Privatzimmer-Vermietung: Hoteliers rufen zum Kampf gegen Airbnb
Aktualisiert

Privatzimmer-VermietungHoteliers rufen zum Kampf gegen Airbnb

Wegen Privatzimmer-Vermietung über Airbnb gehen den Zürcher Hotels 8 Millionen Franken Umsatz verloren. Nun ruft der Verband Hotelleriesuisse Steuerbehörden und Polizei um Hilfe.

von
S. Spaeth
Keine Steuern, keine Kurtaxen: Zürich-Tourismus entgehen wegen Airbnb-Angeboten Taxen von 200'000 Franken, schreiben die Tourimsmusberater Kohl & Partner.

Keine Steuern, keine Kurtaxen: Zürich-Tourismus entgehen wegen Airbnb-Angeboten Taxen von 200'000 Franken, schreiben die Tourimsmusberater Kohl & Partner.

Zuerst war es lediglich ein Nischenangebot im Internet, jetzt ist Airbnb ein ernstzunehmender Konkurrent für die traditionellen Hotelbetriebe. Über die Onlineplattform kann jeder sein Zimmer oder seine Wohnung anbieten – und das machen allein in der Schweiz rund 2000 Personen. Wer die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr in Zürich verbringen möchte, findet auf Airbnb mehr als 400 Angebote zwischen 40 und 200 Franken pro Nacht. Der Grossteil kostet um die 100 Franken.

Wegen Airbnb geht den Zürcher Hoteliers ein Umsatz von 8 Millionen Franken oder 80'000 Logiernächte durch die Lappen. Das zeigt eine neue Analyse der Tourismusberatungsfirma Kohl & Partner, die 20 Minuten vorliegt. Dies wollen die Hoteliers nicht länger hinnehmen. Der Dachverband hat am Freitag ein Schreiben an zehn Behörden und Verbände versandt, um das Problem zu diskutieren, wie «Schweiz am Sonntag» und «NZZ am Sonntag» übereinstimmend berichten. Angeschrieben wurden unter anderem die Polizeidirektorenkonferenz, Steuerbehörden und der Hauseigentümerverband.

Nicht nur Privatvermieter

«Wir verlangen gleich lange Spiesse», sagt Jürg Arnold, Präsident von Hotelleriesuisse Zürich im Gespräch mit 20 Minuten. Während sich ein Hotel beispielsweise an Hygiene- und Feuerpolizeivorschriften halten müsse sowie der Mehrwertsteuer und Kurtaxe unterliege, foutierten sich die Airbnb-Vermieter darum. Allein in Zürich gibt es laut Arnold tausend Airbnb-Anbieter, doch das seien längst nicht alles Private. «Über die Plattform bieten auch professionelle Immobilenfirmen Wohnungen zur Kurzzeitmiete an – Concièrge-Service inklusive», sagt Arnold. Die Stadt habe die Wohnungen zwar einst zur Langfristmiete bewilligt, dennoch fehle die rechtliche Handhabe. Das Nachsehen hat die Stadt auch bei den Kurtaxen. Zürich-Tourismus würden wegen Airbnb Taxen von 200'000 Franken entgehen, schreibt Kohl & Partner in der Studie.

Im Schreiben mutmasst Hotelleriesuisse, dass die Mehrheit der 2000 Schweizer Anbieter wohl selbst Mieter sei und sich in einer rechtlichen Grauzone bewegen. Grundsätzlich muss der «Gelegenheitshotelier» nämlich den Liegenschaftsbesitzer über Untermietverträge informieren und darf mit dem Zimmerangebot keinen Gewinn erzielen.

Noch keine Problem in den Alpen

Viel gelassener als in Zürich geht man mit der neuen Konkurrenz in den Ferienregionen um: «Bei uns ist Airbnb noch kein Problem», sagt Ernst Wyrsch, Präsident von Hotelleriesuisse Graubünden zu 20 Minuten. Für die Haltung der Hoteliers in urbanen Gebieten hat Wyrsch aber viel Verständnis. Die Ferienhotellerie habe in den letzten zwanzig Jahren enorm viele Gäste an die Ferienwohnungen verloren, laut Wyrsch der Vorläufer von Airbnb in den Alpen. «Airbnb hat sich zum Flächenbrand entwickelt und kostet der Branche zehntausende von Logiernächten», so der ehemalige Hotelier des Fünfsternehauses Belvedère in Davos.

Bereits haben international erste Städte Airbnb den Kampf angesagt, allen voran New York, wo sich Airbnb teils stark vom Gedanken der «Share Economy» entfernt hat. Laut der Generalstaatsanwaltschaft haben die 40 Spitzenverdiener unter den Airbnb-Anbietern zuletzt jährlich jeder mindestens 400 000 Dollar eingestrichen. Der Staat fühlt sich um Steuern in zweistelliger Millionenhöhe betrogen. Für eine Gesetzesänderung hat Airbnb auch in Frankreich gesorgt: Wer seine Zweitwohnung an Touristen vermietet, betreibt seit September 2013 ein bewilligungspflichtiges Gewerbe.

Luftmatratze und Zmorge

Airbnb zählt laut eigenen Angeboten 34'000 Angebote in 192 Ländern. Der Name steht für Airbed and Breakfast – Luftmatratze und Frühstück. Wer sein Zimmer vermietet, muss der Onlineplattform fürs Vermitteln 3 Prozent Kommission abliefern. Die Firma wurde 2008 von Brian Chesky, Joe Gebbia und Nathan Blecharczyk in San Francisco gegründet. Der ursprüngliche Name Airbedandbreakfast wurde 2009 zu Airbnb verkürzt. (sas)

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