Diskriminierendes Manual?: Hotelfachschule betitelt Romands als «Bremser»
Aktualisiert

Diskriminierendes Manual?Hotelfachschule betitelt Romands als «Bremser»

In einem Manual der Zürcher Hotelfachschule sorgt eine Grafik für rote Köpfe. Absolventen sehen in dieser eine klare Diffamierung. Der Direktor weist die Vorwürfe zurück.

von
Simon Ulrich
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Im Diagramm werden die Motivation und die emotionale Verbundenheit der Arbeitnehmenden mit dem Unternehmen thematisiert.

Im Diagramm werden die Motivation und die emotionale Verbundenheit der Arbeitnehmenden mit dem Unternehmen thematisiert.

zVg
Zu den Bremsern gehören gemäss Grafik auch Westschweizer.

Zu den Bremsern gehören gemäss Grafik auch Westschweizer.

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«Wir tolerieren an unserer Schule keinerlei Formen der Diskriminierung», sagt Paul Nussbaumer, Direktor der Hotelfachschule Belvoirpark.

«Wir tolerieren an unserer Schule keinerlei Formen der Diskriminierung», sagt Paul Nussbaumer, Direktor der Hotelfachschule Belvoirpark.

Belvoirpark

«Wir mussten erst einmal leer schlucken, als wir das gesehen haben», sagen D. E.* (31) und F. S.* (27), beide Absolventen der Zürcher Hotelfachschule Belvoirpark. Ihre vollen Namen wollen sie nicht in der Zeitung lesen – aus Furcht vor beruflichen Konsequenzen, wie sie sagen.

Anlass für die Empörung der beiden Absolventen ist ein Diagramm zum Thema Motivation und emotionale Verbundenheit mit dem Unternehmen, das sich in einem Unterrichtsmanual über Management und Leadership findet. Verfasser des Manuals ist der Direktor der Hotelfachschule höchstpersönlich.

«Ganze Bevölkerungsgruppe verunglimpft»

Im Diagramm werden Erwerbstätige in verschiedene Kategorien eingeteilt, zum Beispiel «Motivierte», «Frustrierte» oder «Bremser». Zu jeder Kategorie finden sich auch die stärksten Ausprägungen. Bei den Bremsern eines Unternehmens sind etwa Angestellte mit Einkommen bis 6000 Franken und Unterforderte aufgeführt. Überraschender ist allerdings die letzte Ausprägung: Auch Westschweizer werden als Bremser in Betrieben bezeichnet.

«Da wird eine ganze Schweizer Bevölkerungsgruppe verunglimpft», empört sich E. Und S. meint: «Eine Schule, die ernst genommen werden will, darf so etwas nie und nimmer in einem Unterrichtsdokument publizieren.» Gleichzeitig glauben die ehemaligen Schüler nicht an eine gezielte Diffamierung der Welschen, sondern eher an eine Unbedachtheit.

«Skandalös und diskriminierend»

Auch der Genfer Nationalrat Carlo Sommaruga (SP) kann nur den Kopf schütteln. «Die Grafik ist skandalös und klar diskriminierend gegenüber Romands», stellt er klar. Mit solch einem Diagramm verbreite die Schule unnötig Klischees. «Dadurch besteht die Gefahr, dass die Schüler solche Stereotype verinnerlichen und Westschweizern gegenüber fortan eine negative Haltung entwickeln», warnt Sommaruga.

Der Politiker kritisiert weiter, dass sich keine Quelle neben der Grafik finde. «So können die Schüler nicht einmal überprüfen, ob die aufgeführten Prozentzahlen stimmen oder nicht.»

Westschweiz geniesst guten Ruf

Dass eine Hotelfachschule eine Grafik an ihre Schüler weitergibt, in der Romands als Bremser betitelt werden, verurteilt man auch bei Hotelleriesuisse «aufs Gröbste». «Die Westschweiz ist einer der zentralen Pfeiler in der Schweizer Hotellerie-Branche und trägt wesentlich dazu bei, dass die Schweiz als Gastgeberland wahrgenommen wird», sagt Sprecher Patric Schönberg. Und das habe eben vor allem mit den Arbeitskräften zu tun. «Wenn das alles Bremser wären, würde die Westschweiz kaum ein erfolgreicher Player im Schweizer Tourismus sein», so Schönberg.

20 Minuten hat Schuldirektor Paul Nussbaumer mit den Vorwürfen konfrontiert. Die umstrittene Grafik habe er vor einigen Jahren einem Heft entnommen, sagt er. «Was für eines, weiss ich aber nicht mehr.»

Grafik in dieser Form «ungeschickt»

Laut Nussbaumer basieren die Prozentzahlen in der Grafik auf einer schon älteren Umfrage, bei der beispielsweise 14 Prozent der Teilnehmer Westschweizer als Bremser in einem Unternehmen betrachtet hätten. Das sei aber keinesfall die Meinung des Belvoirparks, betont er. «Wir tolerieren an unserer Schule keinerlei Formen der Diskriminierung.»

Der Direktor räumt aber ein, dass ohne Angaben von Quelle und Umfrage-Kontext die Grafik leicht missverstanden werden könne. «Das war sicher ungeschickt», sagt er. Mittlerweile seien die Unterlagen jedoch überarbeitet worden. Nussbaumer: «Wir verwenden die Grafik jetzt nicht mehr.»

*Namen der Redaktion bekannt

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