Venezuela: Hugo, der Fernseh-Marathonmann

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VenezuelaHugo, der Fernseh-Marathonmann

Dabei erblasst sogar Fidel Castro vor Neid: Zum zehnjährigen Jubiläum seiner Talkshow «Aló presidente» tritt Venezuelas Staatschef Hugo Chávez an vier aufeinanderfolgenden Tagen im Fernsehen auf.

Die normalerweise am Sonntag ausgestrahlte Sendung nutzt Chávez meistens für stundenlange Reden über den Sozialismus des 21. Jahrhunderts und zur Erörterung internationaler Fragen und Attacken auf politische Gegner. Zum 10. Geburtstag der Show hat sich der Präsident etwas ausgedacht, das sogar die Auftritte seines grossen Vorbilds Fidel Castro in den Schatten stellt: «Aló presidente» geht an vier Tagen in Folge über den Sender.

Der erste Teil des TV-Marathons wurde am Donnerstag aus einem Elektrizitätswerk im Westen des Landes ausgestrahlt. Hugo Chávez sprach gemäss BBC über Korruption, die globale Wirtschaftskrise und die Bedeutung des Kraftwerks für die Energieproduktion des Landes. Geplant ist auch der Auftritt von zahlreichen Gästen, teils via Satellit.

Vargas Llosa kritisiert Chávez

Die Opposition kritisierte den Vier-Tages-Marathon des umstrittenen Präsidenten. Sie veranstaltet gleichzeitig ein Chávez-kritisches Kolloqium, an dem auch der peruanische Schriftsteller und ehemalige Präsidentschaftskandidat Mario Vargas Llosa teilnimmt. Er warf Hugo Chávez am Donnerstag vor, sein Land in eine «kommunistische Diktatur» zu treiben. Behalte er seinen Kurs bei, werde sich Venezuela «in ein zweites Kuba verwandeln».

Chávez habe die Grundrechte, die Pressefreiheit, die Freiheit des Marktes und alle Grundlagen der demokratischen Kultur» beschnitten, sagte der 73-jährige Autor. Bei seiner Ankunft in Venezuela am Mittwoch war Vargas Llosa vorübergehend am Flughafen von Maiquetía bei Caracas festgehalten und mehr als eine Stunde lang befragt worden. Der Autor hat Chávez in der Vergangenheit wiederholt kritisiert.

(pbl/sda)

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