Geisterstudie im Engadin: Hotel-Gespenst gibt Forschern Rätsel auf
Aktualisiert

Geisterstudie im EngadinHotel-Gespenst gibt Forschern Rätsel auf

Im Hotel Val Sinestra soll es spuken. Dies berichten Angestellte und Gäste. Ein Geisterforscher-Team ging dem Phänomen nun auf den Grund und stiess dabei unter anderem auf einen fliegenden Löffel.

von
Felix Burch

(Video: 20 Minuten Online)

Das Dörfchen Sent im Unterengadin ist eigentlich schon abgelegen. Bis zum Kurhaus Val Sinestra sind es dann aber noch einmal unzählige Kurven. Ein schmales Strässchen windet sich dem Tal mit den dicht bewaldeten, steilen Hängen entlang, dann ist das Haus ein erstes Mal sichtbar. Die Turmspitzen ragen weit über die Baumwipfel, es ist ein Koloss inmitten ursprünglicher Wildnis.

Auf der ehemaligen Bäderetage des Hotels soll ein Geist wohnen. Laut Hoteldirektorin Wanda Hopman hat sich das Gespenst im Zimmer Nummer 5 eingenistet. Selber gesehen hat sie es noch nie. «Ich habe keine solche Fähigkeiten», sagt Hopman. Bei verschiedenen Hotelgästen und Angestellten mache sich der Geist jedoch immer wieder bemerkbar. «Fenster öffnen sich von alleine, Zimmerpflanzen bewegen sich, die Musik im Speisesaal wurde mehr als einmal einfach lauter, Schlüsselanhänger geraten in Schwingung, einige hörten ein Grollen», erzählt die Hoteldirektorin.

«Es fühlt sich an, als wäre noch jemand hier»

Viele würde beim Betreten der Bäderetage zudem ein unheimliches Gefühl beschleichen. Hotel-Koch Simone, der jeweils durch die Etage muss, um in den Weinkeller zu gelangen, bestätigt: «Es fühlt sich so an, als wäre noch jemand hier.» Simone spricht von einem kalten Gefühl im Nacken, es sei schwierig dieses genau zu beschreiben.

Hopman betritt an diesem Dienstag, 30. Juni, die sagenumwobene Etage. Es ist kühl, obwohl draussen die Sonne scheint. Sie schreitet den düsteren, klinikähnlichen Gang entlang. Früher wurden hier die Kurgäste gebadet, sie kamen der Quellen wegen, die arsenhaltiges Wasser enthalten, das unter anderem gegen Hautkrankheiten hilft. Schwarz-weiss-Bilder erinnern daran. Die Hoteldirektorin öffnet die Türe zum Zimmer Nummer 5 und bleibt neben der Badewanne stehen. Mitten im Satz hört sie auf zu reden, starrt auf den Fussboden. «Mir wird warm in den Beinen, jetzt steigt mir dieses Gefühl den ganzen Körper hoch.» Hopman errötet leicht und erklärt dann sichtlich verdattert, so habe sie «Gillon» noch nie gespürt (siehe Video).

Der Geist soll um 1927 im Kurhaus Stammgast gewesen sein

«Gillon» ist laut mehreren Medien, die Kontakt zum Geist aufnehmen konnten, der Name des unsichtbaren Bewohners. Es handle sich um einen Belgier, Mitte 40, hagere Statur, er sei elegant gekleidet. «Gillon» soll um 1927 herum Stammgast im Kurhaus gewesen sein. Nachprüfen lässt sich dies nicht, der Geist soll aber ein gutmütiger sein und deshalb stört sich die Hotelführung auch nicht an ihm. «Wir haben uns mit 'Gillon' arrangiert, er ist ein Gentleman», sagt Hopman.

Der Franzose Nicolas Augusto und sein Geisterforscher-Team haben vom Val Sinestra-Gespenst gehört und wollten es genau wissen. Am vergangenen Wochenende sind sie mit mehreren Minivans von Annemasse, einem kleinen Örtchen nahe der Schweizer Grenze, ins Engadin gereist. Ihre Wagen waren voll mit Kameras, Mikrophonen, Thermometern, Kabeln und «Elektromagnetismus-Geräten». Die ganze Technik installierten sie im Kurhaus und forschten hier zwei Tage und zwei Nächte.

Nach Mitternacht fiel ein Löffel auf den Boden

Mit Hilfe der Video- und Tonaufnahmen sowie der Elektromagnetismus- und Temperaturmessungen wollen sie beweisen, ob im Hotel Übernatürliches vor sich geht oder nicht. «Die Arbeiten vor Ort sind abgeschlossen, die Auswertung wird aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen», so Augusto am Dienstag. Es sei deshalb noch zu früh, um sagen zu können, ob hier wirklich ein Geist umgehe. Fest stehe aber, dass es im Haus sehr spezielle Energien gebe – ausserdem habe das Geisterforscher-Team zwei unheimliche Szenen erlebt im Val Sinestra.

In der ersten Nacht, so gegen ein Uhr, gerade als die Forscher den Speisesaal verlassen wollten, hörten sie ein Geräusch hinter sich. «Wie etwas Metallenes, das auf den Boden aufschlägt, hat es sich angehört», sagt Augusto. Als sie sich umdrehten, lag ein Löffel auf dem Boden. «Wir können uns nicht erklären, wie der Löffel dort hingelangt ist, wir hatten alle Türen zum Speisesaal nicht nur geschlossen, sondern verriegelt.» Ihnen sei schon etwas mulmig geworden - den Löffel wollen sie jedenfalls nicht nach Hause mitnehmen.

Schreie beim Raum Nr. 5

Eine zweite unheimliche Szene erlebt Augusto in der zweiten Nacht. Er schloss sich in der Badeetage im Zimmer Nummer 5 ein, setzte sich auf den Boden und wartete. «Irgendwann musste ich fluchtartig den Raum verlassen, musste einfach raus.» Es habe ihn ein wahnsinnig ungutes Gefühl beschlichen, es sei äusserst unangenehm gewesen. Ähnliches erlebten hier schon andere. Eine Frau soll auf der Etage geschrien haben, weil sie sich so unwohl fühlte. Sie musste weggebracht werden.

Von einem Geist möchte Augusto dennoch nicht sprechen. Die Existenz eines solchen zu beweisen sei äusserst schwierig. Im Kurhaus gebe es aber viele natürliche Gewalten, die gewisse Vorgänge erklären könnten. An vielen Orten herrsche Durchzug, der zum Beispiel Pflanzen bewegen lassen könnte. Oder die alten Leitungen könnten von gewissen Leuten als Grollen interpretiert werden.

Die Holländer lachen über das Gespenst

Wann das Schlussergebnis des Teams, dessen Arbeit von einem französischen Fernsehteam dokumentiert wird, vorliegt, ist noch unklar. Hastig packen die Mitarbeiter ihr Equipment zusammen, es liegt noch ein langer Weg vor ihnen. Mittlerweile ist es schattig im Val Sinestra, vereinzelte Hotelgäste kommen von Wanderungen zurück ins Kurhaus. Es sind fast ausschliesslich Holländer, die zur Zeit im Hotel longieren. Angst vor der hereinbrechenden Nacht haben sie nicht, in Holland begegne man Geistergeschichten viel lockerer als anderswo und lache darüber.

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