Aktualisiert 15.02.2006 22:08

Bern, Freitag 17.2.How do you Voodoo?

Electro-Trash-Gospel-Voodoo-Garagerockabilly. Oder einfach nur: Himmelhöllisch geile Platten. Reverend Beat-Man setzt seine musikalische Welteroberung fort.

Brüder und Schwestern, eure Eltern haben sich geirrt. Rock'n'Roll ist keine Sünde, er ist vielmehr unsere letzte Aussicht auf Erlösung von irdischen Qualen. Doch der Rock'n'Roll darf nicht zu Kompromissen bereit sein. Er soll verzerrt, wütend und hemmungslos auf den Rücken peitschen und kein Licht darf dabei brennen. Brüder und Schwestern, seid ihr dazu auch wirklich bereit? Dann klatscht in die Hände für Reverend Beat-Man.

Berufen wurde der Beat-Man durch eine Elvis-Erscheinung am TV. Mit 13 kam die erste Gitarre, Mitte der Achtziger dann seine Garagenrock-Band The Monsters. Sie waren laut, wild und heftig. Doch nicht laut, wild und heftig genug. Also gründete der Berner 1992 das Label Voodoo Rhythm und startete eine Solokarriere. Mit Lucha-Libre-Wrestling-Maske und Dracula-Cape zog Lightning Beat-Man über die Bühnen der Welt und hinterliess Ver- und Zerstörung. Denn der Beat-Man sang, nein, schrie über das Lieben und das Töten, stampfte dabei aufs Kick-Drum und riss an den Gitarrensaiten herum, als wären es die Achselhaare des Teufels.

Bald legte Lightning seine Maske ab, doch wer dachte, der Spuk sei damit vorbei, wurde vom mittlerweile zum Reverend aufgestiegenen Beat-Man unsanft berichtigt. Der Mann röhrte seine Predigten weiterhin mit einer Stimme, die nach Kreissägen auf Menschenknochen klingt. Und für sein neues Album «Your Favorite Position Is on Your Knees» hat sich der lautstarke Wanderprediger mit den Berner Industrial-Pionieren Herpes Ö Deluxe zu Reverend Beat-Man and the Church of Herpes zusammengetan. Das Resultat klingt so, als würden Tom Waits und Screamin' Jay Hawkins so lange mit Eisenstangen auf die Grundmauern des Krautrocks einprügeln, bis die Neubauten einstürzen. Für den Rev ist es bereits das weit über dreissigste Album. Mit seinen bisherigen Platten scharte der Schutzheilige des Trash-Gospels bereits frenetische Jünger in Japan, den USA, Spanien und Australien hinter sich und hat so manchem glattgeleckten Inland-Act den internationalen Erfolg bereits voraus.

Wer sich bekehren lassen will, hat nun im Dachstock Bern die Gelegenheit dazu. Der Reverend und seine Kirche laden zur Plattentaufe. Und bestimmt werden einige Besucher den Club überstürzt wieder verlassen. In der brodelnden Rock'n'Roll-Hölle ist eben nicht Platz für alle.

Michael Rechsteiner

Freitag, 17. Februar, 22 Uhr, Reithalle, Bern.

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