben, sie also einspannen. So fühlen sie sich ernst genommen. Dann kann sich der Chlaus den jüngeren Geschwistern zuwenden, die noch an ihn glauben.»

Ein moderner Samichlaus muss heute auch über pädagogische und pyschologische Skills verfügen. Laut Reinecke haben sich die Kinder im Vergleich zu früher zwar auch verändert, vor allem aber seien es die Familienstrukturen, die anders sind: «Es gibt nicht mehr einfach Vater, Mutter und zwei Kinder, sondern Samichläuse treffen oft auf Patchworkfamilien mit ganz unterschiedlicher Kinderschar. Daraus ergeben sich für ihn neue Herausforderungen.»

Von ihrem Einsatz in Horw ist sie begeistert. In der ZaS wendet sich Reinecke an die Chläuse: «Hier werden die Dinge hinterfragt, das ist nicht selbstverständlich. Ihr seid Vorbilder, das spürt man.»

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