Naturhistorisches Museum: Hühnerfuss-Consommé löst Shitstorm aus
Aktualisiert

Naturhistorisches MuseumHühnerfuss-Consommé löst Shitstorm aus

Das Naturhistorische Museum servierte im Skelettsaal Hühnerfuss-Consommé. Dies hat Tierschützer aus Deutschland verärgert.

von
Nadine Ellis

«Den Menschen tote, zum Teil längst ausgestorbene Tiere zu präsentieren, ist das Eine. Aber dann beim hauseigenen, exklusiven Mehrgänger Hühnerteile und Teile von Kuhbabys zu servieren ist echt das Letzte!» So oder ähnlich wettern Tierschützer und vegane Aktivisten in einem Shitstorm auf der Facebook-Seite gegen das Naturhistorische Museum der Burgergemeinde Bern. Zudem erhielt das Museum innert kurzer Zeit 15 schlechte Bewertungen.

Der Stein des Anstosses ist die Veranstaltung «Durch die Gänge», die am vergangenen Freitag und Samstag im Skelettsaal des Museums stattfand – oder vielmehr das Menü, das auf der Speisekarte stand. Serviert wurden unter anderem Hühnerfuss-Consommé und Kalbsschwanz-Ravioli. Das Essen ist nicht bei allen Besuchern gut angekommen: «Es war ein überteuertes Menü mit einem Ekelfaktor. Aber der Ort war super», erzählt eine Besucherin.

Menü zum Thema «Knochen»

Die Veranstaltung fand bereits zum dritten Mal statt. Jedes Mal gab es an fünf Abenden einen Vortrag zu einem wissenschaftlichen Thema und ein dazu passendes Menü, das in den Ausstellungsräumen serviert wurde. Am vergangenen Wochenende tischte «&Söhne» nun Gerichte auf, die mit dem Veranstaltungsthema «Knochen» zu tun hatten – und rief damit die Tierschützer und Veganer auf den Plan.

Museumssprecher Simon Jäggi geht davon aus, dass es sich beim Shitstorm um eine koordinierte Aktion von mehrheitlich deutschen Aktivisten handelt: «Es hat harsche Kommentare und Posts wegen der Veranstaltung gehagelt. Dies meist von Personen, die wahrscheinlich noch nie einen Fuss ins Naturhistorische Museum gesetzt haben.» Einen Kommentar habe er gar löschen müssen, weil er unter der Gürtellinie gewesen sei. «Wahrscheinlich hat der Verfasser darauf einige Leute zusammengetrommelt.»

Das Museum hat prompt auf den Shitstorm reagiert und mit einem Post die Fans zur Diskussion aufgefordert: «Es waren ja wohl die Hühnerfüsse und die Kalbsschwanz-Ravioli, welche die Tierschützer so provoziert haben. Dabei möchten wir festhalten: Würden die Menschen mehr «minderwertige» Fleischteile essen statt Entrecôte und Filet, würden weniger Tiere geschlachtet werden. Liebe Facebook-Freunde, was denkt ihr?» Die Reaktionen darauf fielen positiv aus: «Die Kommentare kommen von Leuten, die uns unterstützt haben. Diejenigen, die sich aufgeregt haben, haben sich auf den Post nicht gemeldet», sagt Jäggi.

Trotz Kritik: «Alles bleibt gleich»

Auch sonst reagiert das Museum gelassen. Jäggi: «Die schlechten Bewertungen sind keine Kastastrophe für uns.» Allerdings sei die Art und Weise der Äusserungen ziemlich krass gewesen. «Zudem sehen wir uns grundsätzlich als Organisation, die sich für die Natur einsetzt und durch wissenschaftliche Beiträge auf den Schutz der Natur hinarbeitet», erklärt Jäggi. Denn um intervenieren zu können, wenn Tiere gefährdet sind, brauche die Politik Fakten, die dies wissenschaftlich belegen könnten.

Vom 4. bis zum 6. Februar werden drei weitere «Durch die Gänge»-Abende mit «& Söhne» stattfinden, Tickets gibts im Vorverkauf. Am Anlass wird sich auch trotz der harschen Kritik nichts ändern: «Wir reagieren nicht darauf, indem wir unser Angebot wechseln. Im Gegenteil – alles bleibt gleich», erklärt Jäggi. Interessierte sollten sich sputen: «Ein Anlass ist bereits ausverkauft», sagt Jäggi. Übrigens gebe es jeweils auch ein Vegi-Menü.

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