07.09.2020 03:02

St. GallenHSG-Prof soll Studenten willkürlich vom Studium ausgeschlossen haben

Im MBA-Programm der Uni St. Gallen ist es offenbar zu Unregelmässigkeiten bei Prüfungen und Studiumsausschlüssen gekommen. Obwohl der Universitätsrat Fehler sieht, hat es für den zuständigen Professor bisher keine Konsequenzen.

von
Leo Butie
1 / 8
Die Universität St. Gallen ist um eine Affäre reicher. 

Die Universität St. Gallen ist um eine Affäre reicher.

KEYSTONE
Im Zentrum steht Wirtschaftsprofessor Simon Evenett. 

Im Zentrum steht Wirtschaftsprofessor Simon Evenett.

KEYSTONE
Evenett soll bei einer mündlichen Prüfung mehrmals denselben Stoff geprüft haben und Studenten vom Studium ausgeschlossen haben, obwohl noch keine rechtsgültige Ausschlussverfügung vorlag. 

Evenett soll bei einer mündlichen Prüfung mehrmals denselben Stoff geprüft haben und Studenten vom Studium ausgeschlossen haben, obwohl noch keine rechtsgültige Ausschlussverfügung vorlag.

keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Studenten erheben Vorwürfe gegen einen HSG-Professor.
  • Dieser habe mehrmals den gleichen Stoff geprüft und so gewissen Studenten einen Vorteil verschafft.
  • Zudem seien Studenten nicht verfahrensgemäss vom Studium ausgeschlossen worden.
  • Der Fall wurde untersucht, hatte aber bisher keine Konsequenzen für den Professor.
  • Eine St. Galler Anwältin hat zwei Aufsichtsbeschwerden eingereicht.

Gegen Simon Evenett, Wirtschaftsprofessor an der Universität St. Gallen, werden schwere Vorwürfe erhoben, weil es im MBA-Programm zu Unregelmässigkeiten gekommen sei. Dies berichtet die «SonntagsZeitung». Der viel zitierte Akademiker, der an Elite-Universitäten wie Cambridge und Yale studierte, ist seit 2010 Direktor des MBA-Programms und Professor für Internationalen Handel und Wirtschaftsentwicklung.

Die Vorwürfe beziehen sich auf das Studienjahr 2018/2019 und betreffen einerseits den Ablauf von mündlichen Prüfungen sowie den Ausschluss von Studenten aus dem MBA-Programm. Der Professor habe bei mündlichen Prüfungen mehrmals den gleichen Stoff geprüft und damit einen Vorteil für gewisse Studenten geschaffen, da sie sich länger vorbereiten konnten.

Zudem seien Studenten nach einer nicht bestandenen Prüfung ausgeschlossen worden, obwohl der Ausschluss noch nicht rechtsgültig war. Die «SonntagsZeitung» erwähnt einen zweiten Fall, bei dem einem Studenten der Ausschluss per einfachem Brief mitgeteilt worden sei.

Aufsichtsbeschwerden gegen Professor und Universitätsrat

Die Studenten wehrten sich mit einem Rekurs. Seitens der Rekurskommission hiess es, dass es bei den Prüfungen zu «wesentlichen und groben Verfahrensmängeln» gekommen sei. Da der Entscheid weitergezogen wurde, ist das Verfahren noch nicht abgeschlossen. Im Januar reichte die St. Galler Rechtsanwältin Senta Cottinelli, die die Studenten vertritt, eine Aufsichtsbeschwerde beim Universitätsrat ein.

Obwohl der Universitätsrat unabhängig sein müsste, wurde die Untersuchung gegen Evenett durch eine weitere HSG-Professorin geleitet, welche kein ordentliches Mitglied des Universitätsrates ist. Doch selbst bei dieser Untersuchung stellte der Universitätsrat in seinem Entscheid vom Juni 2020 fest, dass über Jahre hinweg die Leistungsverfügungen des MBA-Studiengangs «nicht den Rechtserfordernissen einer korrekten Verfügung genügten». Dennoch wurden laut der Zeitung keine Disziplinarmassnahmen gegen Simon Evenett eingeleitet.

Zum Vergleich: Ein Student muss mit strengen Konsequenzen und gegebenenfalls mit einem Disziplinarverfahren rechnen, wenn er bei der Prüfung ein Mobiltelefon auf sich trägt oder einen nicht zugelassenen Taschenrechner verwendet. Wenn sich ein Student nicht rechtzeitig von einer Prüfung abmeldet oder auch nur der Arztstempel fehlt, droht ihm für die nicht angetretene Prüfung direkt die Note 1.0.

Cottinelli reichte eine zweite Aufsichtsbeschwerde ein. Diese richtet sich gegen die in diesem Zusammenhang durchgeführte Untersuchung des Universitätsrats.

Gegenüber der «SonntagsZeitung» wollte sich die HSG nicht zum Fall äussern, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Auch Evenett war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Und Cottinelli verwies ebenfalls auf das laufende Verfahren und äusserte sich nicht.

Keine Kompromisse

Äussern tut sich aber ein anderer St. Galler Anwalt, der kürzlich Erfahrungen mit Evenett gemacht hat. Auch er vertritt Mandanten, die sich mit Evenett in einem Rechtsstreit befinden. Der Anwalt, der aus Schutz seinen Mandanten gegenüber anonym bleiben möchte, lässt kein gutes Haar an Evenett. «Ich habe ihn als äusserst stur und nicht kompromissbereit erlebt», so der Anwalt. Zudem sei er immer ziemlich arrogant aufgetreten und habe neben seiner keine andere Meinung gelten lassen.

Die HSG sowie Professor Evenett waren am Sonntag für eine Stellungnahme gegenüber 20 Minuten nicht erreichbar.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
26 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Gustei

07.09.2020, 06:53

Immer mal wieder eine Webeschaltung... Schön wie diese Uni funktioniert, da wird also das schummeln gelernt un erst noch staatlich gefördert

EgoSchule

07.09.2020, 06:44

Da lernen die Kleinen von Anfang an, was sie im Schulstoff durchnehmen. In dieser Branche ist und wird man ein "ehrlicher" Geschäftsmann.

unfassbar

07.09.2020, 06:43

unfassbar, was ist das für eine Uni