Aktualisiert 04.09.2012 14:53

Ferrari-Skandal

Hu Jintao und das Problem mit Luxus-Karossen

Sportflitzer, ausufernder Lebenswandel und viele Ungereimtheiten: Chinas Staatschef zieht die Notbremse in einem Skandal um einen seiner engsten Verbündeten - auf seine Weise.

von
oku
Erregt die Gemüter in China: Ein Ferrari-Skandal um einen Politikersohn. Das Volk ärgert sich über den ausschweifenden Lebenswandel seiner politischen Elite.

Erregt die Gemüter in China: Ein Ferrari-Skandal um einen Politikersohn. Das Volk ärgert sich über den ausschweifenden Lebenswandel seiner politischen Elite.

Erst wirft ein Mordprozess, in dem eine Politikerfrau angeklagt ist, dunkle Schatten auf den chinesischen Staatschef und jetzt auch noch ein Skandal, der seinen Einfluss beschneidet. Im Mittelpunkt dabei steht Ling Jihua, ein enger Vertrauter und Parteigenosse von Hu Jintao. Genauer gesagt, sein Sohn Ling Gu. Der Name ist hierbei von einiger Wichtigkeit, denn offenbar wurde dieser im offiziellen Totenschein gefälscht. Aus gutem Grund. Der ranghohe Freund des Präsidenten hat das Unheil kommen sehen. Mit einem Trick soll deshalb versucht worden sein, einen grösseren Skandal abzuwenden. Doch der Schuss ging nach hinten los.

Jetzt wurde der Parteigenosse kurzerhand wegbefördert auf einen unbedeutenden Posten. Damit will sich der Staatschef schützen. Zwar wird er sein Amt voraussichtlich im Frühjahr ohnehin abgeben. Doch es geht um den Machteinfluss über die Amtszeit hinaus. Und dieser ist mit der jetzt ergriffenen Massnahme laut Insidern schon ganz erheblich geschmolzen. Doch das Kind ist längst in den Brunnen gefallen. Auslöser des Ganzen war eine Unfallfahrt des besagten Sohnes.

Namensfälschung und Internetzensur

Der tödliche Unfall von Lings Sohn soll sich bereits im März ereignet haben. Während einer Fahrt mit einem Ferrari kommt es zu einem Crash, bei dem mindestens zwei Frauen verletzt werden. So weit stimmen die Quellen halbwegs überein. Angeblich wurde bei dem Unglück auch der Sohn des hohen Politikers getötet. Offiziell indes liest sich das ganz anders. Laut «South China Morning Post» wurde in der Anzeige und in den offiziellen Dokumenten der Name «Jia» eingetragen. Dieser wird übrigens genauso ausgesprochen wie das chinesische Wort für Fälschung. Ob der Mittzwanziger tatsächlich beteiligt war und gestorben ist, ist nicht gesichert.

Inzwischen sind in China sämtliche Blogeinträge zu diesem Fall gesperrt. Suchanfragen mit dem Wort «Ferrari» werden blockiert, wie die «Global Times» berichtet. Doch das alles hat offenbar die Gerüchteküche nur weiter angeheizt. Wie ein ehemaliger KP-Funktionär gegenüber «South China Morning Post» in der Dienstagausgabe sagt, wurde der Fall nun der Parteispitze zu brisant. Vor allem die Glaubwürdigkeit von Hu Jintao stand auf dem Spiel. Und das unmittelbar vor seinem Amtsende.

Zorn des Volkes

Für viele Chinesen ist der privilegierte Lebensstil von Funktionärskindern ein grosses Ärgernis. Deshalb sind vor allem führende Politiker gehalten, Luxus nicht allzu offen nach aussen zu tragen. Da ist ein Ferrari des Ling-Sohnes natürlich Öl ins Feuer der zornigen Masse. Mit der Degradierung des Parteifunktionärs setzt der Staatschef deshalb ein Zeichen und distanziert sich von seinem Vertrauten.

Damit ist der Fall für Jintao aber keinesfalls abgehakt. Im Gegenteil: Er wollte Ling Jihua bei den anstehenden Wahlen in vorderste Stellung bringen und damit seinen eigenen Einfluss auch über die Zeit nach seinem Vorsitz retten. Zumindest dieser Schachzug ist ihm nicht geglückt.

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