Aktualisiert 10.04.2014 12:15

Hotelgäste klauen wie die Raben

Nahezu zwei von drei Reisenden klauen Gegenstände aus dem Hotelzimmer. Nicht nur Kosmetikartikel sind beliebt, wie eine Umfrage von Tripadvisor zeigte.

von
Lea Blum
10.4.2014

Fast die Hälfte aller befragten Touristen (45%) geben an, schon einmal ein Fläschchen Shampoo, eine Seife oder eine Bodylotion eingepackt zu haben. Nach Kosmetikartikeln landen vor Abreise auch gerne Tee oder Kaffee (23%) und Notizblock und Stift (31%) im eigenen Koffer. Auch flauschige Frottiertücher und Kleiderbügel gehen oft als Andenken mit.

Zu diesem Ergebnis kam die weltweit grösste Reise-Website Tripadvisor. In einer Online-Umfrage im Zeitraum Juni bis Juli 2013 haben 10 469 Unternehmen und 19 692 Reisende aus der ganzen Welt teilgenommen. Bedingung war, dass sie Reisen online buchen und im letzten Jahr mindestens eine Reise unternommen haben.

Hotelbetreiber können Diebe anzeigen

Auch Schweizer Hotels bleiben vor Langfingern nicht verschont: «Bei uns wurden sogar schon Wasserkocher, Tassen aus Porzellan, Duftbehälter aus den öffentlichen Hoteltoiletten und Seifenschalen entwendet», heisst es beim Hotel Schweizerhof in Basel.

Grundsätzlich gilt dort: Alles, was ein Gast während seines Aufenthaltes konsumieren kann, darf er auch nach Hause nehmen. So sind im Hotel Schweizerhof die zur Verfügung gestellten Kosmetikartikel im Zimmerpreis inbegriffen. Das gilt aber nicht für Gegenstände, die zur Infrastruktur gehören: Bei Handtüchern, Möbeln, elektrischen Geräten, Lampen, Bildern, Skulpturen oder Teppichen kann ein Hotel den Diebstahl gar zur Anzeige bringen.

Dazu sei es aber im Schweizerhof noch nie gekommen, so der Hotelmitarbeiter. «Der Aufwand für eine Anzeige nur wegen eines Handtuchs oder eines Bademantels ist zu gross.» Zudem komme es nur bei einmaligen Gästen zu Diebstahl, und diese wohnten viel zu weit weg, als dass man dem Gegenstand hinterherjagen würde. Die Kosten für das Ersetzen von gestohlenen Gegenständen werden dort auf etwa 500 Franken pro Jahr geschätzt.

Massnahmen gegen Hoteldiebe

Im Hotel Dolder Grand in Zürich ist Diebstahl kein grosses Thema, wie Sprecherin Vanessa Flack sagt. «Klar, Beauty-Produkte sind beliebt und werden sehr oft eingepackt. Das ist aber in Ordnung, da sie Teil des Zimmerangebotes sind.» Am meisten müssten laut Flack aber Kleiderbügel ersetzt werden. Auch komme mal ein Aschenbecher abhanden, bei Bademänteln machten die Gäste aber Halt: «Diese haben bei uns einen Sicherungs-Hinweis», so Flack. Wie dieser waschbare Chip funktioniert, will sie nicht verraten.

Auch im Berner Best Western Hotel Bären wird das Mitnehmen von Kosmetikartikeln nicht als Diebstahl betrachtet. «Es sind aber tatsächlich auch schon Bilder gestohlen worden. Zudem liegen LED-Lampen momentan bei Hoteldieben sehr im Trend», sagt Sprecherin Beatrice Imboden. Laut Imboden treffen einige Hotels Massnahmen gegen Diebstahl. Nebst Bademantel-Sicherungen befestigen viele Hotels ihre Bilder mit Schrauben an der Wand. Auch Kleiderbügel werden teils fest an der Stange montiert, so dass sie nicht entwendet werden können. So werden beispielsweise auch TV-Fernbedienungen mit einer Kette befestigt.

Haben Sie auch schon Gegenstände aus dem Hotelzimmer mitgehen lassen? Erzählen Sie ihre Geschichte im Kommentarfeld.

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