09.01.2016 09:18

PrüfungsstressHSG-Studenten büffeln auf Ritalin

An der Uni St. Gallen stehen demnächst Prüfungen an. Einige Studenten dopen sich dafür mit Ritalin. Experten raten davon ab.

Beliebt bei HSG-Studenten: Ritalin.

Beliebt bei HSG-Studenten: Ritalin.

20 Minuten/meo

«Ich brauche es einfach, um mich voll zu konzentrieren», sagt ein HSG-Student zu «FM1Today». Auf Ritalin könne er sich total auf den Lernstoff konzentrieren. Er sei nicht der einzige HSGler, der das Aufputschmittel in der Lernphase einnehme.

Grund dafür sieht der Student im steigenden Leistungsdruck. Die Uni erwarte zu viel von den Studenten, gerade in den ersten beiden Semstern sei man enorm gefordert. Ob des grossen Drucks würden deshalb einige zu medizinischen Hilfsmitteln greifen.

Verstoss gegen Betäubungsmittelgesetz

Verkauft und vertrieben würden die Aufputschmittel aber nicht direkt in den Hörsälen und auf dem Schulgelände: «Die meisten kommen über Bekannte und Freunde an die Pillen», weiss Dardan Zeqiri, Präsident der HSG-Studentenschaft gegenüber «FM1Today» zu berichten. Es gebe keine Ritalin-Dealer an der HSG.

Dennoch ist der Erwerb der Pillen unter Umständen problematisch: «Wenn Käufer kein Rezept haben, verstossen sie gegen das Betäubungmittelgesetz und die Betäubungsmittel-Kontrollverordnung», sagt Peter Balzli, Sprecher des Schweizerischen Heilmittelinstituts Swissmedic. Ob diese mit einer Strafverfolgung rechnen müssten, hängt von der Menge ab und liegt im Ermessen der zuständigen Staatsanwaltschaft.

Ritalin kann Paranoia auslösen

Doch nicht nur strafrechtlich ist Ritalinkonsum zur Leistungssteigerung heikel. Es können zahlreiche Nebenwirkungen auftreten. Im Extremfall könne Ritalin sogar Paranoia auslösen, sagt Andreas Horvath, Psychiater und Mitglied bei der Schweizerischen Fachgesellschaft für ADHS (SFG-ADHS). Weitere Nebenwirkungen gehen von Unwohlsein über Nervosität bis zu Herzrasen.

Nicht mit Kokain mischen

Besonders gefährlich ist die Kombination mit Lifestyle-Drogen oder Alkohol. Dann lässt sich die Wirkung nicht vorhersagen. «Absolut niemals sollte man Ritalin und Kokain mischen, das kann zum Kreislaufkollaps führen», betont Horvath. Studien besagen ausserdem, dass Ritalin bei Menschen, die nicht an ADHS erkrankt sind, nur eine sehr schwache Wirkung hat. Horvath betätigt das: «Es ist bisher nicht ausreichend erforscht, welche Wirkung Ritalin bei gesunden Menschen hat. Allerdings dürften die Konsumenten sich wacher fühlen, was mit einer Steigerung der Konzentration gleichgesetzt wird.»

Die Studenten der HSG haben keine Sorgen betreffend Nebenwirkungen der Aufputschmittel. «Ich weiss schon, wie viel ich nehmen darf», erzählt ein HSG-Student «FM1Today». Er dosiere nach Anleitungen aus dem Internet und aus Erfahrungswerten.

Die Universität St. Gallen (HSG) war am Freitagnachmittag nicht für eine Stellungnahme erreichbar. (20 Minuten)

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