Aktualisiert 30.08.2015 13:27

InterlakenHotelier bringt Touristen Schwiizerdütsch bei

Wer als Tourist bei den Schweizern punkten will, tut dies anscheinend mit Schwiizerdütsch. Ein Hotel ermöglicht seinen Gästen nun den Einstieg in den Dialekt.

von
Nadine Ellis
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Stolz präsentiert Hoteldirektor Karim Abid vom Royal-St. Georges in Interlaken seinen Mini-Schwiizerdütsch-Sprachführer.

Stolz präsentiert Hoteldirektor Karim Abid vom Royal-St. Georges in Interlaken seinen Mini-Schwiizerdütsch-Sprachführer.

zvg
Seit dem 1. August liegt die Schwiizerdütsch-Broschüre in jedem Zimmer auf, was die mehrheitlich arabischen Gäste freut.

Seit dem 1. August liegt die Schwiizerdütsch-Broschüre in jedem Zimmer auf, was die mehrheitlich arabischen Gäste freut.

Abacapress/Barbara Zonzin
Stefan Otz, Tourismusdirektor von Interlaken, freut sich über die Aktion: «Alles was hilft, das Verständnis zu verbessern, ist eine super Sache.»

Stefan Otz, Tourismusdirektor von Interlaken, freut sich über die Aktion: «Alles was hilft, das Verständnis zu verbessern, ist eine super Sache.»

Keystone/AP/PHOTOPRESS/Markus Hubacher

Der phänomenale Blick auf blaue Seen und die schneebedeckten Gipfel von Eiger, Mönch und Jungfrau machen Interlaken zum Touristenmagnet. Viele, die hierher kommen, können jedoch kaum oder kein Deutsch. Das ortsansässige Hotel Royal-St. Georges bietet seinen internationalen Gästen nun einen besonderen Service: In den Zimmern werden Schwiizerdütsch-Broschüren ausgelegt, wie die «Jungfrau Zeitung» berichtet. Die vorwiegend arabischen Touristen sind vom Mini-Sprachführer begeistert.

Stolz auf den Dialekt

«Wie geits?», «Wo isch dr Bahnhof?» – der Sprachführer soll die Touristen mit den wichtigsten schwiizerdütschen Ausdrücken bekannt machen. Übersetzt wird das Ganze ins Englische. Die Idee zur Broschüre stammt vom tunesischen Hoteldirektor Karim Abid, der das Hotel seit Anfang Juli leitet.

Wie in Interlaken stellte er bereits in Luxemburg und im Elsass fest, dass die Einheimischen unheimlich stolz auf ihre Dialekte sind. «Sie lieben ihre Sprache und achten darauf, dass Ausländer, die sich integrieren wollen, die Sprache auch beherrschen», erzählt der Hoteldirektor. So habe er bereits in Luxemburg eine solche Broschüre entworfen und die Idee mit in die Schweiz gebracht.

«Super Sache»

Auch Stefan Otz, Tourismusdirektor von Interlaken, hat schon von der Broschüre erfahren und findet sie sympathisch. «Wenn schon ein einzelner Tourist versucht, etwas auf Schweizerdeutsch zu sagen, löst das bei der einheimischen Bevölkerung sicher positive Reaktionen aus», so Otz. Die Sprache sei ein wichtiges Bindeglied zwischen den Kulturen. «Alles was hilft, das Verständnis zu verbessern, ist eine super Sache», erklärt der Tourismusdirektor.

Andere Aktionen wie beispielsweise das Benimm-Buch des Kandertal Tourismus seien hingegen Bemühungen, den Gast zu belehren. Dem stehe er sehr kritisch gegenüber. «Im Royal-St. Georges wird aber nicht belehrt, sondern ein Beitrag zur Verständigung via Sprachkenntnisse geleistet. Man darf sich nicht zuviel davon erhoffen, aber die Aktion ist sehr begrüssenswert», so Otz.

«Die Broschüre kommt sehr gut bei unseren Gästen an», freut sich Abid. Seine Aktion sei ein Aufruf, den Dialekt breiter zu fördern. Auch er habe einen Schwiizerdütsch-Kurs besuchen wollen: «Doch leider sind die Möglichkeiten für Neuzugezogene begrenzt», so Abid. Zwar bot die Volkshochschule Interlaken in der Vergangenheit den Kurs «Berndeutsch verstehen» an, dieser wurde aber ersatzlos gestrichen.

«Bärndütsch»-Kurse an der VHS Bern

An der Volkshochschule Bern hingegen werden seit Jahren Berndeutschkurse angeboten. Einen grossen Teil der Kursteilnehmer bilden Neuzugezogene. Viele kommen aus Deutschland und Österreich und brauchen meist etwas Hilfe, um erfolgreich ins Berndeutsch starten zu können.

«Wir haben aber auch viele Teilnehmer, die schon länger in Bern wohnen und die sich nun in der Arbeit besser integrieren wollen», erklärt die Geschäftsleiterin der VHS Bern, Christine Zumstein. Die Teilnehmer kommen meist aus der Pflege, dem Gastgewerbe oder dem öffentlichen Verkehr, sind in ständigem Kundenkontakt und wollen den Berner Dialekt zumindest verstehen können.

«Ab und zu gibt es sogar Leute aus anderen Kantonen, die die Berner Klangfarbe besonders schön finden und daher einen Kurs bei uns besuchen», so Zumstein.

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