Aktualisiert 08.09.2009 10:36

Filmfestival VenedigHugo Chávez Superstar

George Clooney, Matt Damon, Tilda Swindon: Langsam treffen auch die Superstars in Venedig ein. Dabei mischen sich auch Menschen unter sie, die man sonst in ganz anderen Zusammenhängen kennt. Zum Beispiel Hugo Chávez, der Präsident von Venezuela.

Von einem Favoriten für den Goldenen Löwen des 66. Filmfestivals von Venedig ist noch keine Rede. Angesichts von 25 Filmen im Wettbewerb - vier mehr als 2008 - zeigen sich wohl auch bei der Jury um Regisseur Ang Lee Ermüdungserscheinungen.

Während die Juroren am Montag wiederum in dunklen Kinosälen sassen, strahlte der Lido: US-Superstar George Clooney war endlich angekommen, um zusammen mit Ewan McGregor Venedig in Glamour zu tauchen. Autogrammjäger machten sich sogleich auf den Weg. Drinnen fielen vor allem starke Frauen in französischen Filmen auf.

Allen voran Isabelle Huppert, die in «White Material» von Claire Denis die energische, aber auch sture Verwalterin einer Kaffeeplantage in Afrika spielt. Aufgerieben zwischen den Fronten eines Bürgerkrieges muss Maria erkennen, dass sie alles verliert, weil sie die Plantage behalten wollte.

Jane Birkin überzeugt bei Altmeister Jacques Rivette in dem sympathischen Zirkus-Film «36 vues du Pic Saint-Loup». Ihre Tochter Charlotte Gainsbourg spielt ihr Können in Patrice Chéreaus Beziehungsdrama «Persécution» aus.

Herzliche Treffen

Trotz hoher Erwartungen und Matt Damon in der Hauptrolle überzeugte Steven Soderbergh mit seiner Komödie «The Informant!» am Lido nicht so richtig. Damon spielt den im Agrar-Business tätigen Mark Whitacre, der in seinem Unternehmen nach oben strebt und gleichzeitig dessen Machenschaften enttarnen möchte.

Weitaus mehr Beifall fand Oliver Stones Blick über US-Grenzen nach Süden: «South of the Border». Seine herzlichen Treffen mit allen linken Präsidenten Lateinamerikas sollen eine positivere Seite der in Washington kritisch gesehenen Länder zeigen.

«Die US-Medien dämonisieren ausländische Staatenlenker als unsere Feinde», erläutert Stone («Nixon»). Venezuelas Hugo Chávez gefiel Stones Werk offensichtlich sehr - er reiste für die Weltpremiere des Films am Montagabend überraschend an den Lido.

Unter starken Sicherheitsvorkehrungen schritt Chávez über den roten Teppich. Stone hatte auf diese Weise seinen «Hauptdarsteller» an der Seite. Viel Jubel, aber auch Pfiffe begleiteten den Auftritt der beiden, bei dem Chávez wie ein Filmstar viele Autogramme gab, geduldig Fragen von Journalisten beantwortete und sich fotografieren liess.

Schwarzer Humor

Und welche Filme im Wettbewerb hallen nach, womöglich auch bei den Juroren? Während in anderen Streifen Besessenheit, Apokalypse, Horror und Gewalt dominieren, analysiert die Österreicherin Jessica Hausner in «Lourdes» in ruhigen Bildern das Geschäft mit dem Pilger-Business der Marienwallfahrtsstätte in den Pyrenäen.

In totaler Trostlosigkeit nach einem Natur-Supergau schweisst US-Regisseur John Hillcoat in «The Road» Vater und Sohn zusammen - eine Parabel auf die Menschlichkeit.

Auch die humorvolle Art, in der Werner Herzog in «My Son, My Son, What Have Ye Done?» einem im Stil der griechischen Mythologie vollzogenen Muttermord nachgeht, war eindrücklich. Als Kontrast dazu zieht der US-Regisseur Todd Solondz in seinem Beziehungsdrama «Life During Wartime» gekonnt alle Register des schwarzen Humors.

So etwas kommt in Venedig als Erfrischung an. Doch es ist erst Halbzeit. Der deutsche Erfolgsregisseur Fatih Akin tritt noch mit «Soul Kitchen» an. Und Horror-Meister George Romero wird seine Zombies mit «Survival of the Dead» am Lido loslassen.

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