Aktualisiert 03.11.2009 16:48

TourismusHotelpreise bleiben hoch - trotz der Krise

Die Zahl der Logiernächte ist in der Schweiz deutlich gesunken. Mit einer Erholung rechnet die Branche erst gegen Ende 2010. An den Preisen wollen die Hotelbetreiber dennoch nicht rütteln.

von
Alex Hämmerli

Die Wirtschaftskrise macht sich in der Schweizer Tourismusbranche bemerkbar. Im vergangenen Tourismusjahr (November 2008 bis Oktober 2009) ist die Zahl der Hotelübernachtungen um 5,7 Prozent gesunken. Dies geht aus den Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) und dem Konjunkturforschungsinstitut BAK Basel Economics hervor. Einen vergleichbaren Rückgang gab es seit dem zweiten Weltkrieg erst einmal, nämlich 1995.

Auch der Blick in die nahe Zukunft verheisst nichts Gutes für die Hotelbetreiber. Das Seco geht davon aus, dass die Tourismusnachfrage noch bis in die zweite Jahreshälfte 2010 zurückgeht. «Mit einer schnellen Erholung, wie sie auf gesamtwirtschaftlicher Ebene zu erwarten ist, kann im Tourismus nicht gerechnet werden», sagt Richard Kämpf vom Seco. «Für den kommenden Winter gehen wir von einem Rückgang der Zahl der Hotelübernachtungen um 3,7 Prozent aus. Die Sommersaison dürfte ein Minus von 1,7 Prozent mit sich bringen.»

Angst vor Dumpingpreisen

Trotz der Prognose des Seco sehen die meisten Hotelbetreiber von Preissenkungen ab. Ermuntert werden sie dazu vom Dachverband der Schweizer Hotellerie. «Wir raten klar von solchen Massnahmen ab», sagt Susanne Daxelhoffer von Hotelleriesuisse. Tiefe Preise würden zwar kurzfristig mehr Gäste anlocken, diese könnten die entgangenen Erträge langfristig aber kaum wettmachen.

Hotelleriesuisse befürchtet zudem, dass sich die Gäste schnell an «Dumpingpreise» gewöhnen würden. Die Erfahrung zeigt, dass man die Preise in Hotels nach Preissenkungen kaum mehr hoch bringe, so Daxelhoffer. «Der Kunde hat wenig Verständnis für Preissteigerungen ohne zusätzliche Leistung, auch wenn es mit der Wirtschaft wieder aufwärts geht.»

Stattdessen rät Hotelleriesuisse ihren Mitgliedern, ihre Gäste mit Zusatzleistungen zu überraschen. So können Hotels im Winter beispielsweise Glühwein und Kuchen offerieren. Beliebt sind zudem Upgrades in eine höhere Zimmerkategorie oder ein gratis Eintritt in den Wellness-Bereich.

Im Ausland dreht die Preisspirale

In vielen europäischen Ländern ist der Preiskampf unter den Hotels längst ausgebrochen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind die gesamteuropäischen Hotelpreise um rund 11 Prozent zurückgegangen. In manchen Städten, etwa in Spanien, sind Preisnachlässe von 30 Prozent oder mehr keine Seltenheit. Dies geht aus den Zahlen des Reiseinformationsportals Trivago hervor. Im gleichen Zeitraum blieben die Preise in Schweizer Städten dagegen beinahe unverändert.

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