Mitarbeitende aus Portugal – Angestellte in Quarantäne – Schweizer Hotels bangen um Saisonstart
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Mitarbeitende aus PortugalAngestellte in Quarantäne – Schweizer Hotels bangen um Saisonstart

Portugal steht neu auf der Quarantäneliste. Doch gerade in den Wintersportgebieten arbeiten viele portugiesische Angestellte. Saisonhotels und -restaurants stehen vor einem Problem.

von
Barbara Scherer
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Den Saisonbetrieben fehlen die Angestellten.

Den Saisonbetrieben fehlen die Angestellten.

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Denn viele Mitarbeitende reisen im Winter aus Portugal an.

Denn viele Mitarbeitende reisen im Winter aus Portugal an.

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Doch jetzt steht das Land auf der Quarantäneliste.

Doch jetzt steht das Land auf der Quarantäneliste.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Schweizer Saisonbetrieben fehlt das Personal.

  • Denn viele Angestellte kommen aus Portugal.

  • Doch das Land steht neu auf der Quarantäneliste und die Mitarbeitenden müssen sich nach Einreise zehn Tage isolieren.

Der Bundesrat hat die BAG-Quarantäneliste wieder eingeführt. Inzwischen sind 23 Länder (Stand 2.12.) drauf. Dabei trifft die Liste den Schweizer Tourismus gleich doppelt: Einerseits stornieren ausländische Touristen und Touristinnen ihre Ferien, andererseits können Hilfskräfte nicht einreisen.

Denn gerade in den Wintersportgebieten kommen viele Mitarbeitende aus Portugal: Sie arbeiten in Hotels und Restaurants. Alle portugiesischen Angestellten müssen nun zehn Tage in Quarantäne: Das ist ein Problem für Saisonbetriebe, die in den nächsten zwei Wochen öffnen wollten.

«Viele Angestellte der Hotelbranche stammen aus Portugal und kommen seit Jahrzehnten in der Wintersaison in die Schweiz, um zu arbeiten», sagt Andreas Züllig, Präsident des Branchenverbands Hotelleriesuisse. Jetzt müssen sie zehn Tage in die Quarantäne.

In dieser Zeit fehlen die Arbeitskräfte im Hotel, das ist ein Problem: «In gewissen Betrieben fallen so bis zu einem Drittel der Angestellten weg», erklärt Züllig. Das könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass einige Hotels ihr Angebot temporär einschränken müssen.

Quarantäne verhindert rechtzeitigen Start

So öffnet etwa das Hotel Prätschli in Arosa am Mittwoch, 8. Dezember und ist ab Freitag, 10. Dezember ausgebucht. Obwohl sich viele Mitarbeitende aus Portugal bereits auf den Weg in die Schweiz gemacht haben, können sie wegen der Quarantäne ihre Arbeit nicht rechtzeitig aufnehmen.

Ob der Hotelbetrieb normal starten kann, sei darum unklar. «Vielleicht müssen wir wegen Personalmangels dann auch eine Triage wie in den Spitälern machen», sagt Hoteldirektor Christian Menet mit einem Augenzwinkern.

Keine Rückreise an den Festtagen

Viele Saisonbetriebe bestellen die Mitarbeitenden aus Portugal nun früher in die Schweiz, erklärt Kurt Baumgartner, Betreiber von drei Hotels in Scuol. «Als Jahresbetrieb haben wir das Glück, dass unsere portugiesischen Angestellten schon hier sind: Wir mussten aber einen Urlaubs-Stopp verhängen.»

Die Mitarbeitenden können nun über Weihnachten nicht nach Hause reisen und sitzen in der Schweiz fest. «Das ist natürlich sehr unschön, dass gewisse Angestellte die Festtage nicht mit der Familie feiern können», so Baumgartner.

Quarantäne belastet Hotels finanziell

Glück hatte auch das Berghotel Schatzalp in Davos: Das gesamte Team aus Portugal sei für Reinigungsarbeiten bereits seit Ende November angestellt worden. Die Mitarbeitenden, die erst zum 20. Dezember angestellt sind, seien informiert.

«Sie werden rechtzeitig eintreffen und die derzeit geforderte Quarantäne im Hotel unter Aufsicht verbringen können», erklärt Paulo Bernardo, Direktor des Hotels. Obwohl der Betrieb nicht beeinträchtig werde, sei der gesamte Aufwand enorm und eine weitere finanzielle Belastung.

Test-Strategie statt Quarantäne

Die portugiesischen Mitarbeitenden fehlen auch in gewissen Restaurants, wie Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer bestätigt: «Unser Betrieb in Kandersteg öffnet am 17. Dezember. Wenn die Mitarbeitenden zehn Tage in Quarantäne müssen, könnten wir gewisse Bereiche erst am 27. Dezember öffnen – das geht nicht.»

Darum seien alle Angestellten in Portugal bereits kontaktiert worden, dass sie früher anreisen. Die meisten können dieser Bitte zum Glück nachkommen. Finanziell sei die Aktion aber ein Rückschlag, weil zehn Arbeitstage für die Quarantäne investiert werden müssen.

Die Quarantäneliste sei höchst problematisch und unverständlich: «Schliesslich könnten die Leute auch mit einem negativen PCR-Test einreisen», so Platzer. Zurzeit hofft der Verband auf eine rasche Lockerung. Man hoffe, dass stattdessen eine Test-Strategie eingeführt wird.

Das ist die Quarantäneliste:

Aufgrund einer neuen Virusvariante Omikron stehen erneut Länder auf der Quarantäneliste (Stand 2.12.2021). Diese Länder stehen drauf:

  • Ägypten

  • Angola

  • Australien

  • Belgien

  • Botsuana

  • Dänemark

  • Eswatini

  • HongkongIsrael

  • Japan

  • Kanada

  • Lesotho

  • Malawi

  • Mosambik

  • Namibia

  • Niederlande (Königreich der)

  • Nigeria

  • Portugal

  • Sambia

  • Simbabwe

  • Südafrika

  • Tschechien

  • Vereinigtes Königreich

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