Aktualisiert 22.05.2020 13:42

Kein Witz

Hummeln kneifen neuerdings Pflanzen

Es klingt ein bisschen irre, entspricht aber den Tatsachen: Hummeln sind dazu übergegangen, die Pflanzen, auf denen sie zwischenlanden, zu zwicken – aus gutem Grund.

von
Fee Anabelle Riebeling

Darum gehts

  • Hummeln haben eine eigene Methode entwickelt, um Pflanzen früher zum Blühen zu bringen.
  • Wie Forscher der ETH Zürich herausgefunden haben, kneifen die Tiere Pflanzen mit ihren Mundwerkzeugen und lösen so eine frühere Blütezeit aus.
  • Gezwickte Tomatenpflanzen beispielsweise blühen so einen Monat früher.
  • Laut den Wissenschaftlern dürfte dieses Vorgehen eine Reaktion auf den Klimawandel sein.

Hummeln stechen zwar nicht, knabbern und kneifen tun sie aber sehr wohl. ETH-Forscher um Foteini G. Pashalidou haben ein spezielles Verhalten entdeckt, mit dem die Hummeln die zeitliche Abstimmung zwischen ihnen und den von ihnen bestäubten Pflanzen verbessern.

So sieht es aus, wenn die Hummel zwickt.

So sieht es aus, wenn die Hummel zwickt.

Hannier Pulido / ETH Zürich

In einer Studie, die im Fachmagazin «Science» veröffentlicht wurde, zeigen die Forscher, dass Hummelarbeiterinnen mit ihren Mundwerkzeugen in die Blätter jener Pflanzen kneifen, die keine Blüten tragen. Der daraus entstandene Schaden regt bei den Pflanzen offensichtlich die Blütenproduktion an.

Nachahmung fehlgeschlagen

Tomatenpflanzen, die dem Hummelverbiss ausgesetzt waren, blühen gemäss der Studie bis zu 30 Tage früher als üblich. Bei Senfpflanzen verschob sich der Blühzeitpunkt um zwei Wochen nach vorne.

Die Forschenden versuchten, die Verletzungen an den Blättern nachzuahmen. Und tatsächlich blühten sowohl Tomaten- als auch Senfpflanzen etwas früher. Allerdings war der Effekt nicht annähernd so stark, wie wenn eine Hummel gekniffen hätte.

Die Forschenden vermuten deshalb, dass innerhalb der Pflanze ein chemisches Signal beteiligt sein könnte – oder dass die Blattschäden durch den Menschen nicht genau genug nachgeahmt werden können.

Hummeln – cleverer als gedacht

Dass Tiere eine Fähigkeit erlernen und weitergeben können, kannte man bisher von Affen und Vögeln. Doch auch Hummeln sind dazu in der Lage, wie britische Wissenschaftler 2016 nachwiesen. Konkret gelang es ihnen, 23 von 40 Bienen so weit zu bringen, dass sie an den Schnüren zogen, um an Futter zu kommen. Bei den Bienen, die kein Training bekommen hatten, schafften das nur 2 von 110. Bei den Bienen, die die anderen Bienen beim Training beobachtet hatten, konnten 60 Prozent später die gleiche Technik anwenden. Wenn man eine trainierte Biene in einen Bienenstock steckte, verbreitete sich das Spezialwissen der Biene dort schnell.

Pollenmangel lindern

Gemäss ETH-Mitteilung haben Hummeln möglicherweise eine wirksame Methode entwickelt, um lokal Pollenmangel zu lindern. In der Natur gebe es auch andere Bestäuber, die von den Bemühungen der Hummeln profitieren könnten, etwa Honigbienen. Diese kneifen selber keine Blätter.

Von den Bemühungen der Hummeln könnten auch Honigbienen profitieren.

Von den Bemühungen der Hummeln könnten auch Honigbienen profitieren.

20Min/Fee

Die Forschenden vermuten, dass das Blätter-Kneifen mit dem Klimawandel zusammenhängt. Jahreszeitliche Anomalien würden zu Unsicherheiten führen und könnten die zeitliche Abstimmung zwischen Pflanzen und ihren Bestäubern stören.

(SDA)
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16 Kommentare

Gaudimax

22.05.2020, 14:59

Da steht: "Hummeln sind dazu übergegangen, die Pflanzen, auf denen sie zwischenlanden, zu zwicken". Wenn sie dazu übergegangen sind, was haben sie dann vorher gemacht? Mit einem Taschenmesser ihren Namen eingeritzt? Ausserdem steht da noch, Hummeln stechen nicht. Wofür haben sie dann den Stachel? Um am Buffet die Käsestücke aufspiessen zu können?

Ursli67

22.05.2020, 14:19

Sind Hummeln eigentlich traurig darüber, dass sie keine Wespentaille haben?

Hummelstich

22.05.2020, 15:11

Doch, Hummeln können stechen! Und das tut auch weh.