Aktualisiert 15.05.2020 10:58

Tourismus Schweiz – zwischen Bangen und Hoffen

Hotel geschlossen, Foodtruck eröffnet

Die Lernenden des Hotels Saratz in Pontresina steckten den Kopf nicht in den Sand, als das Hotel wegen der Corona-Krise schloss. Sie erarbeiteten ein Foodtruck-Konzept und verwöhnen Gäste mitten im Dorf mit Älplermagronen, Burger und Thai-Curries.

von
Martin Hoch
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Innovativ
Innovativ

Zu Hause rumsitzen? Gamen oder netflixen? Die Lernenden des Hotels Saratz hatten eine bessere Idee: Sie stellten einen Foodtruck auf den Dorfplatz.

Hotel Saratz Pontresina
Freude an der Arbeit
Freude an der Arbeit

Alina Locher (links) sagt: «Wir lernen hier viel und die Arbeit macht Spass.» Die Restaurationsfachfrau wird von Kochlehrling Jomar Stieger und sechs weiteren Lernenden unterstütz.

Hotel Saratz Pontresina
Neues Foodangebot
Neues Foodangebot

Der neue Foodtruck kommt bei der einheimischen Bevölkerung sehr gut an.

Hotel Saratz Pontresina

Krise? Ja, aber auch eine Chance.

Kurz vor zwölf Uhr mittags im Zentrum von Pontresina im Engadin. Der Ort wirkt ziemlich ausgestorben. Die Touristen, die sich ansonsten hier tummeln, bleiben noch aus. Wegen der Corona-Krise, aber auch weil sich der Touristenort in der Zwischensaison befindet.

Aber an einem Ort herrscht emsiges Treiben: in einem kleinen schwarzen Anhänger, einem Foodtruck. «Es wird bald viel los sein», sagt Alina Locher. Die 17-jährige Bündnerin absolviert eine Lehre als Restaurationsfachfrau im Hotel Saratz. Tatsächlich bildet sich kurz nach zwölf Uhr eine Kolonne vor dem Truck. Das Social Distancing wird eingehalten, es darf jeweils nur eine Person in die Zone der Essensausgabe. Angeboten werden einfache Speisen wie Süsskartoffel-Fries oder Chicken Nuggets, aber auch Curries, ein Truck Burger oder passend zur alpinen Landschaft: Älplermagronen.

«Während ich im Hotel oder im Restaurant umsetze, was mir gesagt wird, organisieren wir Lehrlinge hier alles selber.»

Alina Locher, Lernende Hotel Saratz

Als das Hotel wegen der Corona-Krise vorzeitig schloss, entstand die Idee, einen von Lernenden betriebenen Foodtruck auf dem Dorfplatz aufzustellen. «Den Truck hatten wir bereits», sagt Alina Locher, er stehe im Sommer jeweils am Hotelpool. Doch damit war es noch nicht getan. Ein ganzes Konzept, von Bestellung, Einkauf über Essenszubereitung bis zur Bewirtschaftung mit Schutzmassnahmen musste auf die Beine gestellt werden. «Während ich im Hotel oder im Restaurant umsetze, was mir gesagt wird, organisieren wir Lernende hier alles selber.» Es sei eine grosse Chance und mache Spass. Ihr zufriedenes Lächeln bestätigt ihre Worte.

Was bringt die Zukunft?

Beim Foodtruck-Projekt sind insgesamt acht Lernende involviert. Wie man als junger Mensch, der in einer vom Coronavirus stark betroffenen Branche arbeitet, in die Zukunft blicke? Alina Locher überlegt, sagt schliesslich: «Etwas Angst bereitet einem die Situation schon.» Schliesslich habe man so etwas noch nie durchlebt. «Auf einmal durften wir nicht mehr raus, alle sind eingeschränkt», das sei nicht immer einfach, «aber es ist auch eine der Erfahrungen, die wir sammeln.» Wie es mit der Branche weitergehe, sei unklar. Die Lernende hofft, dass «bald wieder eine Normalität eintritt». Gleichzeitig gefällt ihr, dass weniger geflogen wird, dass die Umwelt eine Verschnaufpause erhalte. «Hoffentlich haben wir daraus etwas gelernt», sagt sie. Die Lernenden des Hotels Saratz haben in der aussergewöhnlichen Situation auf jeden Fall viel gelernt. Während viele Ausgelernte zu Hause rumsassen, verwöhnten sie ein ganzes Dorf mit feinem Essen. Chapeau!

Pontresina
Pontresina

Wie viele Schweizer Destinationen freut sich das Engadin auf Gäste, die ihre Sommerferien hier verbringen möchten.

Hotel Saratz
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8 Kommentare

E. Snowden

19.05.2020, 21:04

Man muss sich keine Sorgen mehr machen das es weiteren Lockdown gibt. Den Staaten fehlt das Geld, darum werden die Zahlen der infizierten nach unten geschraubt. In Bern zB hat es 100 Neuansteckungen die im Insespital getestet werden, offiziell sind es Null.......die Jounalisten sollten sich da mal Insider Infos holen. Wir werden völlig verarscht von denBehörden😢

F.W.

19.05.2020, 18:26

Sehr gut! Die jungen Lernenden zeigen mit solchen Projekten, dass sie nicht einfach zu Hause sitzen und Serienjunkies sind. Sich nützlich zu fühlen und zusammen zu organisieren hilft in solch unsicheren Zeiten.

Gian-A.

19.05.2020, 08:27

Habt ihr supper gemacht. Ein grosse Dankeschön an alle, die solche Projekte lancieren und YUnzerdtützung geben. Nur so und miteinander kommen wir weiter. Jammern bringt uns nicht weiter, Initiative ist gefragt - weiter so!